Leonard Bernsteins Musical "Candide" erzählt von Liebe und der "besten aller Welten" - Ab Sonntag konzertant an der Wiener Volksoper
Wien - "Der endlose Candide ...", jammerte Leonard Bernstein 1955 in einem
Brief an Martha Gellhorn. Seit drei Jahren hatte sich die Arbeit daran schon
hingezogen - Librettistin Lillian Hellman hatte sich mit der bühnentauglichen
Umsetzung von Voltaires Klassiker schwergetan.
Insgesamt ist der flotte Zweistünder als eine Hommage an Europas musikalische
Vielfalt gedacht: Polka, Walzer, Mazurka und Gavotte tänzeln fröhlich durch die
Partitur - wenn Bernstein nicht, wie in Venice Gavotte, seine
kontrapunktischen Fähigkeiten demonstriert. Zu viel Raffinesse war wohl ein
Grund, warum für die Broadway-Produktion 1957 nach nur zweimonatiger Spielzeit
der letzte Vorhang fiel.
Als "ganz entzückende, durchaus aktuelle Geschichte" bezeichnete Loriot "das
Musical der Herren Voltaire und Bernstein". Der leise Humorist hat vor lauter
Begeisterung über das Werk denn auch Zwischentexte für eine Konzertfassung
verfasst - die nun an der Volksoper aufgeführt wird. Hausherr Robert Meyer gibt
den Erzähler, den arglosen Titelhelden singt Stephen Chaundy, seine Angebetete
Jennifer O'Loughlin; Morten Frank Larsen hat in der Doppelrolle des Dr. Pangloss
/ Martin Optimismus und Pessimismus zu verkörpern.
Nicht mit dabei sind leider Marjana Lipovsek (hätte als Old Lady singen
sollen) und Hausdramaturg und Bühnenjunkie Christoph Wagner-Trenkwitz (hätte
ursprünglich gar nichts singen sollen, ist aber in konzertanten Produktionen
immer amüsant). (Stefan Ender, DER STANDARD - Printausgabe, 21./22. Jänner 2012)