Schuldenabbau

ÖGB-Plan: 5,4 Milliarden mehr Steuern

20. Jänner 2012, 18:45

Zwei Drittel Einnahmen, ein Drittel Sparen: So stellen sich Arbeiterkammer und Gewerkschaft die Budgetsanierung vor

Wien - Es ist ein ungewohnter Kronzeuge, den Herbert Tumpel zitiert: Selbst der schwarz-blaue Finanzminister Karl-Heinz Grasser habe Budgetpakete zu 60 Prozent mit neuen Einnahmen bestückt und nur zum kleineren Teil mit Einsparungen, sagte der Arbeiterkammer-Präsident, als er sich am Freitagmorgen unter seine Funktionäre mischte. Der Hinweis war mehr als eine vage Vorahnung: Sechs Stunden später verabschiedeten die Arbeitnehmervertreter ein Konzept, das diese Quote locker erreicht.

Fast 400 Funktionäre von Arbeiterkammer und Gewerkschaftsbund waren der Einladung gefolgt, bei einer Konferenz Positionen und Grenzen für die anstehende Budgetsanierung abzustecken. Das Potenzial sehen die Werktägigen-Vertreter naturgemäß weniger bei der eigenen Klientel als bei Unternehmern und Vermögenden - denn, wie im Forderungskatalog vorgerechnet wird: Zwischen 2000 und 2008 seien die Löhne mit 31,2 Prozent deutlich schwächer gewachsen als die Gewinne mit 54,3 Prozent. Das Konzept von AK und ÖGB verspricht - jeweils nach Optimismusgrad der Prognose - einen Erlös von 7,7 bis 10,5 Milliarden Euro im Jahr 2007.

  • Steuern: 3,4 bis 5,4 Milliarden Euro sollen Steuererhöhungen bis 2017 bringen. Jeweils 500 Millionen bis 1,5 Milliarden entfallen auf eine Vermögenssteuer und eine Finanztransaktionssteuer - Letztere müsste jedoch in der ganzen Eurozone eingeführt werden. Große Brocken entfallen auch auf eine reformierte Grundsteuer (400 Millionen), Erbschaftssteuer (300 Millionen), Verschärfungen bei der Körperschaftssteuer (400 Millionen) und eine 25 Prozent-Steuer auf Immobiliengewinne (400 Millionen). Ein Spitzensteuersatz von 55 statt 50 Prozent verspricht 115 Millionen.
  • Pensionen: Eine Absage setzte es für die ÖVP-Pläne: Weder dürfe es höhere Abschläge für Frühpensionen geben noch eine raschere Anhebung des Frauenpensionsalters. Abgesehen vom bekannten Reformkonzept der Sozialpartner (soll eine Milliarde bringen) bieten AK und ÖGB Beitragserhöhungen an: Bauern und Selbstständige sollen um 0,5 Prozentpunkt höhere Beitragssätze akzeptieren (325 Millionen), die allgemeine Höchstbeitragsgrundlage - jene Einkommensgrenze, bis zu der Sozialversicherungsbeiträge zu zahlen sind -, soll um 300 Euro steigen (400 Millionen).
  • Arbeitsmarkt: Arbeitgeber sollen künftig mehr zahlen, indem sie bei Kündigungen die Kosten für zumindest eine Woche Arbeitslosengeld übernehmen (150 Millionen) und pro geleisteter Überstunde einen Euro entrichten (350 Millionen) - jeweils die Hälfte soll an Arbeitslosen- und Krankenversicherung gehen. Zudem sollte auch die Beitragsbefreiung älterer Arbeitnehmer aufgehoben werden (bis zu 300 Millionen.)
  • Strukturen: Die Verwaltungsreform darf auch in diesem Katalog nicht fehlen: 300 Millionen.
  • Subventionskürzungen: Jeweils 100 Millionen werden bei Wirtschaft und Bauern (Mineralöl-steuer-Befreiung!) verbucht. Aufschub und Überarbeitung von ÖBB-Projekten sollen weitere 700 Millionen bringen.
  • Spitäler: Auch ÖGB und AK sehen hier Reformbedarf - das Potenzial für Kostendämpfung veranschlagen sie mit 900 Millionen aber nur halb so hoch wie die Koalition.
  • Familien: Bei der Streichung von Geldleistungen, um mehr in die Kinderbetreuung zu stecken, sollten 100 Millionen übrigbleiben.

ÖGB und AK stellten aber nicht nur Forderungen, sondern sagten auch mehrfach Nein: zu höheren Massensteuern, Kürzungen bei der Bildung (von 80 Millionen in der Verwaltung abgesehen) und zu einer "Personalreduktion im öffentlichen Dienst." (Gerald John, DER STANDARD; Printausgabe, 21./22.1.2012)

Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel versucht die Steuermilliarden einzufangen: Zahlen sollen Vermögende, Erben, Immobilienbesitzer, Unternehmer und die Finanzwirtschaft.Foto: Urban

ÖGB-Boss Erich Foglar: apodiktisches Nein zu

höheren

Abschlägen bei Pensionen, Massensteuern und Abbau von Beamten.

Foto: Urban

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Charly Blecher
30
22.1.2012, 21:27
Ohne Worte!

Die können einfach nichts anderes als Abzocken!

das ist fix
42
22.1.2012, 14:08

Würde man die AK-Zwangsmitgliedschaft abschaffen, dann hätten die Klein+Mittelverdiener schon mehr Geld am Konto.

Pinga
35
22.1.2012, 12:21

Als AK-Zwangsmitglied und einer der Mittelschichtsde**en, die den Großteil der Steuerlast dank kalter Progression tragen dürfen, fühle ich mich durch die sinnbefreiten Vorschläge der "Arbeitnehmervertreter" echt verar***. Weiterhin der gleiche Schwachsinn wie eh und je...

(°)(°)
15
22.1.2012, 06:51
Der ÖGB, wartet mal...

Ist das nicht diese mafiöse Vereinigung welche die Mitgliedsbeiträge von 50 Jahren veruntreut hat?

CTRL+ALT+DEL
19
21.1.2012, 21:53
Pensionsdeckelung!

Frühpensionisten und Hackler hin oder her.

Was das System mindestens ebenso zerstört sind Spitzenpensionen (über 3.000 EUR). Niemand benötigt eine Pension in einer derartigen Höhe, das ist Raub an der Jugend.

Deshalb: Pensionsdeckelung her für die Spitzenpensionen - dann braucht man woanders gar nicht mehr zu sparen!

Aber wie's scheint terrorisiert man wieder einmal nur jene, die arbeiten und eine Familie haben.

K1981
00
21.1.2012, 22:38

So ist es!
Her mit der Deckelung. Und jeder der möchte kann weiter vorsorgen!

Kuldip K.
 
00
22.1.2012, 11:01
Her mit der Dackelung!

Hundstorfer for Garderobier!

Ingrid Tuppel
49
21.1.2012, 20:00

Ich lass mich tausend Mal lieber von AK und ÖGB vertreten als von der Industriellenvereinigung und irgendwelchen illustren Typen wie Mensdorff-Poully und Grasser! Ohne AK und ÖGB gäbe es überhaupt keine Gegenwehr zu den immer gleichen weltfremden Vorstellungen der Wirtschaftsvertreter!

Die grausame Realität 2012
01
21.1.2012, 21:55

Die Wirtschaft oder Ökonomie ist die Gesamtheit aller Einrichtungen und Handlungen, die der planvollen Deckung des menschlichen Bedarfs dienen. Zu den wirtschaftlichen Einrichtungen gehören Unternehmen, private und öffentliche Haushalte, zu den Handlungen des Wirtschaftens Herstellung, Verbrauch, Umlauf und Verteilung von Gütern. (http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaft).

Wenn also von Wirtschaft die Rede ist, dann von 8 Millionen Konsumenten, 4 Millionen Arbeitnehmern, 300.000 Selbständige, dazu noch weniger als 100.000 AGs, GmbHs, Genossenschaften, Stiftungen, etc. Und die werden mehrheitlich durch AK und ÖGB vertreten.

luke skywalker
32
21.1.2012, 19:49
Man müsste nur die ÖBB-Gewerkschafter in die Wüste schicken

die ganzen "wohlerworbenen Rechte" der Eisenbahner beschneiden, das ÖBB-Pensionsantrittsalter von 52 auf 65 jahre hinaufsetzen - schon wären einge Mrd pro Jahr gespart.

Bis 2017 könnte man so schon locker 10 - 15 Mrd einsparen - nur bei der ÖBB.

Abgesehen davon dass die Wahnsinnsprojekte Kormalm und Brennerbasistunnel sofort liquidiert werden müssen - wo zusammen ~30 Mrd vernichtet werden.

Ent-täuscher
69
21.1.2012, 19:15
Erinnern wir uns

Es waren die Gewerkschafter, welche die Koalitionsverhandlungen mit Schüssel platzen ließen, weil sie die vorgeschlagenen Einsparungen im Budget nicht mittragen wollten.
Heute: Sie habens noch immer nicht kapiert!

Die grausame Realität 2012
01
21.1.2012, 20:59

Sie hätten sich auf einen neuen Budgetdefizit-Rekord mit dem Duo Schüssel-Grasser gefreut?

nussknacker8
21
21.1.2012, 19:40

am besten die ögb und ak bonzen fangen bei sich selber an zu sparen! Warum zahlen ögb- und akmitglieder die mehr als die höchstbemessungsgrundlage verdienen keine beiträge mehr, anscheinend werden hier die reichen von der ak- und ögb geschützt, dass nennen sie wahrscheinlich noch sozial!

MiFi
21
21.1.2012, 18:54
Der ÖGB und die AK scheinen es ja Dicke zu haben

400 Teilnehmer a 200 EUR Kosten je Teilnehmer = 80k EUR für eine sinnfreie Veranstaltung ohne Mehrwert ...

Herr Tumpel, Herr Folgar sparen Sie sich und Ihre Organisationen ein - dann wird dieses Land schnell gesunden

Die grausame Realität 2012
20
21.1.2012, 21:02

Angst vor der Einsparung von Steuerprivilegien für Nichtleister und Phantasieeinkommen?

Gehen Sie doch nach Nordkorea, sie müssen nur Ihre FPÖVP-Mitgliedschaft gegen ein KP-Parteibuch tauschen.

MiFi
11
21.1.2012, 21:30
Warum sollte ich Ihre Freunde in Nordkorea besuchen?

Das übersteigt meine intellektuellen Fähigkeiten.
Bitte also um Aufklärung. Danke.

PS: Wobei - einen Kurzbesuch ebendort mit den Herren vom USMC könnte ich mir vorstellen;-)

florian nussbaumer2
14
21.1.2012, 18:46
Fakt ist:

Wer in diesem Land bis 65 arbeitet ist ein Idiot. Wer sich Mitte/Ende 50 in die Pension verabschiedet, hat's geschafft. Irgendwas stimmt da nicht. Aber Gewerkschaft und AK scheinen das für den richtigen Leistungsanreiz zu halten.

(°)(°)
01
22.1.2012, 06:48

Wenn man die Arbeit nicht als belastend empfindet dann kann so lange arbeiten wie es geht.

Wenn ich dran denke welche Jobs ich vor dem Studium gemacht habe hätte ich aber keinen davon bis 65 machen wollen.

Wer solls den Leuten also übel nehmen wenn sie sich vorzeitig vertschüssen, so lange es geht?

Erstversuch
00
23.1.2012, 11:44
Weil immer weniger Leute den gleich schweren Karren ziehen müssen?

luke skywalker
10
22.1.2012, 17:51
Wenn jeder Aktive immer mehr Pensionisten erhalten muss

müssen die Aktiven eben arbeiten bis zum Umfallen damit sich das ausgeht.

Pensionsantrittsalter auf 68, und die Aktiven könnten ~32h Teilzeit arbeiten bei sonst gleichem Nettoeinkommen.

Das hält dann jeder länger durch - auch wenn der Job belastend ist.

florian nussbaumer2
10
22.1.2012, 12:10

Den Leute ist es ja auch nicht übel zu nehmen. Sondern denen, die die gesetzlichen Rahmenbedingungen dafür schaffen.

Kuehlschrank .
 
00
22.1.2012, 12:31

Schuld sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Vom Gesetz her könnte man auch die Zwangsarbeit wieder einführen.

hedgehog
00
21.1.2012, 18:26

Ah da schau her! Der Herbert Tumpel nimmt die personifizierte Unschuldsvermutung KHG als benchmark?

kater bruno
63
21.1.2012, 18:24

Ja Ja, die ÖVP und FPÖ denken sich wozu die Reichen besteuern, wenn wir die Mittelschicht und die Armen schröpfen und bei ihnen sparen können.

florian nussbaumer2
44
21.1.2012, 19:09

Sie sind im falschen Forum. Hier geht's um den Schwachsinn den ÖGB und AK von sich geben.

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