OMV federführend im Nabucco-Konsortium. Konkurrenz-Röhre South Stream soll bis 2015 fertig sein
Istanbul/Moskau - Die Türkei will auch nach ihrer Genehmigung
für die russische Gasleitung South Stream den Bau der von der EU
geförderten Nabucco-Pipeline unterstützen. "Wir setzen unsere
Anstrengungen für die Umsetzung des Projektes fort, um die
europäische Energieversorgung zu sichern", zitiert die türkische
Nachrichtenagentur am Freitag Energieminister Taner Yildiz, der zu
einem Besuch in Georgien war. Nabucco soll ein alternativer
Versorgungsweg für Gaslieferungen vom Kaspischen Meer werden und
steht damit in Konkurrenz zur Versorgung über Russland.
Die Türkei hatte Ende Dezember den Bau von South Stream durch ihre
Hoheitsgewässer im Schwarzen Meer genehmigt. Die Zustimmung galt als
wichtiger Schritt bei dem Milliardenprojekt. Im Gegenzug sicherte
Russland der Türkei langfristige Gaslieferungen bis 2025 zu.
Der Essener Energiekonzern RWE hatte am Mittwoch erklärt, er halte
am Importziel für kaspisches Gas und damit an der Nabucco-Pipeline
fest. Vorbedingung für den Bau jeglicher Pipelines von Europa in den
Kaukasus sei aber die Lieferzusage der Förderländer, erklärte die
RWE-Gesellschaft Supply & Trading in Essen. Das Konsortium Shah Deniz
II in Aserbaidschan habe eine Zusage bis Ende 2011 angekündigt. Eine
Entscheidung für einen bevorzugten Partner stehe aber weiter aus.
Die geplante knapp 4000 Kilometer lange Nabucco-Pipeline soll vom
Kaspischen Meer über die Türkei und Südosteuropa bis Österreich
gebaut werden. Bisherige Mitglieder des Konsortiums sind die
federführende OMV (Österreich), die ungarische MOL, Transgaz aus
Rumänien, die Bulgarian Energy Holding, die türkische Botas und RWE.
Gazprom plant South-Stream-Pipeline noch 2012
Der russische Gaskonzern Gazprom drückt
beim Pipeline-Vorhaben South Stream aufs Tempo. Der Export-Monopolist
kündigte am Freitag an, mit dem Bau der Erdgasleitung bereits Ende
2012 und nicht erst 2013 beginnen zu wollen. Unter Umgehung der
Ukraine soll die Leitung von 2015 an 63 Milliarden Kubikmeter
russisches Erdgas nach Südeuropa pumpen. Gazprom will den
South-Stream-Aufsichtsrat im Februar über den Zeitplan für den Bau
unterrichten. Der russische Energiekonzern ist mit 50 Prozent an dem
Konsortium beteiligt. Die italienische Eni hält 20 Prozent der
Anteile, die französische EDF und Wintershall sind mit je 15 Prozent
beteiligt.
Experten halten das Projekt mit einem Volumen von mehr als 15 Milliarden Euro für zu teuer. Gazprom sollte sich besser mit der Ukraine
auf neue Regeln für den Gastransit nach Westeuropa einigen. Der
Ukraine, die die Hauptlast des Transits trägt, ist der von Russland
geforderte Gaspreis für den eigenen Verbrauch zu teuer. Statt der
geforderten 416 Dollar pro tausend Kubikmeter hält das Land 250
Dollar für angemessen. Russland und die Ukraine verhandeln derzeit
über den Preis. (APA)