Ein erster Schritt, nicht mehr

Kommentar | Alexandra Föderl-Schmid, 20. Jänner 2012, 18:53

Nach Pelinkas Rückzug halten die Parteien den ORF weiter fest im Griff

Der Rückzug Niko Pelinkas war ein erster, wichtiger Schritt. Die nächsten in Richtung Entpolitisierung des ORF werden schwieriger zu erzwingen, denn in dem Fall wurde so dreist und dumm vorgegangen, dass die Rücknahme der Personalentscheidung auch aus Sicht der SPÖ die beste Lösung war. Wenn Wrabetz beteuert, "die geplante Bestellung war ebenso wenig Gegenstand einer parteipolitischen Absprache wie sein nun bekanntgegebener Rückzug", glaubt ihm das keiner. Glaubwürdigkeit, dass er tatsächlich unabhängig agiert, würde Wrabetz erst gewinnen, wenn er weder VP-Personalwunsch Robert Ziegler als Bundesländerkoordinator noch den Verbindungsmann zum blau-orangen Lager, Thomas Prantner, als Vize-Technikdirektor bestellt. 

Dass Stiftungsräte nicht direkt in Spitzenpositionen des ORF katapultiert werden können, ist der nächste Schritt nach dem Fall Pelinka. Der SPÖ-nahe Technikchef Michael Götzhaber und der Tiroler Landesdirektor Helmut Krieghofer, ein früherer ÖVP-Mandatar, müssten ihre gerade bezogenen Posten gleich räumen. Schließlich liegt nahe, dass sie - mit Parteienunterstützung - nur deshalb dort gelandet sind, weil sie Wrabetz mitgewählt haben. Die Grünen müssen sich Pius Strobl als ihren Sündenfall vorhalten lassen, der Wrabetz' Wahl vor fünfeinhalb Jahren organisiert hat und dann Kommunikationschef wurde. Kein Wunder, dass sich die Grünen deshalb in der Debatte rund um Pelinka still verhalten haben.
Eine journalistische Funktion als Dank - oder als Verpflichtung gegenüber einer Partei - ist im ORF üblich, in der Wiener Zentrale wie in den Landesstudios. Das sogenannte Anhörungsrecht der Landeshauptleute bei der Bestellung des Landesdirektors ist in Wahrheit ein Mitbestimmungsrecht. 

Auch die Zusammensetzung des Stiftungsrates, die unter Wolfgang Schüssel (VP) beschlossen wurde, garantiert weiter die Parteiensteuerung. Statt konsequent Experten in das Gremium zu setzen, gibt es die sogenannten Freundeskreise der Parteien, die Politikferne vernebeln. 

Dass die Parteien den ORF weiter als Teil ihres Einflussbereichs betrachten, zeigen die Erklärungen nach dem Rückzug Pelinkas. Bundeskanzler Werner Faymann (SP) stellte diese Woche im Nationalrat mit dem Grundton der Empörung fest: "Dass Parteien gar nichts mehr zu reden haben, das gibt es in ganz Europa nicht." An die BBC hat er wohl nicht gedacht. 

Bei Chefbestellungen gibt es bei öffentlich-rechtlichen Anstalten in Deutschland sehr wohl massive personalpolitische Eingriffe, wie die Vorgänge rund um Nikolaus Brender beim ZDF und die Kür von Angela Merkels Regierungssprecher Ulrich Wilhelm beim Bayerischen Rundfunk gezeigt haben. Aber der Durchgriff reicht nicht bis ins letzte Glied wie beim ORF und bei einigen Printmedien. 

Dass die SPÖ direkt oder indirekt Miteigentümer bei Eva Dichands Gratisblatt Heute sein könnte, die ihre Eigentumsverhältnisse hinter komplizierten Stiftungskonstruktionen verschleiert, wird auch nach dem neuen Medientransparenzgesetz nicht eindeutig zu klären sein. Mit dem Gesetz, das im Juli in Kraft tritt, wurde dem öffentlichen Druck formal nachgegeben. Aber es gibt keine Medienbehörde, die kontrolliert, ob die Angaben stimmen. Dass VP-Klubchef Karlheinz Kopf versichert, er werde ein Auge darauf haben, ist so glaubwürdig und beruhigend wie Wrabetz' Beteuerungen. (DER STANDARD; Printausgabe, 21./22.1.2012)

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1 2
Stbo
 
00
22.1.2012, 17:36

Danke für diesen Artikel. Warum so viele über den ORF schimpfen, ist wohl nicht nur wegen der Beeinflussung durch die Politik, sondern auch das teilweise gute, aber streckenweise sehr schlechte Programm. Sehr viele Wiederholungen, Nachrichten werden von früh bis spät kaum verändert, damit es nicht so viel kostet und man sich die teuren Experimente der neuen ORF-Kanäle z.B. leisten kann. Und da diese anscheinend wenig gesehen werden, müssen sie wieder aufwändig beworben werden, was aber auch die Seher nur verärgert. Dazu ein sehr teurer, überbordender Angestellten-Apparat.
Und den Politikern sollte man die Förderungen kürzen, damit sie nicht so viel Unfug damit anstellen können.

Benjamin Klein
01
22.1.2012, 16:54
frag ich mich:

wer soll dann in das VAKUUM" einziehen,
wenn die Parteien, die sich darum ringen, wer im Staat und all seinen zugehörigen Institutionen und Gesellschaften das "Sagen" haat,
nichts mehr zu sagen haben im ORF ...

Es wäre keine Krise wenn sich die Parteien und vor allem die Organe des Staates (Parlament, Regierung) als Eigentümer eimischen,

aber die stille §Anleitung durch Parteisekretariate" soll es nicht geben

aber wer hat sich - seinerzeit -über R
ichard Grasl aufgeregt,
es geht doch nur darum den Faymann anpatzen
und einen Roten zu verhindern ...

soweit ich sehe kein "Rotfunbk" in Sicht,
vielmehhr die "Bürgerlichen" unter sich ....

teelose party
10
22.1.2012, 14:35

was mit einer "entpolitisierung" (das wort selbst ist eine illusion, weil man kann nicht "keine politik" machen, ebenso wie man nicht "nicht kommunizieren" kann - fragt sich halt, welche politik das dann ist) orf einhergehen muss ist eine transparente darstellung der eigentumsverhältnisse der großen österreichischen medienakteuere (standard, presse, krone, profil, nachrichtenzeitungen, etc.etc.)

sonst ist das ganze gefährlich einseitig.

(°)(°)
00
22.1.2012, 14:27
Also,

mir ist des eigentlich extrem wurscht ob der ORF das Propagandaorgan diverser Parteien ist.

Man muss nur die Rundfunkgebühr abschaffen.

Seltsam?? Aber so steht es geschrieben.
 
31
22.1.2012, 09:24
Endlich eine Journalistin

die sich entschlossen gegen die widerwärtige Verhaberung und der Freunderlwirtschaft in den Reihen der Spö stemmt und auch dagegen anschreibt!
Weiter so!

Stbo
 
00
22.1.2012, 16:57
Seltsam, aber s o o o stehts n i c h t geschrieben.

Ende der Nacht
00
22.1.2012, 12:33

Vielleicht den Artikel zuerst lesen?!?

wn7539
02
22.1.2012, 08:11
Unabhaengige Medien von Parteien gesponsert? Na sowas!

stellvertretend fuer ALLE - wenn man sich die poltischen Artikel aber auch die Kommentare der auflagenstaerksten Zeitung Oesterreichs, die sogar im Namen "UNABHAENGIG" fuehrt ansieht - einen Tag scheit dieses Blatt wie die Neuauflage der Arbeiterzeitung, den naechsten wie das offizielle Parteiblatt der FPOe.

Das einzig Wichtige bei der berichterstattung ist, keiner Partei auf die "Zehen zu steigen" - wer weiss denn schon wie die naechste Regierung aussieht - denn die Millionen der Pressefoerderung muessen ja kassiert werden

Helmut71
00
22.1.2012, 06:59
es stimmt

dieser Kommentar ist langweilig. Ich würd mir reißerisches wünschen wie..

Zerschlagen wir den ORF!
Gebührenboykott jetzt!
Verbrennt eure Parteibüchlein!
Weg mit dem Parteienfilz!
Holen wir uns Östrerreich zurück!

strike_back_mw3
11
22.1.2012, 01:23
der ORF ist halt ein Staatsfernsehsender

ist ja logisch dass sich die politischen Regentschaften dort festnisten. Wenn man Unabhängigkeit erwartet dann muss man die Anstalt privatisieren, und zwar richtig. Alleine schon die Abzocke mit der Rundfunkgebühr ist eine bodenlose Frechheit in diesem Land dass es nur so kracht. Wo sind da die Sparpotentiale und Reformen? Dieses heuchlerische Getue der österr. Politik geht mir schon sowas von auf den Zeiger, ich kanns euch gar nicht sagen Leute. Der ORF an und für sich ist was die Programmgestaltung angeht schon ein wenig schrullig unterwegs, liegt vielleicht an den pragmatisierten Politgünstlingen die zu Höchstgagen den Zauber fabrizieren.

Ich sage leck zu Google
00
22.1.2012, 00:00
Ein narzisstischer, unwissenschaftlicher Schaumschläger

Dass Hengstschläger mit diesem Buch nun in die Sozial- und Bildungsdebatte einsteigen möchte, schlägt dem Fass ja wirklich den Boden aus.

Jeder, der Hengstschläger schon mal persönlich erlebt hat, an der Uni, bei einer Tagung oder auch nur bei einem Vortrag, weiß, was für ein eingeschränktes, alleine durch die molekulargenetische Brille blickendes Weltbild er hat.

Reine "Fachidiotie" wäre ja an sich nicht mal so schlimm. Bei Hengstschläger kommt allerdings dazu, dass er sein Fachwissen ständig mit seiner eigenartigen halb wertkonservativen, halb elitistischen Weltanschauung und mit den haarsträubendsten Irrmeinungen vermischt, die in der Humanmedizin oder in der Sozialanthropologie

Kuh Yvonne
01
21.1.2012, 19:59

Die Leut sind doch ohnehin total politverdrossen und angefressen. Dieses Festklammern und Manipulieren am ORF nützt also nix. Im Gegenteil, es ist sogar so, dass sich Käseblätter wie Krone und Österreich als Meinungsmacher betätigen.

mikromalist
 
01
22.1.2012, 09:43
PolitikERverdrossen

Seit nicht die "Weltverbesserer" sondern die Jobkraller in die Politik gehen.

Und deshalb wird ORF eine Protestkristallisation.

Dort wird die politische Personenidiotie der "Führung" so schön sichtbar.

Er darf nicht PolitikERrundfunk sein, sondern Rundfunk mit politischer Verantwortung.

Beobachterin
00
21.1.2012, 14:26
...Gratisblatt "heute"...

Komisch, ich dachte diese Gratis-Zeitung wäre von der FPÖ gesponsert, zumindest hab ichs so gelesen, hier im Standard.....

HoJo
21
21.1.2012, 21:36
SPÖ ... FPÖ....

... wo ist der Unterschied?

Beobachterin
20
22.1.2012, 09:09
...wo liegt der Unterschied...

Bitte nachdenken!

Yudhistira
03
21.1.2012, 14:03
In Ösistan herrscht das Prinzip der negativen Auslese,

beruhend auf dem lauten Applaus des Pöbels, dessen niedere Instinkte nicht nur von der Politik, sondern auch von den Medien willfährig bedient werden.

superalex
11
21.1.2012, 13:54
Themenverfehlung

Das primäre Problem des ORF sind nicht die Parteien, sondern willfähriger Journalismus, der sich's am Küniglberg bequem gemacht hat. Auch ein Herr Armin Wolf um nur einen der seit neuesten Unabhängigen zu erwähnen, hat sich's längst gerichtet und wurde auf die höchste Gehaltsstufe gesetzt, die ansonsten nur Abteilungsleitern zusteht. Ein Herr Dittelbacher als Infochef von Laura Rudas Gnaden, ein Herr Ströbitzer, bestens vernetzt mit dem StS Ostermayer usw. usf...
Noch nie waren die Redakteure so unabhängig wie jetzt, behaupten diese selbst. Ja, weil sie ihre rotgrüne Grundeinstellung ausleben dürfen ohne auf Widerstand bei der Führung zu stossen.
Frau Föderl unterschlagt dies: eine Einladung zur orf Pressestunde zählt halt mehr ....

Stbo
 
00
22.1.2012, 17:08

Wenn Sie so gut wie Armin Wolf wären, bräuchten Sie nicht hier im Auftrag der Schwarzen herumposten, denn es i s t reines SPÖ-Bashing. Wobei ich betone, dass ich auch gegen die Verpolitisierung des ORF bin. Aber von allen Parteien.

Stbo
 
00
22.1.2012, 17:08

Wenn Sie so gut wie Armin Wolf wären, bräuchten Sie nicht hier im Auftrag der Schwarzen herumposten, denn es i s t reines SPÖ-Bashing. Wobei ich betone, dass ich auch gegen die Verpolitisierung des ORF bin. Aber von allen Parteien.

Mac McMack
13
21.1.2012, 17:32
welch geistes kinder

ein wolf oder dittelbacher sind ist ja bei diversen aussagen und interviews leicht zu durchschauen. mich würde z. b. auch interssieren wie es eine frau dittelbacher zur zib moderatorin geschafft hat. für mich ist das die schlechteste nachrichtensprecherin die der orf hat.

Beobachterin
23
21.1.2012, 14:42
ORF "Skandal"...

Meine Meinung zu diesem aufgeblähtem "Skandal"
wegen der Postenbesetzung des Büroleiters: ich denke doch, daß es hauptsächlich eine Neiddebatte war, und finde es auch einigermaßen scheinheilig, wenn die ORF Redakteure betonen, noch nie so unabhängig gewesen zu sein... und vor lauter Unabhängigkeit wurde dann der Aufstand probiert oder provoziert. Vieleicht war ihnen der N. Pelinka nicht so sympathisch, gut, aber da fallen mir etliche News-Kollegen ein, die nicht gerade als Sympathieträger gelten..! Als ORF Kunde hätte es mich zB gefreut, wenn sich die Herrschaften mehr für ein besseres Programm einsetzten, zB Sprachkurse, natürlich Musik, Pop u. Klassik (W.Ambros wird zB immer verschämt ab 23 h gesendet) Warum kanns arte oder 3sat besser?

Stbo
 
00
22.1.2012, 17:11

Sprachkurse gehören in keinen Fernsehsender, das ist viel zu zeitaufwändig und Musik - die gibts doch genug in allen Kanälen. 3-Sat und Arte senden sehr viel Kultur und Kunst, auch Sendungen über Länder, etc.

Walter J. Ferstl
12
21.1.2012, 12:01
Ausgezeichneter Kommentar, Frau Föderl-Schmid.

Danke.

2 + 2 = mind. 3
21
21.1.2012, 06:52

Der ORF soll machen was er will
schauen eh nur die Dummen zu.

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