Landwirtschaft soll Griechenland und Liechtenstein helfen
Berlin - Der kleine Stand in der Halle 18 ist eingeklemmt zwischen einer
Verkaufsbude mit 30 verschieden eingelegten Ingwersorten, des Weiteren
einer Koje, in der maltesischer Wein ausgeschenkt wird, und der
Verkaufspräsentation internationaler Blumenzwiebeln. Ioannis
Anastasiadis hat in zwei gläsernen Kühlboxen ausgestellt, was seine
Gemeinde an Lebensmitteln zu bieten hat: Ein paar typische griechische
Käsesorten, Speck und Würste, Honig und viel Alkoholisches, Wein und
Ouzo. Auf zwei kleinen Tischen kann alles gleich verköstigt werden.
Es ist das erste Mal, dass die Gemeinde Lagadas auf der Grünen Woche,
der weltgrößten Landwirtschaftsschau in Berlin, ausstellt. "Wir müssen
rausgehen und zeigen, welch gute Produkte wir haben", sagt Anastasiadis
und rückt Prospekte zurecht, in denen für Urlaub in seiner Gemeinde, die
nördlich von Thessaloniki liegt, geworben wird. Mit dem Messeauftritt
will die Gemeinde Lagadas in Erinnerung rufen, dass Griechenland auch
anderes zu bieten hat als ausufernde Probleme mit den Finanzen. Und wenn
sich Verkaufs- und Exportchancen ergeben, soll es dem umtriebigen
Bürgermeister nur recht sein.
Die Idee, einen Messestand zu buchen, ist pfiffig und liegt eigentlich
auf der Hand. Trotzdem sind die paar Quadratmeter die einzige
griechische Verkaufsfläche auf der Messe. Das offizielle Griechenland
ist schon seit ein paar Jahren nicht mehr auf der Grünen Woche vertreten
gewesen, sagt Anastasiadis bedauernd. "Die neue Regierung sollte sich
ein Beispiel nehmen an uns."
Grundsätzlich täten solche Exportoffensiven der griechischen
Landwirtschaft gut. Auch eine höhere Verarbeitungstiefe bei agrarischen
Gütern wurde schon des Öfteren von Experten gefordert, wenn es darum
geht, wohin sich die gebeutelte griechische Wirtschaft entwickeln
könnte. So könnten im Agrarbereich Jobs geschaffen und höhere
Wertschöpfung erzielt werden.
Eine ähnliche Vorwärtsstrategie wie die des Bürgermeisters von Lagadas
ist in Halle 17 bei den Schweizern zu beobachten, allerdings geht es da
nicht um Jobs und Exportchancen, sondern ausschließlich um die
Verbesserung eines angeschlagenen Images. Erstmals haben die Schweizer
dem kleinen Nachbarstaat Liechtenstein eine Koje überlassen. Diese sieht
aus wie eine schicke, bar-ähnliche Lounge mit vielen Flachbildschirmen.
Auf diesen geht es um Almen, Kühe und Landwirtschaft. "Wir wollen
zeigen, dass wir nicht nur aus Banken bestehen, sagt Renate Bachmann vom
Liechtenstein Tourismus offen.
Eine Dame in Liechtensteiner Festtagstracht, einem Wachauer Dirndlkleid
nicht unähnlich, lächelt zustimmend und verteilt plastikverschweißte
kleine Würste der Liechtensteiner Firma Walbuner. "Unsere Landwirtschaft
ist durchaus effizient", sagt Bachmann. Spezialitäten sind Käse,
Käsespätzle und Ribeli aus Maismehl. Selbst ein Brot gibt es, das fast
ausschließlich aus liechtensteinischem Getreide ist. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 21./22.1.2012)