Spindelegger vor dem Showdown

Kolumne | Hans Rauscher, 20. Jänner 2012, 19:12

Warum hat dann die ÖVP überhaupt mit Strache verhandelt? - Auf dieses Thema will sich Spindelegger nicht einlassen

Die nächste Woche wird wohl eine Vorentscheidung über die Verhandlungen zum Sparpaket bringen. ÖGB und Arbeiterkammer haben Kanzler Faymann bereits mit wuchtigen Machtdemonstrationen unter Druck gesetzt: Nicht ohne meine Vermögensteuer und schon gar keine Eindämmung der Frühpensionen!

Wie ist die Position von ÖVP-Chef Spindelegger in diesem Showdown der gesellschafts- und wirtschaftspolitische Grundsatzentscheidungen?

Zunächst verblüfft Spindelegger im Gespräch mit der Andeutung, dass in der Pensionsfrage die Verhandlungen in der Regierung weit gediehen seien und man möglicherweise eine "Riesenüberraschung" erleben werde. Wenn die SPÖ-Basis, bzw. Gewerkschaften und Arbeiterkammer mitspielen.

Thema "Schuldenbremse im Verfassungsrang"? Spindelegger: Die Grünen kämen von ihren völlig überzogenen Eigentumssteuern nicht herunter, da könne die ÖVP trotz Drucks von Seiten Faymanns nicht mitmachen.

Was die Zustimmung der FPÖ betrifft, so überrascht Spindelegger mit der Aussage, es sei immer klar gewesen, dass das "nix wird". Die Forderungen des FPÖ-Chefs bezüglich der verbindlichen Einführung von Volksabstimmungen, wenn 250.000 ein Volksbegehren unterschreiben, seien unerfüllbar. Strache selbst habe eine Vorstellung von der Euro-Krise und der europäischen Krisenpolitik, der man schwer folgen könne.

Warum hat dann die ÖVP überhaupt mit Strache verhandelt? Um der SPÖ sagen zu können: "Wir haben auch einen Partner und mit dem haben wir notfalls sogar eine Mehrheit, was ihr SPÖler mit den Grünen nicht habt"?

Spindelegger will sich auf dieses Thema nicht einlassen, weil dahinter natürlich die ewige Frage steht - bastelt die ÖVP schon wieder an einer Koalition mit den Blauen? Es ist zugegebenermaßen Interpretation, wenn man den Eindruck wiedergibt, Spindelegger sei sich über die Natur der FPÖ und Straches im Klaren und ziehe daraus seine Schlüsse. Aber andererseits: aus eigener Kraft bei den nächsten Wahlen die Nr.1 zu werden und dann den Kanzleranspruch zu stellen - da müsste die ÖVP sich sehr verändern. Zusätzlich gibt es in der Volkspartei sehr viele, vor allem in der zweiten Reihe, die über die Behandlung durch die "Sozen" vor hilfloser Wut kochen und bereit wären, den Teufel gegen den Beelzebub auszutauschen.

Wenn die ÖVP jemals wieder eine bestimmende Partei werden will, dann muss sie sich inhaltlich verbreitern. Es geht nicht einmal so sehr darum, den von Schüssel vergraulten "liberalen" Flügel wieder anzustückeln; eher darum, den Anschluss an die Moderne zu finden. So kulturkonservativ wie die ÖVP heute ist, sind nicht einmal mehr ihre Stammwähler.

Spindelegger scheint das zu erkennen und hat etwa den ehemaligen ÖVP-Liberalen und Verfassungsrechtler Heinrich Neisser, der sich zuletzt in verschiedenen Reformplattformen engagierte gebeten, die Schirmherrschaft über die von Staatsekretär Sebastian Kurz geleitete Gruppe zu übernehmen, die ein "Demokratiepaket" ausarbeiten soll. Zunächst aber muss Spindelegger die Sparpaket-Verhandlungen mit der SPÖ auf eine Weise führen und beenden, dass er und die ÖVP sagen können, sie hätten ihre Grundsätze erfolgreich eingebracht. Sonst ist alles vergebens.(DER STANDARD; Printausgabe, 21./22.1.2012)

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Posting 1 bis 25 von 125
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der tueftler
20
22.1.2012, 17:25
die opposition

hat sich staatspolitisch aus dem spiel genommen. die verweigerung der schuldenbremse hat zu einer abstufung österreichs zumindest beigetragen. jetzt behauptet man, die regierung wäre daran schuld. stimmt, die haben viel vermasselt, aber die opposition träft nichts zur besserung bei. ganz einfach, weil man vom schaden für den staat prfofitieren will.
für viele wäre die övp durchaus wählbar, wenn sie nur ein wenig anständiger wäre.

Corno Primo
02
22.1.2012, 17:45
Und Sie glauben, dass eine zahnlose Schuldenbremse im Verfassungsrang die Agenturen beeindruckt hätte?

Ender Wiggin
01
22.1.2012, 16:54
wenn die VP jemals wieder eine bestimmende

Partei werden will, muss sie sich als allererstes ÜBERZEUGEND von den zahlreichen Leuten in den eigenen Reihen trennen, die nur sich selbst und nicht die Partei sehen, dh lückenlose Aufklärung aller Korruptionsskandale. Aber die derzeitige VP-Führung wird wohl zu sehr mit diesen Personen verbunden sein, um dass wirklich zu wollen.

Andreas W
02
22.1.2012, 16:29
"Warum hat dann die ÖVP überhaupt mit Strache verhandelt?"

Ist doch klar, die naechste und korrupteste je in Oesterreich da gewesene Regierung muss ja lange und detailliert vorbereitet werden, damit nicht wider so viele danach von der Justiz verfolgt werden koennen!!!

didi111
00
22.1.2012, 14:38
dem vernehmen nach ist man in der övp derzeit schwer aktiv.

Angeblich probt der schwarze Parlamentsclub schon das umgetextete Lied:

SCHWARZBRAUN ist nicht nur die Haselnuss..

In der Textfindungskommission soll auch Rauch-Kallat gesehen worden sein, die angeblich ihr Mittun
von einer Zuteilung einer Bergbauförderung für ihren burgenländischen Gatten abhängig gemacht haben soll..

aufregen muss
05
22.1.2012, 13:54

wenn die ÖVP mit den Blauen paktiert, wäre es höchste Zeit für eine Anzeige.

das wäre dann nämlich Wiederbetätigung von nationalistischem Gedankengut und eine Schüssel-Pleite 0.2

Strache wettert gegen europäische Werte der Völkerverbindung/Verständigung und gegen die Gemeinschaftswährung.

Mary F.
03
22.1.2012, 13:23
Die ÖVP hat sich selbst um 5-10% der Stimmen gebracht, indem sie nicht Mitterlehner sonder Spindelegger zum Vorsitzenden gemacht hat

Mitterlehner waere genau der richtige Kopf - als Wirtschaftler - an der Spitze der vermeintlichen Wirtschaftpartei gewesen. Charismatisch, kompetent und serioes genug um fuer viele waehlbar zu sein. Sein guter Draht zu Hundsdorfer zeigt auch, dass er fuer Soziales Verstaendnis hat.

Spindelegger ist sicher ein braver Parteifunktionaer und ist auch mit Sicherheit kein schlechter Aussenminister. Er ist aber halt leider kein Macher und keine Fuehrungspersoenlichkeit. "Charisma" in Zusammenhang mit Spindelegger gleicht wohl einem Paradoxon.

ein Posting
02
22.1.2012, 14:27

wahrscheinlich ist der Spindelegger deshalb vorne weil der Mitterlehner den Sumpf der Partei trocken legen wollte.

Insofern ist die Spindelegger ÖVP eine Blockierer Partei.

Mary F.
03
22.1.2012, 16:04
Gut moeglich!

Rot und Schwarz blockieren sich halt gegenseitig, weil bei jedem sinnvollen Kompromiss im Sinne des Buergers irgendwer in der Partei irgendwie Macht, Einfluss und Versorgungsposten verlieren wuerde.

Was bedeutet eine Verwaltungsreform? Im Prinzip nichts anderes als Effezienzsteigerungen durch Abschaffung von Instanzen, die in Wirklichkeit keiner braucht. Wenn man jetzt aber Instanzen und damit politische Vergabeposten abschafft, verliert wieder jemand an Einfluss, der jetzt gerade solche Posten vergibt.

Kurz, beide Parteien werden sich hueten strukturell zu reformieren. Und brennen muss es der Steuerzahler. Und Schuld ist der Kapitalismus in Amerika, die Reichen, die Auslaender, die EU, und ueberhaupt alle anderen.

ein Posting
00
22.1.2012, 16:57

schon seltsam das ganze

didi111
04
22.1.2012, 12:09
Ganz leicht ist es nicht.., ABER..

der Istzustand ist der Vorhof zur Entdemokratisierung der Gesellschaft.

Begründet kann das so werden, daß wir imme mehr eine negative (Personen)Auslese in der Politik haben.

Menschen, welche einen ordentlichen Beruf haben, überlegen sich 100 mal, ob sie in die Politik einsteigen wollen.

In Folge dessen kommen dann die Studienabbrecher (die Faymanns), die Musiklehrer (die Sobotkas) in Positionen, welche sie ja gar nicht mehr beherrschen können.

Dort sind sie konfrontiert mit den Top-Guns der Finanzwirtschaft, welche dann unsere Fliegenfänger über den Tisch ziehen.

Alleine wir (unsere Saunarunde) beklagt ebenfalls das niedere Niveau der österr. Politik, aber es gleichzeitigist NIEMAND bereit, sich in die Politik zu begeben.

Un veistu
00
22.1.2012, 10:12
Vielleicht ein bisschen zu einfach gedacht?

Aufregung, Ärger, Verunsicherung herrschen in spö-Kreisen, wenn man der veröffentl. Meinung glauben darf, wegen der Gespräche zwischen övp und fp. "övp WIRBT um fp" formulierte Frau Lorenz-Dittelbacher, ähnliche Bedenken äußert das Profil. Gibt es in diesem linken Propaganda-Chor keine besonnenere Stimme?
Warum also Gespräche mit d. rechten Rand? Es geht ums Sparpaket und darum, möglichst ALLE ins Boot zu holen. Wenn Strache aus vollem Rohr gegen das Sparpaket loslegt, sind ihm billige Stimmengewinne gewiss, damit steigt seine Chance wirklich die Nummer 1 zu werden! Und dann?
Mir scheint es Gebot einer rationalen Politik zu sein, auch mit den "Freiheitlichen" Gespräche zu führen.
Das sollte auch die SPÖ bedenken.

Dimple
31
22.1.2012, 09:29
hmm

Wenn ich so lesen, dass sich die ÖVP inhaltlich verbreitern (d.h. wohl "sozialdemokratischer" werden) soll und schaue mir an, wie sich die Wahlergebnisse so entwickeln, dann glaube ich eher: Die ÖVP muss konservativer werden, will sie Wahlen gewinnen.

Ich vermute, dass die ÖVP eben schon viel zu breit, d.h. viel zu viel Aufmerksamkeit auf Randthemen, ist, anstatt auf Eigenverantwortung, niedrigere Steuern, Familie (ja, den Standardfall: Frau + Mann + Kind(er)) zu setzen.

Im Gegensatz zu den RedakteurInnen vonStandard, ORF,... ist die Mehrheit der ÖsterreicherInnen rechts der Mitte und je mehr die ÖVP zur Mitte driftete, desto schlechter wurden die Ergebnisse.

lg
Dimple

1116er
01
22.1.2012, 08:50
licht ins dunkel

da derzeit kein wahlkampf ist, war es völlig still geworden um die fpö.
kein mensch und kein medium interessierte sich für die plakatmaler.

für eine philantropen-partei wie die övp war das natürlich ein untragbarer, die demokratie zerstörender zustand. also hat sie ein bisserl gespendet für die armen hascherl, damit auch sie ein halbwegs erträgliches weihnachten verbringen konnten. erwärmt durch die scheinwerfer der medien.

brav övp.
immer auf der seite von behinderten!

Hubert Ungeist
 
00
22.1.2012, 08:46
Merkwürdig..

1. Es wird immer geklagt die VP setze gegenüber der SP zuviel durch - der AUtor meint "..wenn die VP jemals wieder eine bestimmende Partei sein will..". Was entspriht jetzt der Wahrheit?
2. Das die SP sinnlos mit den Grünen verhandelt, ist also okay. Das die VP sinnlos mit der FP verhandelt aber nicht? Soll das eine Partnerschaft in der Koalititon sein? Entweder dürfen beide verhandeln mit wem sie wollen, oder eben beide nicht.

site:°~+*-||!#.\>
31
22.1.2012, 02:54

Ein wirkliches "Demokratiepaket" könnte nur folgendermaßen aussehen:

Verbot und Abschaffung sämtlicher bestehender Parteien.

Förderung der Gründung neuer Parteien, die direkte Demokratie einführen wollen.

Just N. Opinion
 
11
22.1.2012, 02:06
Wäre den Schwarzen und den Roten auch nur ansatzweise so etwas wie eine gemeinsame Strategie zuzutrauen,

dann fände ich eine solche Vereinbarung (die es garantiert nicht gibt) sogar ganz gut: Die SPÖ distanziert sich klar und deutlich von den Unappetitlichen, die ÖVP hält Ihnen ein Türchen offen und trifft sich in und wieder mit ihrem Oberunappetitlichen.

Würden beide die FPÖ für das erklären, was sie ist, nämlich unakzeptabel und unfähig für Regierungsgeschäfte, hätte Strache Oberwasser und würde sich in der Opferrolle suhlen.

Schade, dass es keine gemeinsame Strategie der Regierung ist, sondern nur Unbelehrbarkeit, Sturheit, Rechthaberei, Kurzsichtigkeit und mangelnde Intelligenz einiger Schwarzer.

horseoncowboy
429
21.1.2012, 18:01
die övp ist eine rechte partei ohne wirkliche

ideologie einzig getragen von der vorstellung das sie irgendwie wichtig sein muss da sie ja noch immer viele wählen und der konsequenten ablehnung von fortschritt und solidarität. der rest besteht aus einen wir helfen uns immer netzwerk getragen von gier, korruption und mitwissertum sowie einer hämischen bösheit gegenüber minderheiten. dazu passt eine sinnlehre unpolitische brauchtumswelt als aufputz oder die shows
der kath. kirche. somit war und ist sie ein perfekter partner für die rechstextremen.

Kodo_KAV
11
22.1.2012, 08:59
Blödsinn

Straches Wunschkolition war mit der SPÖ.
Aber die liegen lieber mit Siemens, etc.. Im Bett

will_nix
12
22.1.2012, 00:01
ja eh

und Faymann, Rudas, Pelinka, Bilalic, Ostermayer sind Waserl und es gilt wie immer die Unschuldsvermutung.

Pierre d´Aubusson
160
21.1.2012, 16:54
Es gefällt mir immer wieder, wenn

°freiheitsliebende Journalisten
°in einem liberaalen Blatt
°der Politik
Denkverbote verpassen wollen.

Am schönsten ist das dann,
wenn sie das tun,
um angebliche Freiheit zu retten.

Das is jetzt nix gegen den Herrn Rauscher, der is da eh auf Plattlinie.

Roky Erickson
01
21.1.2012, 18:20

Was hier als Denkverbot bezeichnet wird, das hatten wir ja schon.
Und mit den Sumpfblüten, die daraus hervorgegangen sind, haben wir leider jetzt immer noch zu tun. :-(

Pierre d´Aubusson
30
21.1.2012, 19:31

Genau darum gehts mir, aufzuzeigen, daß die Sumpfblüten der einen Richtung gerade ihr Gegenstück der anderen Richtung erhalten. Läuft wohl unter "Ausgewogenheit", odr?

Es ist nur so, daß zu befürchten ist, so wie anno 68 mit "unter den Talaren.." die eine Richtung aus der Ablehnung der anderen Richtung entstanden ist, nun wieder die alte Richtung genau den Zulauf erhält, den ich ihr nicht gönne.
Frei nach: "Z'wenig und z'vüh is in Noarrn sei Zü"

erkelteter tiger
01
21.1.2012, 20:04

die sumpfblüte korruption kann man nur mit wirksamen gesetzen bekämpfen,
die gesetze die logischerweise die übelsten
korruptions-lobbyisten ausgehebelt haben

die sümpfblüten rassismus und latenter nazikult, den es hauptsächlich in der fpö gibt, kann man nicht bekämpfen, man kann den leuten nur sagen, dass man mit diesen gestalten nicht zusammenarbeitet

das ist kein denkverbot, das ist der wunsch, dass auch zukünftig alle ein einigermaßen sicheres und chancenreiches leben führen können

Pierre d´Aubusson
30
21.1.2012, 20:20

Die Sumpfblüte Korruption bekämpft man nicht mit Gesetzen sondern mit Einstellung zu Korruption. Es is nur so, daß immer diejenigen draufzahlen, die bei Korruption nicht mitspielen. Und da kommt selbst bei den besten gesetzen die richtige Einstellung nicht auf...
Verboten wärs ja jetzt auch schon, odr?

Das ständige Ausgrenzen der FPÖ führt auf Dauer nur dazu, daß sich die ÖVP ihre Koalitionspartner aussuchen kann, die SPÖ aber mit rot-grün auf lange Sicht Minderheit bleibt. Man könnt ja das BZÖ hereinnehmen, aber genau die sind ja die Nachfolger der damaligen Regierungsmannschaft, also Sumpfblüten par excellance.

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