Berthold: "Marcel hat es Boden unter Füßen weggezogen" - Aber keine Disqualifikation zu befürchten
Kitzbühel - Marcel Hirscher hat offenbar bei seinem
Slalom-Sieg am 5. Jänner in Zagreb eingefädelt. Mathias Berthold, der
Cheftrainer der österreichischen Ski-Herren, hat am Samstagabend in
Kitzbühel einen entsprechenden Bericht der "Kronen Zeitung"
(Samstag-Ausgabe) bestätigt. "Wir haben bei der Videoanalyse einige
Tage später beim fünften Mal Hinschauen gesehen, dass Marcel in
Zagreb eingefädelt hat", meinte Berthold.
Hirscher soll laut "Kronen Zeitung" auch bei seinem Erfolg drei
Tage später in Adelboden eingefädelt haben. "Da haben wir aber nichts
gefunden", sagte Berthold. Zu befürchten hat der 22-jährige
Salzburger aber nichts, denn nach dem Verstreichen der 15-minütigen
Protestfrist nach einem Rennen werden die Ergebnisse offiziell
gemacht. Danach sind gemäß Reglement Proteste aussichtslos.
Fürs Selbstvertrauen Hirschers sind die neuen Erkenntnisse aber
ausgerechnet vor den beiden Heim-Slaloms am Sonntag in Kitzbühel und
am Dienstag in Schladming alles andere als förderlich. Deshalb
informierten die ÖSV-Betreuer Hirscher bis Samstag auch nicht vom
Torfehler im Mittelteil des zweiten Zagreb-Durchgangs, um den
Jungstar nicht zu verunsichern. Dieses Vorhaben platzte dann aber
Samstag früh.
Hirscher unerfreut
"Marcel konnte es zuerst nicht glauben. Er hat gelacht, bis er
gemerkt hat, dass wirklich was dran ist. Danach hat er schon
ordentlich geschluckt. Marcel hat es richtig den Boden unter den
Füßen weggezogen. Das ist natürlich kein günstiger Zeitpunkt vor
diesen zwei wichtigen Rennen, für die er sich so viel vorgenommen
hat", so Berthold.
Doch Berthold sprach seinem Schützling danach gut zu: "Da kann man
nicht viel machen. Wir passen im Training auf, man schaut, macht
Videos. Aber manche Dinge sind nicht zu sehen. Das Problem ist, dass
die Läufer fast übers Tor drüber fahren und deshalb nichts zu
erkennen ist." So wie beim Torfehler in Zagreb, der direkt vor den
Augen von Berthold passierte. "Ich habe aber beim besten Willen
nichts erkennen können", erklärte der Vorarlberger.
Ebenso klar ist für Berthold auch, dass Felix Neureuther, der
Zweitplatzierte in Zagreb, ebenfalls eingefädelt hat. "Ganz deutlich,
gleich beim ersten Tor im zweiten Lauf. " Dennoch ist Berthold
überzeugt, dass es sich dabei um Einzelfälle handelt. "Es sind sicher
nicht viele, die uns entgehen." Dennoch will der ÖSV als Konsequenz
der Affäre ab sofort punkto Videostudium und -analyse aufrüsten und
den ohnehin schon hohen Standard weiter heben. (APA)