Seit Wochen macht Wulff in Sachen Selbstverteidigung Schlagzeilen
Wie schwierig die Amtsgeschäfte für den deutschen Bundespräsidenten Christian Wulff geworden sind, zeigte sich am Freitag. Mahnende Worte sprach das Staatsoberhaupt am 70. Jahrestag der Wannsee-Konferenz, bei der führende NS-Funktionäre 1942 über die Judenvernichtung beraten hatten.
Zweifelsohne hätten Wulffs Worte eine größere Wirkung gehabt, wenn sie seine einzige Nachricht des Tages gewesen wären. Doch dem war nicht so, es gab auch Neues aus der Sparte "günstiges Reisen", diesmal wurde bekannt, dass sich Wulff als niedersächsischer Ministerpräsident von einem Marmeladenhersteller zum Münchner Filmball hatte einladen lassen.
Und eine weitere Last tauchte aus der Hannoveraner Zeit auf. Gegen Wulffs ehemaligen Vertrauten und Ex-Sprecher wird wegen des Verdachts der Korruption ermittelt. Natürlich drängt sich hier sofort die Frage auf: Was wusste Wulff tatsächlich von dessen Gratisaufenthalten beim reichen Partymacher? Was wusste er über die Finanzierung des "Nord-Süd-Dialogs"?
Es hört einfach nicht auf. Seit Wochen macht Wulff in Sachen Selbstverteidigung Schlagzeilen. Niemand kann sagen, was noch alles ans Licht kommen wird. Noch nie war die Amtszeit eines deutschen Bundespräsidenten so belastet. Der Gedanke, dass dies so weitergehen könnte, ist unerträglich. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2012)