Nanny im Zombieland: Horror-Survival-Game "Amy"

    21. Jänner 2012, 10:53
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    Mädchen muss vor Monstern beschützt werden

    Es herrscht beileibe kein Mangel an digitaler Unterhaltung, die mit dem Horror spielt. Mit den Helden etablierter Spielereihen wie Resident Evil, Silent Hill oder Alone in the Dark müssen Spieler im Angesicht wohl- bis überdosierter Gruseleien schleichen, schlachten und Rätsel lösen. Die Zombie-Apokalypsen, Monsterinvasionen und epidemischen Verunstaltungen, die sich im Survival-Horror-Genre treffen, mögen ein popkultureller Spiegel für ein pessimistisches Zeitalter sein. Ein interaktiver Alptraum aus Dunkelheit und Schrecksekunden kann aber eine unvergleichbare Intensität erreichen und eine Atmosphäre bieten, die Spieler bis zum Abspann gefangen nimmt.

    Amy beschützen

    Amy, ein Downloadspiel für Konsolen, versucht es den Grusel-Blockbustern gleichzutun. Das Spiel wartet mit einer Besonderheit auf: Die titelgebende Hauptfigur ist ein kleines Mädchen, das autistisch veranlagt ist und nicht spricht. Spieler stehen ihr als ihre erwachsene Begleiterin Lana zur Seite. Lana wollte sie ins Krankenhaus bringen, als die Epidemie ausbricht, die Menschen in Monster verwandelt. Um Amy in Sicherheit zu bringen, müssen Rätsel gelöst und Auswege aus einem zombieverseuchten Stadtlabyrinth gefunden werden. Spielerischer Clou ist, dass Amy bei der Bewältigung dieser Aufgabe hilft: Lana kann sie etwa bitten, durch schmale Schächte zu klettern und Türen von innen zu öffnen.

    Welches Spiel hat schon eine eigene Taste, um ein Kind an die Hand zu nehmen?

    Die Idee, die Intensität eines Horrorspiels durch die Schutzbedürftigkeit eines Kindes zu erhöhen, ist nachvollziehbar. Welches Spiel hat schon eine eigene Taste, um ein Kind an die Hand zu nehmen? In den düsteren Gängen, die von einer gut gemachten, beunruhigenden Geräuschkulisse durchzogen sind, ist Amy ein ungewohntes, ein beunruhigendes Wesen. Die Dialoge, die eine emotionale Bindung zwischen Amy und Lana herstellen, werden aber von einer Spielmechanik kontrastiert, die Amy lediglich als Werkzeug zur Lösung der Rätselaufgaben benutzt.

    Fazit

    Das stille Kind hat auch kaum Gelegenheit zum greifbaren Charakter heranzuwachsen. Das Spiel ist oft zu langatmig, zu hölzern, um die Atmosphäre halten zu können. Mit der Rätsellösung, die man im Halbdunkel nicht findet, versandet irgendwann auch der Versuch, per Babysitting mehr Emotion in den Horror zu bringen.

    Erste Kritiken für Amy fielen schlecht aus. Das Spiel ist aber besser als sein Ruf: Was man sich beim günstigen Preis von 10 Euro erspart, muss eben mit Geduld aufgezahlt werden. (Alois Pumhösel/DER STANDARD Printausgabe, 21. Jänner 2012)

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    Amy

    • Mädchen "Amy" muss vor Monstern beschützt werden
      screenshot: lexis

      Mädchen "Amy" muss vor Monstern beschützt werden

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