Einserkastl Rau

My God, he speaks French!

Einserkastl | Hans Rauscher, 20. Jänner 2012, 19:31

Europa ist der größte Feind der USA

Wer ist der größte Feind der USA? Al-Kaida? Der atomwaffenbauende Iran? Nein, die richtige Antwort lautet: "Europa." Zumindest wenn es nach den republikanischen Bewerbern um die Präsidentschaftskandidatur geht. Mitt Romney, das ist der etwas plastikartig Wirkende, der schon mit Barbies Freund Ken verglichen wurde, also Mitt Romney, der wahrscheinlich im November gegen Obama antreten wird, sagt über diesen: "Er will uns in einen europäischen Wohlfahrtsstaat verwandeln."

Rick Santorum, der gerne die Evolutionslehre aus den Schulen verbannen würde, aber trotzdem knapp bei Romney liegt, sorgt sich, dass "Obama eine Art von europäischem Sozialismus in den USA einführen will". Newt Gingrich, viermal verheirateter Champion der family values, hat die ultimative Anklage gegen Romney gefunden: Er spricht Französisch! Er war sogar (als - erfolgloser - mormonischer Missionar) zwei Jahre in Frankreich! Romney selbst sagte auf die Frage, ob er Französisch könne, mit "I can, but I won't".

Sind diese Leute noch rational? Teilweise schon. In den USA, wo der durchschnittliche Arbeiter schlechter lebt als sein (west-)europäisches Pendant, ist das ein wirksames Argument im Vorwahlkampf. Vermutlich ist zumindest Romney kein wildgewordener Provinzler. Aber selbst wenn er glaubt, Europa als schmutziges Wort verwenden zu müssen, ist das einigermaßen gruselig. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2012)

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censeoiactaest
00
23.1.2012, 16:58

USA ist macht-mehrheitlich traditionell ein
protestatisch (calvinistisches) Land, in dem
auch weltanschaulich
der wirtschaftliche Erfolg am meisten zählt.

Ich glaube, dass Europa mit einer
eher katholisch-lutheranischen Tradition
insgesamt eine etwas andere
weltanschauliche Wertung hat (humaner und
humanistischer) und letztlich
darin wurzelnd eine stärkere Assoziation
zu sozialistischen Bewegungen.
Umberto Eco sieht und zieht
jedenfalls eine Parallele zwischen den kirchlichen Ketzern im Mittelalter und den Linken der
siebziger Jahre.

Den Unterschied kann man Romney ruhig
zugestehen "to be proud of it" :)

dieDritteGeneration
00
22.1.2012, 18:03

"Habt ihr in Europa auch McDonalds?"

"Habt ihr in Europa auch Computer?"

"Wie heißt der König von Europa?"

ka-r-li
00
23.1.2012, 20:04

bekam ich per _email_ vor einigen jahren aus ohio: have you got a fridge? do you have a telephone? is there electricity in every house? *rofl* (von einem ehemaligen soldaten der rainbow-division, der dachte es hätte sich inzwischen nichts verändert... ausser email +g*)

Elegantestes Conversations-Lexicon für alle Stände
013
22.1.2012, 12:56

Die Angst vor "European socialism" hat einen ganz handfesten Grund, hauptsächlich im Gesundheitswesen. Dieses kostet in den USA ca 1.5-2x soviel wie in Europa, ohne eine bessere Leistung zu erbringen.

Die Differenz von so an die 1000 Mrd $ jährlich wird von der Pharmaindustrie, der Ärtzelobby, Versicherungsbürokraten usw eingeschoben, die alle Politiker kaufen, aber besonders die Reps. Diesen corporate socialism muss man natürlich verteidigen.

Michael Holzermayr2
00
22.1.2012, 12:02
Wer ist Ihr Einflüsterer, Herr Rauscher?

Wer auch immer, schnell ist er nicht.

posten posten
11
22.1.2012, 10:53
so anders ist es bei uns auch nicht:

stellt euch vor, ein österr. präsidentschaftskandidat hätte mal 2 jahre in der türkei gewohnt & spricht türkisch.

wäre das für ihn bei der mehrheit der österr. bevölkerung ein PLUSPUNKT oder NICHT?

Aung San Suu Tschi
 
01
22.1.2012, 16:38
Das Mir-san-mir-"Argument" ist diesseits und jenseits des Atlantiks blöd

Rechte Politiker haben immer schon versucht, mit dem mir-san-mir-Argument zu pokern. Es spielt auf die angeblich so urige eigene Identität und das Leben in der ach-so-gemütlichen Heimat an.

Interessant nur, dass diese Politiker durch ihr Tun ihrer ach so geliebten Heimat immer schaden, da sie sich - aufgrund ihrer Blindheit und des Hasses für alles "Andere" - kein Bild von der Welt und ihrer Komplexität machen können. Sie leben in einem Raum der verkürzten Wahrnehmung.

Daher können rechte Politiker (mit oppositionellem Gerede und Appellieren an die heilige Identität) zwar Wahlen gewinnen, aber keine konstruktive Politik durchhalten und länger an der demokratischen Regierung bleiben.

Ausgeflippter Lodenfreak
15
22.1.2012, 12:32

Sie pauschalieren und verallgemeinern. In dem Artikel geht es nicht um die gesamte USA sondern die Republikaner und ihre Wähler.
Um auf ihre Frage zu antworten. Für einen Teil der F-Wähler, wäre das sicher ein Problem, aber schon bei den Konservativen ist jede Fremdsprache und ein Auslandsaufenthalt ein Zeichen von Bildung und Erfolg (Fetisch: Leistunsgträger). Für eine "mehrheit der österr. bevölkerung" (sic) wäre das sicher kein Problem, den meisten wäre das eher wurst.

her mit den Strichen!
31
22.1.2012, 13:45
Mit Verlaub!!!

Das wäre für 100% der FPÖ, für 99,9% der BZÖ, für 90% der ÖVP, für 50% der SPÖ und für 25% der Grün-Wähler sowie für 75% der Grün-WählerINNEN ein Problem.

Kennen Sie uns Österreicher wirklich so schlecht?

Meingott Schrammel!
 
03
22.1.2012, 15:17

Hiermit beweisen Sie eindrucksvoll wie voreingenommen SIE sind.

Dhimmi
92
22.1.2012, 08:47
"eine Art von europäischem Sozialismus"

"europäischer Sozialismus" IST ein Schimpfwort. Kann man historisch begründet gar nicht anders sehen.

Johnny Chicago
03
22.1.2012, 05:37

die derzeit stattfindende mutuelle demontage der republikanischen kandidaten wird für obamas 2nd therm sorgen.

Alle ausser Romney dürften zu weit von der mitte fern sein, als dass sie genug wähler hinter sich bringen könnten.

nach dem wahlskandal in iowa, welcher imo in scarolina quitiert wurde und auftauchenden caymankonten, wird es wohl schwierig für romney.

um das konservative trauerspektakel abzurunden fehlt noch ein independent wie sagen wir mal.... trump

Johannes Benn
91
21.1.2012, 23:58
.

in den usa empfindet man gegenueber europa keine feindschaft sondern wohl eher ekel vorm morbiden...

Johnny Chicago
01
23.1.2012, 00:01

ah, deshalb werden in den usa allmögliche qualitativ über dem durchschnitt liegende produkte mit dem adjektiv "european style" vermarktet.

Nick Tameer
02
22.1.2012, 17:23

Bullshit, würde ich meinen, wenn jemand zwei Jobs haben muss um über die Runden zu kommen, sich doch keine größere medizinische Behandlung leisten kann oder wenn er zusehen muss, wie seine selbstverantwortlichen Ansparungen fürs Alter verzockt werden.

Die Leute glauben halt auch viel, wenn man es ihnen oft genug vorbetet, besonders in einem Land, in dem man weithin höchst verschwommene Vorstellungen über andere Ländern hat.

( ... und es gibt auch Sozialneid von oben nach unten).

Moneymaker
01
21.1.2012, 23:41
Zeiten konzentrierte Unintelligenz

Wahlkämpfe sind auch in Österreich Zeiten konzentrierter Unintelligenz (copyright: M. Häupl).

thomasleopold
211
21.1.2012, 21:18

Alles was mit Staat zu tun hat bedeutet Kommunismus. Konsumwahnsinn über alles. Steuern nur fürs Militär. That´s it - so ticken die

Dhimmi
91
22.1.2012, 11:57
Das Land der Freiheit

Nichts bedeutet den Leuten mehr als Freiheit und Selbstbestimmtheit. Individuell wie national.

Ist zwar für einen Soziwiener vermutlich unfassbar.
Ist aber in Wirklichkeit das höchste Gut, das ein Staatsbürger haben kann.

Lilith Boessse
 
18
22.1.2012, 12:36
aber welche FREIHEIT

ist das denn?

bitte zählen sie mir doch einige bereiche auf, in denen die durchschnitts us-bürgerin freier ist als ihre schwester in europa!

_ricko_
01
22.1.2012, 18:03

schon mal in AUT den schritt in die selbstständigkeit unternommen?

Lilith Boessse
 
00
27.1.2012, 21:51
schon mal in den usa versucht?

viel spaß!!

politisch verfolgt
122
21.1.2012, 20:32
kein wunder

europa gibt ja nicht gerade ein tolles bild ab. es ist halt für außenstehende leicht zu durchschauen, daß europas "reichtum" nur mit schuldenexzessen auf kosten der nächsten generationen möglich war. und die sozialstaaten funktionieren in ihren ureigensten bereichen immer schlechter, lediglich als riesiger magnet richtung afrika und asien.

salgon
02
22.1.2012, 18:29

Der Sozialstaat in Europa sorgt momentan dafür, dass es hier nicht schon aussieht, wie Anfang der 30er.

erkelteter tiger
09
22.1.2012, 00:18

die usa sind ja wohl der magnet für zuwanderung,
und haben einen schuldenstand über 80% des bip

und beides ganz ohne sozialstaat

politisch verfolgt
21
22.1.2012, 11:32
oberflächlich betrachtet stimmt das

aber neben der zuwanderung armer aus zb. mexiko ziehen die usa auch massenhaft bestausgebildete asiaten an. und das der usa defizit hat zu großen teilen andere gründe als in europa.

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