Margit Schratzenstaller

Wie man richtig spart

Kolumne | Margit Schratzenstaller, 20. Jänner 2012, 19:15

Ausgabenseitige Konsolidierungen haben eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit als Steuererhöhungen

Die Vielstimmigkeit der laufenden Diskussion legt eine gewisse Rückbesinnung auf ganz grundlegende Aspekte nahe, die bei der Ausgestaltung von Konsolidierungspaketen zu berücksichtigen sind. Da kommt eine Reihe von Studien zu wichtigen Fragen der Budgetkonsolidierung gerade recht, die soeben von der OECD als Working Papers veröffentlicht worden sind.

Zwar müssen Konsolidierungsstrategien natürlich immer Rücksicht auf länderspezifische Gegebenheiten nehmen: Zu verschieden sind in den einzelnen Ländern Verschuldungssituation und Ausgabenerfordernisse, Höhe staatlicher Ausgaben- und Abgabenquoten, Effizienz der Staatstätigkeit und Abgabensysteme. Dennoch gibt es allgemeingültige Empfehlungen.

Erstens wird zwar das Ergebnis vieler früherer Studien bestätigt, dass ausgabenseitige Konsolidierungen eine höhere Erfolgswahrscheinlichkeit haben als Steuererhöhungen. Gleichzeitig ergeben die OECD-Analysen aber, dass Konsolidierungspläne einen vielfältigen Maßnahmen-Mix brauchen, um erfolgreich zu sein.

Zweitens können nachgeordnete Gebietskörperschaften, insbesondere die Länder, einen bedeutenden Beitrag zu einer von der Zentralregierung eingeleiteten Budgetkonsolidierung leisten, wenn sie mit dieser kooperieren. Die Sicherstellung dieser Kooperation erfordert drittens ein geeignetes fiskalisches Regelwerk, auf dass eine bestehende Fiskalregel auf allen staatlichen Ebenen umgesetzt wird. Viertens unterstreichen die neuesten empirischen Untersuchungen der OECD-ExpertInnen, dass Fiskalregeln die Wahrscheinlichkeit einer nachhaltigen Stabilisierung der Staatsschuld erhöhen. Interessanterweise kommt es dabei allerdings nicht auf Ausgaben- oder Defizitobergrenzen an.

Fünftens gibt es starke Hinweise darauf, dass ein kräftiges Wirtschaftswachstum die Stabilisierung der öffentlichen Verschuldung unterstützt. Auch das österreichische Konsolidierungspaket braucht daher eine starke Aktivkomponente.

Sechstens scheinen sinkende Zinsen die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Budgetsanierung zu erhöhen. Sie können die dämpfenden Effekte einer restriktiven Budgetpolitik auf die Realwirtschaft abfedern und senken die staatlichen Zinsausgaben. Dies rechtfertigt eine weiterhin eher lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank ebenso wie Maßnahmen zur Beschränkung der Zinssätze für die akuten Schuldenkrisenländer.

Auch die jüngsten Analysen widmen der Frage allerdings immer noch zu wenig Aufmerksamkeit, wie die Konsolidierungsbemühungen der einzelnen Länder so koordiniert werden können, dass eine Verschärfung des weltweit einsetzenden Konjunkturabschwungs vermieden werden kann. Denn neben der wachstumsbewussten Ausgestaltung der Sanierungspakete erscheint auch deren zeitliche Abstimmung relevant: Eine zeitliche Staffelung der Konsolidierungsmaßnahmen der EU-Länder kann die Wirtschaftsentwicklung stabilisieren helfen. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 21./22.1.2012)

MARGIT SCHRATZENSTALLER ist Referentin für öffentliche Finanzen beim Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo).

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Posting 1 bis 25 von 45
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rari
00
26.1.2012, 20:10
Milchmädchenrechnung:

aber NUR ausgabenseitig zu Sparen ist sicher weniger als ausgabenseitig zu sparen UND nichtleistungsbezogene Steuern zu erhöhen, oder ?

DrBelacqua
10
22.1.2012, 18:58

Margit Schratzenstaller einsparen - das wäre mal richtiges Sparen!

der kleine mann
11
22.1.2012, 15:04
An die Budgetexpertin

Sg. Fr. Schratzenstaller!

Ich habe gehört, die OECD plant für 2014 eine Studie, die untersuchen soll wie sich der Umstand, dass man mehr Geld einnimmt als man ausgibt, langfristig auf die Verschuldung auswirkt.
Ich hoffe doch, dass Sie uns - sobald sich da erste Erkenntnisse abzeichnen - darüber informieren werden. Bis dahin sollte über die von Ihnen hier präsentierten Indizien zumindest diskutiert werden. Eventuell ließe ja die Sache mit den niedrigen Zinsen für unsere Staatsanleihen schon mal ansatzweise umsetzten?

chrilly donninger1
01
22.1.2012, 17:44
Aus dem Abstract von 2014

Die ersten vorläufigen Ergebnisse deuten auf eine tendenzielle Verringerung der Schulden hin.
Aber die Ergebnisse sind nicht eindeutig und stimmen nicht mit dem Ergebnis früherer Studien überein.
Die AutorInnen plädieren daher für zusätzliche Mittel für weiterführende Studien.

didi111
00
22.1.2012, 13:01
Ich hörte gesern im Mittagsjournal den Ak-Präsidenten Tumpel

Ich glaube gehört zu haben (ich hatte nebenbei etwas zu tun), daß 90 % der Bauern keinen Steuern zahlen!!!

Gleichzeitig sollen die ca. 10 % NUR ca. 100 Millionen Euro Steuer zahlen und die Bauern gesamtheitlich bekommen gleichzeitig ca. 4,5 Milliarden Euro Förderungen.

Von den Flächenstilllegungsplänen mal ganz zu schweigen.

Gleichzeitig versucht man über die Marktordnung ein höheres Preisniveau zu bekommen bzw. zu halten.

DAS bitte ist pervers!!

Bitte, sollte das so sein, dann wäre hier echter Handlungsbedarf gegeben.

Das die Bauern so gut wie keine Rechnungslegungspflicht haben, sei nur nebenbei erwähnt. WARUM das so ist (ausser der vordergründigen Überlegung), ist völlig schleierhaft?

bennibanni
00
22.1.2012, 19:07
naja

die meisten agrarförderungen bekommt die agrarindustrie. den großbauern gehts sicher nicht schlecht aber mit einem "normal" großen oder bergbauern möcht ich auch nicht tauschen. kein 13. 14. gehalt. nie urlaub. samstag sonntag nie frei. macht mal locker 125 arbeitstage (4 monate!) mehr im jahr. aber durchleuchtet gehört natürlich alles!

frag mich nur was die AK mit den bauern zu tun hat??? ak = arbeiterkammer. sollen die sich nicht um ihre arbeiter kümmern? übrigens: die meisten kleinbauern sind ja nebenerwerbsbauern (kassieren auch förderungen und haben keine rechnungspflicht) und damit ak mitglieder......(soweit denkt herr tumpl anscheinend nicht oder is eam wurscht)

starship
 
11
22.1.2012, 07:40
ja, wir wissen, dass man die landeskaiser entmachten sollte...

das problem besteht darin, dass niemand sich traut, den bundesländer die nutzlose hoheit über "ihre" milliarden zu entziehen.

der österreichische föderalismus ist jenseits der folklore vor allem ein steuer-milliardengrab.

jeder weiß das. aber die politische "elite" ist mutlos.

die bundesländer - als gesetzgebende und budgetrechtliche verwaltungseinheiten - gehören abgeschafft.

die tiroler können trotzdem tiroler bleiben. auch die kärntner sollen sich weiter als solche fühlen dürfen.

nur die verschwendung muss aufhören. jeder mensch mit verstand hat das begriffen.

schafft die landesfürstentümer ab. wir sind keine monarchie.

und danach könnten wir endlich - wirklich - eine republik der bürger sein.

I would prefer not to
22
22.1.2012, 08:36

Keine Länder, keine Kosten?
Lächerlich.
Das meiste Geld verschlingt die Verwaltung.
Diese Arbeit muss so oder so gemacht werden. Je näher die Verwaltung beim Bürger ist, desto besser.

Wenn wir die Länder abschaffen, wird die Macht beim Bund vergrößert. Vertrauen Sie KHG-Typen so sehr, dass sie ihnen mehr Macht zuschieben wollen?

Ich weiß nicht woher die Idee kommt, dass Zentralismus so eine tolle Sache ist?
Wenns um die EU geht sibnd da die meisten Menschen anderer Meinung.

...and miles to go before I scream
00
22.1.2012, 15:04

Das stimmt schon, dass eine Verwaltung nahe am Bürger sein muss. Es gibt aber absolut keine Veranlassung, sich neun (!) parallele Pimperl-'Gesetzgebungen' mit insgesamt fünf Verwaltungsebenen zu leisten. Und das in einem Land, das weniger Einwohner hat als viele Städte (!!) der Welt.

higgs - wozu?
00
22.1.2012, 11:35

ihr seid leider beide am holzweg - das meiste geld fressen die direkten und indirekten zinsen - weder länder, noch beamte, weder pansionisten noch arbeitslose verursachen vergleichbare kosten wie jene monopolisten und konzerne, die auf bergen von kapital sitzen und dafür zinsen kassieren - diese zinsen sind der größte kostenbrocken den wir alle zu stemmen haben, und den wir permanent in form von steuern und preisaufschlägen abführen, und da kannst die gesamte verwaltung bis rauf zur uno abschaffen, es ändert nicht das geringste an diesem umverteilungsmechanismus, über dan aber keiner spricht, der nie erwähnt wird, was uns sehr schön zeigt, warum alle politiker abhängige marionetten sind, die nur scheingefechte führen

Wer will das wissen?
00
22.1.2012, 16:54
Kausalproblem

Mit Ursache und Wirkung haben sie es nicht so, oder?

Die Zinsen sind doch bitte das Ergebnis der Tatsache dass über Jahrzehnte zuviel Geld für viele Themen ausgegeben wurde - und keinesfalls die Ursache dafür dass es sich jetzt im Budget nicht mehr ausgeht.

Tatsächlich ist das Zinsniveau historisch sehr tief.

Nichtschweiger
 
10
22.1.2012, 11:42
Das Holz des Holzweges ....

..kann nur aus deinem Kopf stammen - du bist nämlich ein echter Holzkopf! Deine Argumente, in diesem Fall gegen Reformen in der Verwaltung, werden immer abenteuerlicher und absurder.

Die Wilde 13
00
22.1.2012, 11:26

Nein. So ist es auch wieder nicht.

Es gibt die Länderregierungen mit eigenen Parlamenten. Komplett unnötig. Dazu die ORF Landesstudios mit Präsidenten usw., eigene Gebietskrankenkassen wo es nicht nur um Verwaltung geht. Dazu das Chaos mit der Gesetzgebung Bund-Land, usw.

site:°~+*-||!#.\>
01
22.1.2012, 02:35

"Zweitens können nachgeordnete Gebietskörperschaften, insbesondere die Länder, einen bedeutenden Beitrag zu einer von der Zentralregierung eingeleiteten Budgetkonsolidierung leisten"

HAHAHA, na klar könnten die Landeskaiser einen enormen Beitrag zur Schuldenreduktion beitragen – indem sie sich selber abschaffen.

Oder glaubt Schratzenstaller im Ernst eine "Kooperation" mit den größenwahnsinnigen, reformverhindernden Ländern führt zu Einsparungen?

Wie man richtig spart?

--> Parteibuchwirtschaft, Korruption, Subventionitis, Länder und unnötige Großprojekte für superreiche Banken und Industrielle bekämpfen.

Und das unnötige, unfähige WIFO (+IHS) abschaffen.

chrilly donninger1
12
21.1.2012, 21:38
Man muss sich 10 Jahre intensiv mit Tischlerei,

Kochen, Weinbau, Medizin, Klavierspielen, Programmieren .... beschäftigen um im jeweiligen Gebiet eine gewisse Meisterschaft zu erreichen.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass man 10 Jahre für das Beherrschen solcher Binsenweisheiten braucht. Da dürften 1-2 Jahre ausreichen um sich einzuarbeiten. Das ist der Lernaufwand für einen mittleren Anlernberuf. Etwa Verkäuferin in der Käseabteilung im Supermarkt.

her wig
00
22.1.2012, 09:03
Es geht hier nicht um die Meisterschaft

sondern um den kleinen Vorsprung vor den anderen. In 10 Jahren haben wir's dann geschafft...

chrilly donninger1
00
22.1.2012, 11:17
Laut Artikel sind das aber alles hochqualifizierte

ExpertInnen die in der Elite-Einrichtung OECD arbeiten. Also quasi bei Barca spielen oder in Wimbledon aufschlagen.
Und da kreisen dann die ÖkonomenInnen-Berge und gebieren 7 Mäuslein auf die jeder halbwegs intelligente Mensch mit ein bisserl Beschäftigung mit der Materie auch kommt.
Da frag ich mich: Was können diese Leute eigentlich? Was haben die gelernt um ihren Experten-Status rechtfertigen zu können?

her wig
00
22.1.2012, 16:18

Ach so, ich dachte Sie meinen den Zeitungskommentar. Was die OECD-Berichte betrifft: in denen steht mehr drinnen als hier wiedergegeben wurde, da bin ich mir ganz sicher, obwohl ich sie nicht gelesen habe...

</ lustig>
11
21.1.2012, 23:41
Bitte nicht Malcom Gladwell falsch zitieren.

Der spricht von 10.000 Stunden...

chrilly donninger1
00
22.1.2012, 11:12
Ich kenn den Gladwell nicht

10.000 Stunden sind jedenfalls viel zu wenig. Das sind 4-5 Jahre. In dieser Zeit wird man kein Meister.

Ich kann ihnen aber Richard Sennett zum Thema empfehlen. U.A.
http://www.amazon.de/flexible-... r-mr-title

tunde0
01
21.1.2012, 20:55
ha

da kann man reden von sparen auf und ab.
wie soll das gehen wenn ein mensch soviel verdient das es nur für die wohnung reicht.und zwar ohne heizung.die zweite von familie kommt für fahrscheine und essen auf und auch nicht in restaurant.wo sollte da gesparrt werden?
ich denke könnte man reden die wohnungkosten sinken oder was man zum täglichen leben braucht .
ich werde zynisch aber lächerlich alleine die toillettpapiere sind oft mehr als 3 euro.für solche dinge sollte man nachdenken und nicht umgekehrt was können wir noch nehmen.es ist kein wunder soviele invaliede es kommt nicht von ungefähr wenn man statt 2-3 arbeiten muss.

DasLebenIstSchwerUndDannStirbtMan
00
22.1.2012, 07:18

Das Toilettpapierproblem lässt sich mit alten Zeitungen lösen (In handliche Stückchen schneiden und gut zerknittern) So manche Zeitung wird ja gratis verteilt. Da greifen auch die Förderungen. Zb durch Inserate von Ministerien.
Natürlich wärs sinnvoller, mit diesem Geld gleich Toilettpapier zu fördern. Aber das wird sich vermutlich nicht durchsetzen.

Der Schärdinger
 
03
21.1.2012, 16:19
Der Schärdinger

Bitte Besinnung auf die Kernaufgaben!!!!
Einsparen beim Nationalrat, Bundesrat, Landesregierungen, Sozialversicherungen, Gemeinden,
Kammern.
Gruppenbesteuerung abschaffen, Stiftungen besser in Augenschein nehmen usw.
Das gehört angesprochen und umgesetzt.

her wig
00
22.1.2012, 09:04

Den Zuschuss an die Pensionssysteme nicht vergessen.

max ritz
00
21.1.2012, 16:53
Sozialzuschüsse von unten nach oben durchforsten

dann ist der Haushalt innerhalb weniger Monate saniert

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