Militäreinsätze Frankreichs in Afghanistan ausgesetzt
Peshawar - Die radikal-islamischen Taliban stehen
nach eigener Darstellung hinter dem Anschlag, bei dem am Freitag in
Afghanistan vier französische Soldaten getötet wurden.
Taliban-Sprecher Zabihullah Mujahid sagte der Nachrichtenagentur
Reuters am Samstag, der afghanische Soldat, der die Schüsse abgegeben
habe, sei von seiner Gruppe rekrutiert worden. Die Taliban hätten
viele Menschen in wichtigen Positionen angeworben. Einige von ihnen
hätten ihre Aufgabe bereits erfüllt.
Frankreich setzte nach dem Anschlag in der östlichen Provinz
Kapisa alle Militäreinsätze in Afghanistan aus. Sollte sich die
Sicherheitslage nicht verbessern, könnten die Truppen auch frühzeitig
abgezogen werden, sagte Präsident Nicolas Sarkozy. Die französischen
Soldaten sollen nach bisheriger Planung gegen Ende 2013 das Land
verlassen. In den vergangenen Monaten gab es bereits eine ganze Reihe
ähnlicher Angriffe auf westliche Soldaten.
Verteidigungsminister beruhigt
Der französische Verteidigungsminister Gerard Longuet hat
die Sorge vor einem vorzeitigen Truppenabzug aus dem Land entkräftet.
Die Mission der Truppen bleibe "genau gleich", sagte Longuet am
Samstag bei seiner Ankunft in Kabul. Dort traf auch der
US-Sondergesandte Marc Grossman ein, um mit dem afghanischen
Präsidenten Hamid Karzai über Friedensverhandlungen mit den Taliban
zu sprechen.
Der Auftrag der Truppen bleibe, eine "starke Kraft" zu schaffen,
um die Verantwortung an die Afghanen übergeben zu können, sagte
Longuet. Es müsse über Möglichkeiten nachgedacht werden, die Arbeit
zum Erfolg zu führen. Der Besuch diene der Evaluierung des weiteren
Vorgehens, so der Minister. Longuet und sein Generalstabschef Edouard
Guillaud sollen mit Karzai und mit dem Oberbefehlshaber der
NATO-Truppen, US-General John Allen, zusammentreffen. Sie sollen
prüfen, ob und wie die Ausbildung afghanischer Soldaten fortgeführt
werden kann.
Verwundete schweben noch in Lebensgefahr
Longuet traf bei seiner Ankunft in Kabul auch zwölf der 15 durch
den Angriff verletzten Soldaten. Ein französischer Militärarzt
erklärte, mehrere Verwundete schwebten in Lebensgefahr. Longuet
sagte, die Soldaten seien Opfer des Vertrauens geworden, das sie zur
afghanischen Armee hätten aufbauen wollen. Zugleich betonte er,
derartige Angriffe seien "sehr selten". Das Außenministerium in Paris
teilte unterdessen mit, eines der Opfer sei ein Bulgare aus der
Fremdenlegion gewesen.
Der US-Sondergesandte Grossman sagte nach seiner Ankunft in Kabul,
die USA seien bereit, "den afghanisch geführten Versöhnungsprozess
zur Beendigung des Konflikts auf jede mögliche Weise zu
unterstützen". Grossman war von US-Außenministerin Hillary Clinton
entsandt worden, um mit Karzai über die Eröffnung einer Vertretung
der Taliban im Emirat Katar zu sprechen. (APA)