Europa ist der größte Feind der USA
Wer ist der größte Feind der USA? Al-Kaida? Der atomwaffenbauende Iran? Nein, die richtige Antwort lautet: "Europa." Zumindest wenn es nach den republikanischen Bewerbern um die Präsidentschaftskandidatur geht. Mitt Romney, das ist der etwas plastikartig Wirkende, der schon mit Barbies Freund Ken verglichen wurde, also Mitt Romney, der wahrscheinlich im November gegen Obama antreten wird, sagt über diesen: "Er will uns in einen europäischen Wohlfahrtsstaat verwandeln."
Rick Santorum, der gerne die Evolutionslehre aus den Schulen verbannen würde, aber trotzdem knapp bei Romney liegt, sorgt sich, dass "Obama eine Art von europäischem Sozialismus in den USA einführen will". Newt Gingrich, viermal verheirateter Champion der family values, hat die ultimative Anklage gegen Romney gefunden: Er spricht Französisch! Er war sogar (als - erfolgloser - mormonischer Missionar) zwei Jahre in Frankreich! Romney selbst sagte auf die Frage, ob er Französisch könne, mit "I can, but I won't".
Sind diese Leute noch rational? Teilweise schon. In den USA, wo der durchschnittliche Arbeiter schlechter lebt als sein (west-)europäisches Pendant, ist das ein wirksames Argument im Vorwahlkampf. Vermutlich ist zumindest Romney kein wildgewordener Provinzler. Aber selbst wenn er glaubt, Europa als schmutziges Wort verwenden zu müssen, ist das einigermaßen gruselig. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2012)