Tiroler feiert beim zweiten Springen in Zakopane seinen 39. Weltcupsieg vor Richard Freitag und Anders Bardal
Zakopane - Gregor Schlierenzauer hat am Samstag in Zakopane
den Spieß umgedreht. Nach seiner kleinen Pechsträhne mit dem
gerissenen Reißverschluss auf dem Kulm sowie am Freitag zweimal sehr
schlechten Windbedingungen schlug der 22-jährige Tiroler am Samstag
in Zakopane zurück. Mit Weiten von 131,5 und 132 Metern sicherte sich
Schlierenzauer nicht nur seinen bereits fünften Sieg in Zakopane,
sondern den insgesamt 39. seiner Karriere. Er zog damit in der
Sieger-Rekordliste mit dem bereits zurückgetretenen Polen Adam Malysz
gleich.
Vierschanzen-Tourneesieger Schlierenzauer gewann 3,5 Punkte vor
dem Deutschen Richard Freitag und 7,2 Zähler vor dem Norweger Anders
Bardal. Der Norsker hatte nach dem ersten Durchgang geführt. Rang
vier ging an Weltcup-Spitzenreiter Andreas Kofler, der damit seinen
Vorsprung in der Gesamtwertung auf seinen Teamkollegen noch bei 39
Zählern halten konnte.
Für Schlierenzauer bedeutete der Sieg bei diesmal zumindest
relativ gleichmäßigen Rückenwindbedingungen freilich eine Genugtuung,
war er doch zuletzt zweimal unter seinem Wert geschlagen worden. "Es ist natürlich sensationell, wenn es so hinhaut. Gestern waren
sehr schwere Bedingungen, heute hatten wir Riesenglück mit dem
Wettkampf. Der 39. Sieg ist ein Meilenstein für mich, mit meinem Idol
Adam Malysz hier in Polen gleichzuziehen, das ist unglaublich",
freute sich der mittlerweile vierfache Saisonsieger Schlierenzauer.
Weltcup-Leader Andreas Kofler war mit seinem zweiten Sprung nicht
zufrieden, der ihm das Podest, vielleicht auch den Sieg kostete. "Der
Sprung war nicht optimal, dann bist du gleich auf dem vierten Platz.
Aber ich bin zufrieden, vor so einem Publikum macht es Spaß."
"Wir können uns glücklich schätzen, dass wir den Sieg geholt
haben. Es war ein Springen auf einem sehr hohen Niveau, heute hat
Gregor die Nase vorne gehabt", freute sich Cheftrainer Alexander
Pointner, der auch froh war, dass man das Springen noch vor dem
angesagten Schneefall über die Bühne brachte. "Heute hatten wir ein
bisserl Glück mit dem Wetter, das haben wir aber auch verdient."
Ewiger zweiter Platz schon erreich
Dass Schlierenzauer nun gemeinsam mit Malysz bei 39 Siegen hält
und ihm mit gerade 22 Jahren nur noch sieben Erfolge auf die
finnische Allzeitgröße Matti Nykänen fehlen, gefällt auch dem
langjährigen Erfolgstrainer. "Es ist beeindruckend, dass immer wieder
neue Rekorde dazukommen. Es ist schon etwas ganz Besonderes, andere
brauchen da eine ganze Karriere. Bei ihm kann man sagen, wenn es ihm
weiterhin so viel Spaß macht, steht er im ersten kleinen Teil seiner
Karriere. Da kann noch einiges dazukommen."
In Sachen Gesamt-Weltcup will Pointner nach 15 von 27 Bewerben
noch nicht wirklich über den möglichen Gewinn der großen
Kristallkugel sprechen. "Wir sind jetzt knapp bei der Hälfte, wir
müssen einfach in Ruhe weiterarbeiten." Nächste Arbeitsstätte ist
kommende Woche mit der weiten Reise nach Sapporo verbunden, noch ist
nicht klar, mit welcher Besetzung die ÖSV-Adler vertreten sein
werden. Sicher ist nur, dass Martin Koch zu Hause bleibt, denn der
Kärntner will schon ganz in Richtung Skiflug-WM in Vikersund
(24.-26.2.) hinarbeiten. Bei der Heimfahrt von Zakopane im Tourbus
wollte Pointner mit den Athleten über deren Japan-Pläne sprechen.
Pointner selbst wird sich den Asien-Trip einmal mehr sparen und im
Land der aufgehenden Sonne von Harald Diess vertreten werden. (APA)