Letzter Abschied vom "Inbegriff des Wiener Kaffeehauses" - Cafetier bereits im engsten Familienkreis beigesetzt
Wien - Ein letzter Abschied: Kardinal Christoph Schönborn hat am Samstag eine rund einstündige Seelenmesse für den Ende Dezember verstorbenen Wiener Cafetier Leopold Hawelka zelebriert. Schönborn sprach von einem "vorbildlichen Menschen, der viele beeindruckt hat" und der als "Inbegriff des Wiener Kaffeehauses" gelte. Statt des Sarges war lediglich ein Bild Hawelkas im Dom zu sehen, da die Beisetzung bereits Tage zuvor im engsten Familienkreis stattgefunden hatte.
"Ich war stolz, als Student in den 1960er Jahren ins Hawelka zu gehen und man war natürlich auch stolz, wenn Herr und Frau Hawelka einen schon kannten", erinnerte sich der Kardinal an seine früheren Aufenthalte im berühmten Kaffeehaus in der innerstädtischen Dorotheergasse. Das Ehepaar Hawelka - Frau Josefine war im Jahr 2005 verstorben - seien durch ihren Fleiß und ihre Gastfreundschaft Vorbilder gewesen: "Das Besondere dieses Cafes war es, dass man dort keine Nummer war."
"Lied vom alten Ober"
Ein weiteres Erfolgsgeheimnis des kleinen Lokals bestehe darin, dass es nie modernisiert worden sei. "In einer Zeit, in der alles gestylt sein muss, wie wohltuend ist es, dass es Dinge und Orte gibt, die einfach bleiben, wie sie sind", so Schönborn. Am Ende der Seelenmesse wurde zu Ehren Hawelkas das bekannte, u.a. bereits von Hans Moser interpretierte Wienerlied "Lied vom alten Ober", besser bekannt unter dem Titel "Sperrstund is'", gesungen.
Leopold Hawelka war am 29. Dezember im Alter von 100 Jahren verstorben. Der am 11. April 1911 geborene Hawelka gründete gemeinsam mit seiner Frau Josefine im Jahr 1939 das gleichnamige Cafe. Ab den 1960er Jahren etablierte sich dieses als Künstlertreff der heimischen Avantgarde. Es diente Protagonisten wie Helmut Qualtinger, Oskar Werner oder Friedensreich Hundertwasser als Arbeits- und Wohnzimmerersatz. Das heute vorrangig von Touristen frequentierte Kaffeehaus wird bereits seit einiger Zeit von Hawelkas Enkeln Amir und Michael geführt. (APA)