Meteorit untersucht: Kleine Zeugen einer Supernova wurden in das "Baumaterial" unseres Sonnensystems integriert
Mainz - Ein internationales Forscherteam hat Staubeinschlüsse im 4,6 Milliarden Jahre alten
Meteoriten "Murchison", der 1969 in Australien gefunden worden war, untersucht.
Die Sternenstaubkörner stammen aus einer Supernova und sind älter als
unser Sonnensystem, wie das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz berichtet. Bei ihrer Untersuchung entdeckten die Wissenschafter chemische
Isotope, die darauf hinweisen, dass sich in den Überresten
explodierender Sterne Schwefelverbindungen wie Siliziumsulfid gebildet
haben. Damit konnten sie nachweisen, was Modelle bereits vorhergesagt hatten.
Das Team um Peter Hoppe, Astrophysiker am Mainzer Max-Planck-Institut
für Chemie, isolierte zunächst tausende, etwa 0,1 bis 1 Mikrometer große
Siliziumkarbid-Sternenstaubkörnchen aus dem Meteoriten. In den Proben
bestimmten die Forscher mit einem hochempfindlichen Spektrometer, der
sogenannten NanoSIMS, die Isotopenverteilung. Hierbei schießt ein
Ionenstrahl auf die einzelnen Sternenstaubkörner und löst aus der
Oberfläche Atome heraus. Ein Spektrometer trennt sie dann nach ihrer
Masse und misst die Isotopen-Häufigkeit.
Seltener Fall
Bei fünf Siliziumkarbid-Proben fanden die Astrophysiker eine
ungewöhnliche Isotopenverteilung: Sie wiesen viele schwere Silizium- und
wenig schwere Schwefelisotope nach, was nicht zu bisherigen Modellen
über die Isotopenhäufigkeiten in Sternen passt. Gleichzeitig konnten sie
Zerfallsprodukte von radioaktivem Titan nachweisen, welches nur in den
innersten Zonen einer Supernova entstanden sein kann. Das wiederum
beweist, dass die jetzt analysierten Sternenstaubkörner tatsächlich aus
einer Supernova stammen.
"Die von uns gefundenen Sternenstaubkörner sind extrem selten. Dass wir sie gefunden haben, ist großer Zufall -
besonders, da wir eigentlich auf der Suche nach
Siliziumkarbid-Sternenstaub mit isotopisch leichtem Silizium waren",
sagt Hoppe. "Die Signatur mit isotopisch schwerem Silizium und
leichtem Schwefel kann nur dadurch plausibel erklärt werden, dass in den
innersten Zonen der Überreste einer Supernova Siliziumsulfid-Moleküle
gebildet wurden." Anschließend wurden die Sulfid-Moleküle von sich
bildenden Siliziumkarbid-Kristallen umschlossen. Diese Kristalle sind
dann vor etwa 4,6 Milliarden Jahren in den solaren Urnebel unseres Sonnensystems gelangt und
wurden in die entstehenden Planeten und Planetoiden eingebaut. Von einem solchen Himmelskörper stammt auch der Meteorit "Murchison", ehe er von diesem abgesprengt wurde und letztlich 1969 auf die Erde fiel. (red)