Vorarlberg

Monopol gefallen - Neue Freiheit auf der Skipiste

20. Jänner 2012, 19:47

Vorarlberger Skischulgesetz bricht Monopol der Skischulen, der Verband jammert

Bregenz - Auf Vorarlbergs Skipisten sind mit der Novellierung des Skischulgesetzes neue Zeiten angebrochen. Das Monopol der Skischulen ist Vergangenheit, durch konzessionierte Skilehrer wurde das Ausbildungsangebot bunter.

Erich Melmer, seit 23 Jahren Obmann des Vorarlberger Skilehrerverbands, sieht gerade deshalb schwarz. "Äußerst negativ" wirke sich das neue Gesetz auf Skischulen und Gäste aus. Die Schulen litten unter Personalmangel, und die Gäste seien ob der Neuregelung verwirrt. Was Melmer, den Skischulbesitzer aus dem Klostertal, besonders wurmt: "Die selbstständigen Lehrer machen überall Werbung und sind auch noch billiger als die Schulen."

Nicht EU-konform

Melmer spart nicht mit Kritik an der Politik: "Das Gesetz wurde gegen unseren Willen beschlossen, husch, pfusch, auf Gedeih und Verderb." Die Novelle wurde notwendig, da das Skischulgesetz nicht EU-konform war.

140 Skilehrer und -lehrerinnen haben laut Melmer um eine Konzession angesucht, 126 Bewilligungen wurden von der Landesregierung nach Prüfung der Anträge durch den Verband ausgestellt. Ein Drittel davon an Vorarlberger. Melmer befürchtet nun, dass einheimische Skilehrer zur Minderheit werden: "Die Anfragen aus Innerösterreich und Deutschland nehmen ständig zu, nächstes Jahr werden es dreimal so viel sein." Ähnlich sei die Situation bei der Skilehrerausbildung: "Früher hatten wir bis zu 95 Prozent Vorarlberger, jetzt nur noch die Hälfte."

"Leute verdienen nichts"

Schuld sei die Krankenkasse, die Skischulen zur Anstellung der Lehrer verpflichte. Die Skischulen hatten bis 2010 mit der Begründung, ihre Lehrer seien Gesellschafter der Schulen, Sozialversicherungsbeiträge verweigert. Melmer zur Versicherungspflicht: "Jetzt verdienen die Leute nichts mehr, da will doch keiner mehr Skilehrer werden." Besuchten in den Vorjahren noch bis zu 400 Kandidaten die Anwärter- und Landeslehrerkurse, waren es zuletzt nur mehr 200.

Ganz anders beurteilen selbstständige Skilehrer die neue Situation. Bernd Eichwalder, der noch im Vorjahr in Oberlech als Initiator des ersten Betriebsrats einer österreichischen Skischule für bessere Arbeitsbedingungen gekämpfte hatte, ist einer der "Konzessionierten". Der Diplomskilehrer freut sich über die neue Freiheit, "keine Uniform mehr, kein Druck", besonders aber über die Solidarität in der Szene: "Da gibt's keinen Neid, man hilft sich."

"Den besten Skilehrer"

Wie die meisten der erfahrenen Skilehrer hat Eichwalder einen großen Stammkundenstock: "Es stimmt überhaupt nicht, dass Gäste über die neue Situation klagen. Die Leute wollen einen guten, den besten Skilehrer, egal ob der über eine Schule vermittelt wird oder selbstständig ist."

Organisatorische Hilfestellung bekommen die freien Skilehrer über die neue Agentur "Fun and Snow" von Katrin Gottemeier. Die Bankkauffrau aus dem Ruhrpott, seit vier Jahren in Oberlech daheim, hat 20 diplomierte Skilehrer und Skiführer im Team. Sie beschreibt sich als "Kontaktperson zwischen Gästen, Skilehrern, Hotels". Vorwürfe, die konzessionierten Skilehrer würden die Preise drücken, weisen Eichwalder wie Gottemeier zurück: "Die Preise sind die gleichen wie in der Skischule." Ein Privatlehrer in Lech kostet für zwei Personen 280 Euro am Tag. (Jutta Berger, DER STANDARD, Printausgabe, 21/22.1.2012)

Kommentar posten
17 Postings
Extrabreit
02
Ich packs nicht!

Was denkst sich dieser Melmer eigentlich?
"Das Gesetz wurde gegen unseren Willen beschlossen"
Der braucht mal kräftig eine hinten drauf!! Solche Typen gehören weg aus allen Funktionen, da sieht man, wie sich die Funktionäre alles aufteilen wollen und denken, alles gehört ihnen.. Platzen könnt ich, wenn ich sowas lese

DD1981
02
23.1.2012, 14:47

Finden die Schulen eigentlich EIN Argument warum Skilehrer außerhalb der alteingesessenen Schulen schlecht sein sollen?

Nur weinen das die anderen Werbung machen und billiger sind kanns ja nicht sein.

Mathias Steinlaus
 
00
23.1.2012, 14:20
Besuchten in den Vorjahren noch bis zu 400 Kandidaten die Anwärter- und Landeslehrerkurse, waren es zuletzt nur mehr 200.

Wo sollen auch die ganzen SkilehrerInnen auch hin? Soviel Pisten-Kilometer gibt es in ganz Vorarlberg nicht, daß man jährlich an die 400 neue ausbilden müsste.

Ist der Markt gesättigt ... ach und gerade die "Schwarzen" sind doch der Meinung, sie wüssten es eh immer besser bezüglich privatwirtschaftlicher Kenntnisse ...

berni977
01
22.1.2012, 17:11
Selbstständige Skilehrer & Skiführer

www.freeridearlberg.at

darkwing
04
22.1.2012, 11:29
Schau, wie niedlich, die Vorarlberger!

Erst Jahrzehntelang schwarz und nix als schwarz wählen und sich dann wundern, wenn der turbokapitalistische Konkurrenzkampf auf einen losgelassen wird.
SSKM

. g.bac
00
24.1.2012, 22:24
die sozialisten

hätten die posten schon entsprechend geschützt, wie anno dazumal die hausbesorger, und nur innerhalb der partei weitergegeben.

aber heute ist es ja nimmer so wie früher, jetzt verlangen die leute sogar eine arbeitsleistung...

Hagbard.Celine
21
21.1.2012, 13:57
Die armen Schilehrers verdienen nicht mehr so viel,

weil sie angemeldet und versichert (!!) werden...

Könnens auf der Hütte nicht mehr angeben? So an Schaas.

werwolfi
07
21.1.2012, 13:38

Ja klar, die geschützten Werkstätten und Gebietsschutzfetischisten jammern immer laut wenn sie sich plötzlich dem Wettbewerb stellen und wirklich etwas BIETEN müssen.

supermike
013
21.1.2012, 10:16
Ein schwerer Rückschlag für die Schischulmafia

jahrzehntelang gestützt von der Wirtschaftskammer und absolut EU Regelwidrig.

Voll ausgebildeten Schilehrern ist es nämlich bis jetzt nicht möglich gewesen, ihren "Saisonjob" - denn mehr ist es nicht, hauptberuflich kann man davon nicht leben - selbstständig auszuüben.
Nach allen möglichen und teuren Prüfungen, die aus der eigenen Tasche bezahlt werden müssen, blieb Schilehrern bis jetzt nur die Möglichkeit für sehr sehr wenig Geld bei einer Schischule zu arbeiten, die zum Großteil nur die geleisteten Stunden pro Tag (meist 6-10 € / Stunde 2-3 Stunden pro Tag) zahlten und oft sogar schwarz. Abzüglich Unterkunft bliebt dann meist nur ein Taschengeld übrig.

Ich hoffe die anderen Bundesländer ziehen rasch nach...

667 one step ahead of the devil
06
21.1.2012, 07:28
Dann gibt es da tatsächlich SL die Werbung machen...

Ein Skandal!!! ;)))

Ja ja, der freie Markt macht die Platzhirschen nervös. Vorher hat es ja gereicht in einem Schigebiet geboren zu sein. Jetzt werden die Besseren erfolgreicher. Scary shit! ;)

jMor
20
21.1.2012, 10:55

Wenn die Selbstständigen dann mal die Sozialversicherung nachzahlen müssen werden sie auch blöd aus der Wäsche gucken

667 one step ahead of the devil
04
21.1.2012, 14:35

Schilehrer im Westen waren vor der Saison 2010/11 über Jahrzehnte selbstständig, warum sollen sie ausgerechnet jetzt mit SVA-Zahlungen Probleme kriegen???

supermike
23
21.1.2012, 13:36
Wenn die Selbstständigen dann mal die Sozialversicherung nachzahlen müssen

Das muss man vorher einkalkulieren und sowas kann ein jeder guter Buchhalter in Vorfeld kalkulieren.

Leider tappen die meisten neuen Selbstständigen in genau diese Falle, weil AMS die Arbeitslosen uninformiert in die Selbstständigkeit drängt um diese aus der Statistik zu bekommen und WKO (für die man als Zwangsmitglied jährliche Zwangsbeiträge zahlen muss) auch unzureichend informiert.

Das Ergebniss: http://derstandard.at/131302540... uldenfalle

Deshalb warne ich alle vor AMS und WKO. Geht zu einer / einem kleinen selbstständigen Buchhalter. Die kosten einen Bruchteil von einem Steuerberater und informieren oft viel ausführlicher und kompetenter.

Staatliche Skilehrer Österreichs
08
20.1.2012, 23:44
Nicht nur EU sondern auch verfassungswidrig

war das Gesetz - Endlich nach über 70 Jahren nähert sich das Skischulgesetz Vorarlbergs einem verfassungsgemäßem Zustand. Endlich dürfen jene die die höchste Ausbildungsstufe erreicht haben (Ausbildungskosten 18 000.- Euro) ihren Beruf selbständig ausüben. In den Bundesländern Salzburg, Steiermark, Oberösterreich und Niederösterreich ist dies immer noch nicht möglich !!! Ein Skandal Die österreichische Verfassung gilt in den Ländern nichts - die Dorfkaiser haben das sagen !!!

O5
010
20.1.2012, 23:21

"Was Melmer, den Skischulbesitzer aus dem Klostertal, besonders wurmt: 'Die selbstständigen Lehrer machen überall Werbung und sind auch noch billiger als die Schulen.'"

LOL!

Genial.

Übrigens: auch im Handwerk gibts unzählige die auf ihren fetten Kartellgewinnen sitzen - wann packen wir dieses Thema mal an?

Lt. Bullit
012
20.1.2012, 23:15
Was für ein Skandal

"Das Gesetz wurde gegen unseren Willen beschlossen..."
Ja wo kommen wir denn da hin, sapperlott!

der burli
04
20.1.2012, 21:36
ein monpol gebrochen! jessasna. da gehts ja zu, wie es in GR und I sein SOLL! ein wahnsinn. und das bei uns! äh in vorarlberg....

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