Salzburger Schulterschluss

Thomas Neuhold, 20. Jänner 2012, 18:22

Festspiele bangen um gesetzliche Sonderstellung

Salzburg - Der am Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellte Prüfbericht des Rechnungshofs (RH) zum Salzburger Festspielfonds bedroht die Existenz des gesamten Festivals. Diesen Eindruck versuchten Festspielpräsidentin Helga Rabl-Stadler, Bürgermeister Heinz Schaden (SP) und Landeshauptfraustellvertreter Wilfried Haslauer (VP) am Freitag zu vermitteln: Sie wandten sich gemeinsam gegen zahlreiche vom RH formulierte Kritikpunkte - und stemmten sich gegen die damit verbundenen Empfehlungen.

Mit viel Pathos wurden die Festspiele zum "nationalen kulturellen Flaggschiff" (Haslauer) und zum "hohen Gut der Republik" (Schaden) stilisiert, an dem auf keinen Fall gerüttelt werden dürfe. Bedroht sehen die Präsidentin und die zwei Kuratoriumsmitglieder die Festspiele durch die vom Rechnungshof angezogene Debatte um eine Novellierung des Festspielfondsgesetzes.

Wie der Standard berichtete, empfiehlt die Prüfungsbehörde, dass die Salzburger Festspiele - ähnlich den Bregenzer Festspielen - einen dreijährigen Rahmenförderungsvertrag erhalten sollen. Für das Salzburger Renommierfestival wäre das eine massive Verschlechterung, da bisher im Festspielgesetz nur die verpflichtende Deckung eines allfälligen Abganges durch Bund, Land, Stadt und Tourismusfonds geregelt, aber keine finanzielle Höhe festgeschrieben ist.

Das Fondsgesetz dürfe keinesfalls aufgeschnürt werden, sagte Bürgermeister Schaden. Damit wäre die "Kernfinanzierung" in Frage gestellt. Die Finanzierung der "Salzburger Causa Prima" dürfe nicht aufgebauschten parlamentarischen Debatten überlassen werden, sagte Schaden.

Auch die vom Rechnungshof gezogene Parallele zu den Bregenzern hält Schaden für unzulässig. Die Bregenzer Festspiele würden ja nur von einer Oper am See leben, Salzburger hingegen jedes Jahr eine Uraufführung planen. Schaden ortet zudem einen "Verteilungskampf" ums Geld zwischen Ost- und Westösterreich.

Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP) wiederum spricht dem Rechnungshof überhaupt das Recht ab, sich zum Festspielgesetz zu äußern. Der Prüfungsauftrag des Landes vom März 2010 habe nur die Finanzgebarung und nicht die Gesetzeslage umfasst.

Zu anderen Kritikpunkten des Rechnungshofes äußerte sich die Festspielführung hingegen deutlich konzilianter. So werde man zusätzlich zur Einnahmen-Ausgabenrechnung ab 2011/12 auch die geforderte Bilanz legen. Nachsatz: "Ohne gesetzlichen Auftrag."

Auch im Bereich der internen Kontrolle werde man den Empfehlungen "selbstverständlich nachkommen" und die Bundesvergabevorschriften seien "in die Geschäftsordnung des Festspielfonds aufgenommen" worden.

Grüne sehen "Privilegien"

Der Kultursprecher der Grünen, Wolfgang Zinggl, sieht in Salzburg eine "großkoalitionäre Phalanx aus Standortpolitik und Sponsoren" am Werk, die sich "anachronistische Privilegien" sichern wolle. Kein anderer Kulturbetrieb würde sich trauen, einen Rechnungshofbericht zu ignorieren.

Sollte dieser folgenlos bleiben und das Festspielfondsgesetz nicht novelliert werden, müssten die Grünen "die Subvention der Salzburger Festspiele in Frage stellen." (Thomas Neuhold, DER STANDARD - Printausgabe, 21./22. Jänner 2012)

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10 Postings
Florian Brandner1
00
25.1.2012, 20:24
Zum Geldadel gehöre ich nicht und ich bin auch der Meinung, dass da

Einiges gehörig stinkt, aber andereseits, ich hab' unendlich schöne Konzerte, Opern, Matineen erlebt, die mir in wunderbarer Erinnerung sind und die auch ihren Preis wert waren.

V995
00
22.1.2012, 15:03
wer ausser dem geldadel braucht diese form der festspiele

kritische Vernunft
01
22.1.2012, 12:17
Brauchen wir Festspiele?

Diplomatenpass a.D.
02
21.1.2012, 19:37

Der Festspielsumpf muss trockengelegt werden!

quovadis1
02
21.1.2012, 19:13
..da bisher im Festspielgesetz nur die verpflichtende Deckung eines allfälligen Abganges durch Bund, Land, Stadt und Tourismusfonds geregelt, aber keine finanzielle Höhe festgeschrieben ist.

Sehr geehrte Damen und Herren der Festspiele Salzburg!
Es ist nicht EUER privates Geld, das ihr ausgebt. Es ist das Geld aller Steuerzahler und Steuerzahlerinnen. Somit gelten auch hier die Grundsätze Zweckmässigkeit, Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit.

Seria
01
21.1.2012, 18:37

Festspiele sind eben auch nur Spiele. In Salzburg besonders für die Reihen und Schönen, die dafür auch ordentlich blechen sollen.
In erster Linie ist es eine kommerzielle Angelegenheit. Warum der Steuerzahler, der es sich nicht leisten kann dahin zu gehen diese Spiele subventionieren soll ist sehr fraglich

Naphtali
00
21.1.2012, 21:25

Der Steuerzahler blecht für die Salzburger Festspiele viel weniger als für die Bundestheater in Wien und viel viel viel weniger als etwa für die Wiener Festwochen.

Und das bissl, was der Steuerzahler in Salzburg blecht, kommt vielfach über Steuern wieder rein.

Mr. Mag.
11
21.1.2012, 00:05

Der Zinggl soll sich doch endlich selbst in Frage stellen und nicht zu allem seinen Rülpser absondern.
Und der Rechnungshof soll auch mal Gesetze und Prüfaufträge respektieren.
Diese ÖFPÖ Phalanx mit Hrn.Mag.Scheibenpflug an der inkompetenten Prüfungsspitze kann sowieso nur in Formalismen baden.
Konstruktive Vorschläge sind da nicht zu erwarten.
Der Rechnungshof ist immer mehr zum politischen instrument verkommen.
Schade!

donna corleona
01
21.1.2012, 10:30

Die Grünen haben bereits 2010 (auch mittels Antrag) auf eine Neufassung des Festspielfondsgesetzes aus dem Jahr 1950 gedrängt. Es ist absolut unverständlich, dass man auf Zinggl's Hinweise nicht reagiert hat!
In den OÖNachrichten etwa ist zu lesen, dass das Rechnungswesen des Salzburger Festspielfonds im Prüfungszeitraum 2004/05 bis 2009/10 nicht einmal dem eines Vereins entsprochen hat. Der Rechnungshof stellte fest, dass in manchen Bereichen 19 Jahre lang keine Inventur durchgeführt wurde, Gagenerhöhungen selbst genehmigt und Zusatzpensionen eingerichtet wurden. Außerdem liegen etwa Verstöße gegen das Beschaffungsrecht in der Höhe von 1,62 Millionen Euro und fehlende Stellenbeschreibungen in 10 von 14 Abteilungen vor.....

V995
10
20.1.2012, 20:13
eisl eisl eisl

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