Reportage

Dunkle Wolken über Mitt Romneys Ambitionen

Reportage | 20. Jänner 2012, 18:59

In South Carolina holt den Favoriten für die republikanische Präsidentschaftskandidatur seine Vergangenheit ein

Mitt Romney muss sich gegen Vorwürfe wehren, er sei ein Kapitalist ohne Skrupel, der Menschen nur ausbeute.

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In der alten Zeit, der Zeit vor Mitt Romney, war das Geschäftemachen noch eine sehr persönliche Sache. Man ging auf die Golfwiese, ließ sich Zeit. Industriebosse, die in Gaffney eine Filiale gründen wollten, kamen noch selber, statt Abgesandte zu schicken. Oft waren es betagte Männer, die sich im Steakhouse bewirten ließen und mit denen man reden konnte. "Heute ist alles irgendwie anonym" , sagt Jim Cook. "Schneller, kühler, vielleicht auch effizienter."

Neulich, als eine Textilfirma namens Parkdale Mills der Stadt Gaffney den Zuschlag gab, dauerte es vier Tage, vom entscheidenden Anruf an gerechnet, bis geschnürt war, was Cook ein Motivationspaket nennt. Steuernachlässe vor allem. Erst zwölf Monate später ließ sich der erste Parkdale-Manager bei ihm blicken. Wenn er von der alten Zeit spricht, der Direktor der Entwicklungsgesellschaft des Cherokee County, kann es melancholisch klingen. Aber Business ist Business, und sein Job ist es, Investoren in den krisengebeutelten Landkreis in South Carolina zu holen.

Früher, bis in die siebziger Jahre, drehte sich alles um Baumwollspinnereien und Pfirsichplantagen. Die Textilindustrie wanderte ab in Niedriglohnländer, während es die Pfirsichpflanzer nach Florida und Kalifornien zog. Seitdem geht es auf und ab in Gaffney. Es gibt ein Kugellagerwerk, der Nestlé-Konzern produziert Fertiggerichte, die Daimler-Tochter Freightliner baut Fahrgestelle für Schulbusse. Beweise für die Diversifizierung, von der Cook in Rennbahnmetaphern redet: "Zum Glück müssen wir nicht mehr alles auf ein Pferd setzen" . Doch zuletzt scheinen alle nur noch von einer Fabrik zu reden, der Romney-Fabrik.

Man schrieb das Jahr 1987, als Bain Capital, eine Beteiligungsgesellschaft, das krisengeplagte Gaffney entdeckte. Kurzerhand verlegte sie die Holson Company, einen Hersteller von Bilderrahmen und Fotoalben, den Bain gerade aufgekauft hatte, von Connecticut nach South Carolina. In den Süden, wo die Löhne niedriger waren und die Gewerkschaften schwächer als im Nordosten. Cooks Vorgänger ließ für 200.000 Dollar noch schnell Kanalisationsrohre verlegen, um Romneys Emissäre zu überzeugen. Hinzu kamen Garantien der öffentlichen Hand, die es Bain ermöglichten, drei Millionen Dollar billiger Kredite aufzunehmen. Gaffney setzte alle Hebel in Bewegung, schließlich war es die Premiere des Meadow Creek, eines Industrieparks an der Interstate 85, mit dem sich neue Hoffnung verband. Holson blieb nur fünf Jahre, bevor es die Pforten schloss und 150 Beschäftigten blaue Briefe schickte. Und deshalb steht das verschlafene Gaffney auf einmal im Rampenlicht, als Fallbeispiel für die Geschäftsphilosophie jener Kapitalisten, in deren Spitzenliga Romney mitspielte.

Der Kandidat und das Sanieren, es ist das zentrale Kapitel seiner Präsidentschaftsbewerbung. Mit einem Vermögen von 250 Millionen Dollar ist Romney nicht der erste Multimillionär, der ins Weiße Haus einziehen möchte. Romney aber wirbt allein mit seinem Talent, bei siechen Unternehmen jene Wende bewerkstelligt zu haben, die er auch mit den USA zu schaffen gedenkt. Kein Wunder, dass jedes Kapitel seiner eigenen Firmengeschichte auf den Prüfstand kommt.

1975 verdingte sich der Harvard-Absolvent als Unternehmensberater, erst bei Boston Consulting, ab 1978 bei Bain & Company. Deren Chef Bill Bain delegierte den gründlichen Rechner 1983 an die Spitze eines neuen Firmenablegers. Bain Capital sollte mehr tun als Firmen beraten. Es sollte in lukrativere Bereiche vorstoßen, marode Betriebe übernehmen, sie umstrukturieren und irgendwann mit Gewinn weiterverkaufen. Es begann mit 37 Millionen Dollar für den ersten Investmentfonds, heute verwaltet die Gruppe dem Vernehmen nach 65 Milliarden Dollar.

2,5 Milliarden Dollar Profit

Laut Wall Street Journal weiß man genau, welche Gewinne die Investoren in der Ära Romney (bis 1999) einstrichen. Bei 77 Deals verbuchten die Bain-Fonds 2,5 Mrd. Dollar Profit auf 1,1 Mrd. Dollar eingesetztes Kapital. Die größte Erfolgsgeschichte ist die von Staples, einer Schreibwarenladenkette. Die negativste dreht sich um American Pad and Paper, AmPad. Mit Bain als Mehrheitseigner erwarb AmPad 1994 ein Werk in Indiana, entließ 250 Beschäftigte und stellte die meisten nach kurzer Zeit wieder ein - mit empfindlichen Gehaltskürzungen und ohne die Krankenversicherung voll zu bezahlen. Es folgten Streiks und, sechs Monate später, die Pleite. Stoff für den Kampagnenfilm "When Romney Came to Town" , in dem Rivalen den Kandidaten als kalten, skrupellosen Kapitalisten skizzieren.

In Gaffney, zwölftausend Einwohner, zwölf Prozent Arbeitslosigkeit, hat man beschlossen, das Kapitel Romney unter den Teppich zu kehren. "War wirklich kein großes Ding, die Sache mit den Fotoalben" , sagt Tommy Martin, der Chefredakteur des Cherokee Chronicle, eines dünnen Lokalblatts. Tammie McGee hat den Namen Holson noch nie gehört, geschweige denn den Namen Bain. Sie plagen ganz andere Sorgen, aktuellere. Sie schreibt Gutscheine aus, damit sich Bedürftige Heizöl und Medikamente kaufen können. Ihr Büro liegt an der Limestone Street, der Hauptstraße Gaffneys. Ringsum dreistöckige Backsteinklötzer mit verrammelten Fenstern, Industriedenkmäler des Textilbooms. Peach Center Ministries, der wohltätige Verein, den McGee leitet, lebt hauptsächlich von Spenden, die sonntags beim Gottesdienst eingesammelt werden. Nestlé hat eben 40 Leute entlassen, bei den anderen größeren Arbeitgebern sieht es kaum besser aus. Und wenn Leute eingestellt werden, sind es meist "temps" , vermittelt von Zeitarbeitsfirmen. Ein "temp" verdient zehn Dollar die Stunde, nicht 15 oder 18, wie sonst üblich. "Kaum noch einer hat Geld, um zu spenden" , klagt McGee. "Ganz ehrlich, ich sehe nicht, dass sich irgendwas bessert in Gaffney." (Von Frank Herrmann aus Gaffney/DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2012)

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Posting 1 bis 25 von 34
1 2
F S 3
14
21.1.2012, 16:35
Ron Paul schmerzt offensichtlich die verkrusteten Machtstrukturen bereits sehr, wenn nun bereits SOLCHE "Kampagnen" vorbereitet werden müssen…

…Für nächste Woche in SC geplant, aber bereits heute veröffentlicht:

http://www.committeeforisrael.com/

Solemnly Soliloquising Somnambulist
01
22.1.2012, 17:46
die musikuntermalung durch

Klaviersonate Nr. 14 op. 27 aka mondscheinsonate ist schon ein extremes mittel

peter schmidt
 
00
21.1.2012, 20:09
was soll daran so aussergewöhnlich sein?

ausser das offenbar Juden beteiligt sind was natürlich für Leute bzw. Hoaxes wie Sie eine magische Anziehungskraft ausübt.

flotter denker
50
21.1.2012, 15:38
Romney wird es schaffen.

Damit wird nach Reagan endlich mal wieder ein guter Praesident in USA regieren.

totila39
00
23.1.2012, 10:25

das denker in ihrem Namen halte ich glatt für gelogen!!!

notorischerzweifler
 
01
22.1.2012, 02:54

Dem Reagan (ein Massenmoerder der schlimmsten Sorte) gehoert aufs Grab gepinkelt. Vielleicht finden sich ja ein paar Soldaten fuer den Job.

mikesh713
 
02
21.1.2012, 22:07

ich hoffe der ironie button war an, als sie das geschrieben haben.

Ansonsten, wenn sie Reagan als positiv beurteilen, haben sie ja schon alles gesagt...

der gedanke, dass einer DIESER republikanischen praseidentschaftskandidaten (Romney oder Santorum) der naechste praesident werden koennet, versetzt mich in angst und schrecken.

entweder einen wallstreet kapitalisten oder einen radikalen theokraten, beide sozial- und aussenpolitische hardliner. da kommt einiges auf uns zu.

man kann sich ja ueber obama aufregen wie man will, aber der muss sich tagtaeglich mit diesesem republikanischen blokisten gesocks abgeben und hat trotzdem viel erreicht.

man muss wirklich masochist sein, um sich romney als prasidenten zu wuensch

flotter denker
10
22.1.2012, 10:42
Ich muss Ihre Hoffnung enttaeuschen - es ist ernst

Und ich hab mich mit Romney beschaeftigt. Der Mann ist gut, versteht was vom Geschaeft und hat ein tadelloses Familienleben.
Das Alles ist natuerlich noch keine Garantie, dass er ein grosser Praesident wird, aber um Klassen besser als Obama auf jeden Fall.

Und was hat Obama erreicht?
- die Gesundheitsreform - so ungefaehr das Letzte, was die USA voranbringt
- die Krise einigermassen abgefedert - dank FED. Das haett aber der George Bush Jun. z.B., wirklich kein heller Kopf, auch zumindest so hingebracht.
- Und sonst? Wo sind Erfolge? Ich seh keine!

peter schmidt
 
03
21.1.2012, 16:13
Puh so ein kurzer Beitrag und soviele Fehler:)

peter schmidt
 
00
21.1.2012, 14:50
Heute siehts nach einem Sieg von Gingrich aus.

Damit hat Romney eine echte Schei.. woche gehabt:)

Unangenehme Themen wurden ihm an den Kopf geworfen und er hat schlecht reagiert. Iowa wurde nun plötzlich doch nicht gewonnen. Laut gallup Direktor gestern auf CNN "is Romney collapsing in the nationwide polls".

Erstaunlich das er sich gegen eine reine Spasstruppe so schwer tut.

...and miles to go before I scream
00
21.1.2012, 14:42

Es ist deprimierend, wenn man ein Kandidatenfeld nur nach 'am wenigsten psychopathisch' reihen kann. Und da gewinnt Romney. Gingrich und Santorum lassen George Bush wie einen gemäßigt christlichen grünen Bezirkspolitiker aussehen. Ron Paul wäre sicher ein frischer Wind, aber allzu genau darf man bei dem auch nicht hinschauen.

peter schmidt
 
00
21.1.2012, 14:54
Es kann durchaus noch sein, dass noch ein vernünftiger kandidat auftaucht soferne Romney weiterhin völliges Versagen

bei Angriffen gegen ihn zeigt. DIe Rep. Basis ist absolut gespannt und aufnahmebereit für noch weitere Kandidaten. Müsste aber bald passieren. Mir würde persönlich allerdings nur Chris Christie einfallen. Der ist weltanschaulich für rep. Verhältnisse moderat und hat einen guten Ruf sowie sympatische Ausstrahlung.

Aber er wird wohl noch 4 Jahre warten (so wie die meisten Kapazunder).

...and miles to go before I scream
00
21.1.2012, 15:06

Kann ich mir nicht vorstellen, ein neuer Kandidat hätte ja schon zwei Vorwahlen Rückstand. Aber es ist wahr, dass das im Moment nur die zweite Reihe ist. Denke mal, die wissen ziemlich genau, dass sie keine Chance haben, wenn nix Großes mehr passiert. Wenn sich die Wirtschaft bis zu den Wahlen weiter erholt, ist Obama wahrscheinlich unschlagbar. Nicht, weil er der versprochene Erlöser gewesen wäre, sondern weil er a. eine gigantische Wahlkampfmaschine hat und b. eigentlich auch nichts wirklich falsch gemacht hat (Gitmo ist den Amis egal). Wenn's wirklich kritisch wird, im Sommer ein kleines Luftangrifferl auf die iranischen Atomanlagen, um als harter Mann dazustehen und schon kann nichts mehr schiefgehen.

peter schmidt
 
00
21.1.2012, 15:18
So denke ich mir das auch. Soferne die zarte Erholung der Wirtschaft weitergeht hat keiner eine Chance.

Obama ist ja auch ein ungewöhnlich guter Wahlkämpfer. Und die wenigen die Guantanamo als Skandal empfinden werden deswegen nicht gleich die Reps. wählen.

werwolfi
00
21.1.2012, 13:17

Es wäre eh besser wenn ein ordentlich religiös verrückter wie Santorum das Rennen machte - das erhöht die Chancen von Obama auf eine Wiederwahl massiv, denn so sehr der nicht alles eingelöst hat: besser als ein Republikaner (die zum Großteil an der Krise schuld sind an der die ganze Welt jetzt zu knabbern hat) ist er bei Gegenwind und im Schlaf...

...and miles to go before I scream
00
21.1.2012, 14:45

Na bitte nicht. Dann gehen ihn nämlich die ganzen christlichen Spinner wählen, die sich sonst von keinem angesprochen fühlen und daheim bleiben.

werwolfi
00
21.1.2012, 15:45

Die bringen aber keine Mehrheit. Und viele gemäßigte reps bleiben stattdessen daheim.
Je irrer der Typ, desto besser.
Ein gemäßigter republikanischer Kandidat wird wahrscheinlich gewinnen.

bad religion
00
21.1.2012, 11:06

Beten die Mormonen den Mammon an?

hin und wieder ein tunichtgut
11
21.1.2012, 00:50
oh yeah,

er wird die usa und uns alle heilen ....
und hat doch keinen plan, und so wie's ausschaut auch nicht wirklich irgendwelche fähigkeiten.

Nur DIREKTE DEMOKRATIE ist Demokratie!
00
20.1.2012, 23:24

[Stilblüten] "... sagt Jim Cook" (den derStandard glaubt nicht extra vorstellen zu müssen)

anders and
 
10
21.1.2012, 06:07

"der Direktor der Entwicklungsgesellschaft des Cherokee County" kommt zu spät, aber es kommt.

xEurocent
00
20.1.2012, 23:53

Ron Paul wurde in dem Artikel übrigens auch nicht erwähnt.

peter schmidt
 
12
20.1.2012, 23:23
Fantastisch. Romney hält irgendwie dem Druck schwerlich stand.

Vor wenigen Stunden wieder ein ordentlicher Faux Pas. Originalzitat Romney "I have lived on the real streets of America."

Die Demokraten haben sicher schon in 2 Wochen 5 Videoclips zur Auswahl um den Sager schön zur Geltung zu bringen.

Nick Tameer
03
21.1.2012, 08:48

Das komfortable an der Situation der Demokraten ist, dass sie da ganz auf die Zuarbeit der republikanischen Rivalen vertrauen dürfen, in deren Rahmen selbst ein Newt Gingrich plötzlich skandalöse Elemente im ganz normal kapitalistischen Geschäftsbahren von Romney zu entdecken vermag. (Die hohe Ethik des Kapitalismus wird halt immer wieder durch die Unmoral der einzelnen Kapitalisten versaut.)

peter schmidt
 
00
21.1.2012, 09:56
Das stimmt.

Trotzdem haette ich eigentlich gedacht romney waere 2008 schon untersucht worden und vor allem auch besser gebrieft.

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