"Annäherung an Abscheulichkeit"

Max Ophüls-Preis geht an Schleinzer

21. Jänner 2012, 23:04

Lob für "konzeptionellen Mut" des österreichischen Filmemachers - Michael Fuith bester Nachwuchsdarsteller - Phettberg-Porträt bester Dokumentarfilm

Saarbrücken - Der Max Ophüls Preis geht in diesem Jahr an den österreichischen Regisseur Markus Schleinzer für den Film "Michael". Das teilten die Veranstalter am Samstag in Saarbrücken mit. Der 96-minütige Film eröffne dem Zuschauer die Täterperspektive eines unglaublichen Verbrechens. Die Jury lobte den konzeptionellen Mut des Filmemachers. Der Film sei eine "vorsichtige Annäherung an die Abscheulichkeit, die man nicht mehr vergessen wird", hieß es in einer Mitteilung. Die Auszeichnung ist mit 18.000 Euro dotiert.

Hauptdarsteller Michael Fuith wurde der Preis für den besten Nachwuchsdarsteller zuerkannt. Darüber hinaus erhielt Sobo Swobodniks Schwarz-Weiß-Porträt über Hermes Phettberg, "Der Papst ist kein Jeansboy", den Preis für den besten Dokumentarfilm.

Im Wettbewerb des 33. Festivals Max Ophüls Preis waren sieben österreichische Produktionen vertreten. Es gilt als eines der bedeutendsten Foren für Nachwuchsfilmer im deutschsprachigen Raum, an dem heuer rund 90 Spiel-, Kurz-, und Dokumentarfilme um mehr als ein Dutzend Preise konkurrierten.

Schleinzers im Mai 2011 im Wettbewerb von Cannes erstmals gezeigtes Pädophilendrama "Michael" hatte bereits im vergangenen Jahr zahlreiche Preise erhalten. Der Film wurde unter anderem bei der Viennale, in Zagreb, Mumbai und Haifa ausgezeichnet.

"Michael" beschreibt nach Angaben der Festival-Veranstalter die letzten fünf Monate unfreiwilligen Zusammenlebens des zehnjährigen Wolfgang (David Rauchenberger) und des 35-jährigen Michael (Michael Fuith). Der pädophile Michael, ein unauffälliger Versicherungskaufmann, hält im Keller seines anonymen Vorstadthauses Wolfgang gefangen. Die Situation gerät schließlich aus dem Ruder, als Wolfgang beginnt, gegen seinen Unterdrücker zu rebellieren.

Mit nüchterner Forensik zeige er die Seelenlandschaft des Unbegreiflichen und Verwerflichen, begründete die Jury ihre Entscheidung. "Die mit Perfektion angewandte Kunst der Auslassung, der konzeptionelle Mut des Filmemachers und ein präziser Hauptdarsteller machen diesen klugen Film zu einer vorsichtigen Annäherung an die Abscheulichkeit, die man nicht mehr vergessen wird", so die Juroren.

Michael Fuiths darstellerische Arbeit sei "präzise und in ihrer Wirkung bestürzend", hieß es in der Begründung für den Preis als bester Nachwuchsdarsteller. Fuith verzichte auf jede übertriebene Geste und gebe seiner Figur damit eine eindrucksvolle und den Zuschauer erschreckende Authentizität. Die Auszeichnung ist mit 3.000 Euro dotiert.

Höchstes Lob gab es für das Phettberg-Porträt von Sobo Swobodnik. Der Film versuche sich nicht in textreichen Befragungen. Wie sein Protagonist vertraue er auf "Intuition und Intensität, auf Bilder, Töne, Wahrnehmungen und darauf, dass sich zwischen diesen Bildern und jenseits dieser Töne noch ganz andere Wahrheiten und Erfahrungen auftun", so die Juroren. "Es gibt in diesen Tagen viel zu wenige Filme wie diesen", befand die Jury.

Als beste Nachwuchsdarstellerin wurde Peri Baumeister für ihre Rolle in "Tabu - Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden" ausgezeichnet. Bei diesem Film führte der Deutsche Christoph Stark Regie.

Das Festival Max Ophüls Preis gilt als eines der bedeutendsten Foren für Nachwuchsfilmer im deutschsprachigen Raum. Die Stadt Saarbrücken hatte das Festival 1980 gegründet und nach dem international bekannten Saarbrücker Regisseur Max Ophüls (1902-1957) benannt. Zum Karrieresprungbrett wurde das Festival etwa für die Regisseure Wolfgang Becker und Doris Dörrie sowie für den Schauspieler Til Schweiger. (APA)

 

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