Griechenland und Co

Mit Käse und Wein die Finanzkrise austricksen

Reportage | Johanna Ruzicka, 20. Jänner 2012, 18:27

Landwirtschaft soll Griechenland und Liechtenstein helfen

Berlin - Der kleine Stand in der Halle 18 ist eingeklemmt zwischen einer Verkaufsbude mit 30 verschieden eingelegten Ingwersorten, des Weiteren einer Koje, in der maltesischer Wein ausgeschenkt wird, und der Verkaufspräsentation internationaler Blumenzwiebeln. Ioannis Anastasiadis hat in zwei gläsernen Kühlboxen ausgestellt, was seine Gemeinde an Lebensmitteln zu bieten hat: Ein paar typische griechische Käsesorten, Speck und Würste, Honig und viel Alkoholisches, Wein und Ouzo. Auf zwei kleinen Tischen kann alles gleich verköstigt werden.

Es ist das erste Mal, dass die Gemeinde Lagadas auf der Grünen Woche, der weltgrößten Landwirtschaftsschau in Berlin, ausstellt. "Wir müssen rausgehen und zeigen, welch gute Produkte wir haben", sagt Anastasiadis und rückt Prospekte zurecht, in denen für Urlaub in seiner Gemeinde, die nördlich von Thessaloniki liegt, geworben wird. Mit dem Messeauftritt will die Gemeinde Lagadas in Erinnerung rufen, dass Griechenland auch anderes zu bieten hat als ausufernde Probleme mit den Finanzen. Und wenn sich Verkaufs- und Exportchancen ergeben, soll es dem umtriebigen Bürgermeister nur recht sein.

Die Idee, einen Messestand zu buchen, ist pfiffig und liegt eigentlich auf der Hand. Trotzdem sind die paar Quadratmeter die einzige griechische Verkaufsfläche auf der Messe. Das offizielle Griechenland ist schon seit ein paar Jahren nicht mehr auf der Grünen Woche vertreten gewesen, sagt Anastasiadis bedauernd. "Die neue Regierung sollte sich ein Beispiel nehmen an uns."

Grundsätzlich täten solche Exportoffensiven der griechischen Landwirtschaft gut. Auch eine höhere Verarbeitungstiefe bei agrarischen Gütern wurde schon des Öfteren von Experten gefordert, wenn es darum geht, wohin sich die gebeutelte griechische Wirtschaft entwickeln könnte. So könnten im Agrarbereich Jobs geschaffen und höhere Wertschöpfung erzielt werden.

Eine ähnliche Vorwärtsstrategie wie die des Bürgermeisters von Lagadas ist in Halle 17 bei den Schweizern zu beobachten, allerdings geht es da nicht um Jobs und Exportchancen, sondern ausschließlich um die Verbesserung eines angeschlagenen Images. Erstmals haben die Schweizer dem kleinen Nachbarstaat Liechtenstein eine Koje überlassen. Diese sieht aus wie eine schicke, bar-ähnliche Lounge mit vielen Flachbildschirmen. Auf diesen geht es um Almen, Kühe und Landwirtschaft. "Wir wollen zeigen, dass wir nicht nur aus Banken bestehen, sagt Renate Bachmann vom Liechtenstein Tourismus offen.

Eine Dame in Liechtensteiner Festtagstracht, einem Wachauer Dirndlkleid nicht unähnlich, lächelt zustimmend und verteilt plastikverschweißte kleine Würste der Liechtensteiner Firma Walbuner. "Unsere Landwirtschaft ist durchaus effizient", sagt Bachmann. Spezialitäten sind Käse, Käsespätzle und Ribeli aus Maismehl. Selbst ein Brot gibt es, das fast ausschließlich aus liechtensteinischem Getreide ist. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 21./22.1.2012)

DirtyHarry
10
21.1.2012, 14:12
Äpfel & Birnen

Absurd - hier werden Schweiz+Liechtenstein mit Griechenland verglichen.

sterngucker
 
00
21.1.2012, 13:03
Essen, das gefüttert werden muß?

Womit "verköstigt" man Speck oder Honig?

Schinkenfleckerl 3000
00
21.1.2012, 12:25

Griechisches Joghurt, Honig, Feigen - Frühstück der Champions!

Bad Grammer
00
21.1.2012, 11:50
widerspricht ...

... der berufliche besuch so einer messe nicht dem "anfütterungsverbot"?

Christian Martin
00
21.1.2012, 09:04
Malbuner

Da hat der Schreiber wohl das Würstchen gegessen, ohne die Verpackung zu lesen....Malbuner macht Köstliches, leider aber nicht ganz billig...
Senilo, der Verfressene

ict log
00
21.1.2012, 11:20
die rohware ...

kommt aber aus der schweiz (schinken, speck) oder ungarn (geflügelsachen).

Johannes99
14
20.1.2012, 19:02
Ätsch, ich hab noch viel mehr gesehen

in der Ecke des italienischen Pavillons bietet San Marino kandierte Briefmarken an, und der Vatikan essbare Rosenkränze aus Marzipan.
Ja, und Andorra häten Sie sehen sollen, Frau Ruzicka, die hatten eine ganze Kühltruhe mit eingelegten Guerillas, die haben sie zwar aus dem benachbarten Baskenland importiert, aber eigenhändig verarbeitet.
Entzückend auch die rosa Sparschweinchen der Luxemburger aus zusammengerolltem Lammrücken.
Ach, es gab noch so viel mehr zu sehen!

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