"Keine Gefahr einer Revolution"

20. Jänner 2012, 18:10
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    foto: standard/hendrich

    Waleri Fedorow: "Viel Unzufriedenheit."

Trotz der Protestbewegung sieht der Meinungsforscher Waleri Fedorow keine vorrevolutionäre Stimmung

Aber: Wladimir Putin müsse den Kurs ändern, damit die Gesellschaft nicht weiter auseinanderdrifte.

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Wien - Nach den Massenprotesten in Russland gegen die offensichtlich manipulierten Dumawahlen Anfang Dezember warnte Premier Wladimir Putin in Anspielung an die historischen Umstürze vor einer neuen Revolution. Ähnlich äußerte sich jüngst der orthodoxe Patriarch Kirill. Herrscht in Russland tatsächlich wieder eine vorrevolutionäre Stimmung?

Waleri Fedorow, einer der prominentesten Meinungsforscher Russlands, antwortet im Standard-Gespräch zunächst mit einem russischen Sprichwort: "Wer sich einmal an heißer Milch verbrannt hat, passt selbst beim Wasser auf." Die überwältigende Mehrheit nicht nur der Wähler, sondern auch der Demonstranten sei gegen jede radikale, unkontrollierbare Veränderung.

Die Äußerungen Kirills und anderer sieht Fedorow als Schockreaktion auf das Ausmaß der Demonstrationen, das es seit den frühen 1990er-Jahren nicht mehr gegeben habe. Putins "Stabilität" habe eine sehr geringe Bereitschaft zu öffentlicher Aktivität vermuten lassen. "Als sich dann urplötzlich 100.000 auf einem Platz versammelten, gerieten alle in Panik. Aber natürlich wurden die Gefahren übertrieben. Es gibt keine Gefahr einer Revolution."

Fedorow ist Chef des regierungsnahen Russischen Meinungsforschungszentrums (WZIOM). Am Freitag nahm er in Wien an einem von der österreichischen Initiative Pro Mitteleuropa organisierten Partnerschaftsdialog Zentraleuropa - Russland teil. Dabei präsentierte er auch die neuesten Umfragedaten. Demnach steht Putins Sieg bei der Präsidentschaftswahl am 4. März bereits im ersten Durchgang so gut wie fest. Wäre Mitte Jänner gewählt worden, hätte Putin mindestens 52 Prozent der Stimmen erhalten (Fedorow rechnet die Umfrage auf 56 bis 57 Prozent hoch). Das Interessante dabei ist die wieder steigende Tendenz. Nach den Protesten im Gefolge der Duma-Wahl lag Putin als Präsidentschaftskandidat nur bei 42 Prozent.

Der Aufwärtstrend für Putin wird auch in einer neuen Umfrage der unabhängigen Stiftung für Öffentliche Meinung (FOM) bestätigt. Dort kommt Putin im ersten Wahlgang derzeit allerdings nur auf 45 Prozent.

Den generellen Ansehensverlust Putins verdeutlicht in der WZIOM-Umfrage die Zustimmung zu seiner Arbeit als Premier: 2010 waren es 76 Prozent, Mitte Jänner 2012 waren es 58 - fast 20 Prozentpunkte weniger.

Die Ablehnung Putins ist laut Fedorow denn auch der einzige Kitt der sehr heterogenen Oppositionsbewegung. Sie habe ihren Hauptstützpunkt in Moskau und setze alles daran, Putins Wahlsieg zu delegitimieren. Trotz der noch immer relativ hohen Unterstützung für die Staatsgewalt gebe es ein hohes Potenzial an Unzufriedenheit. "Es herrscht eine ziemlich angespannte sozialpsychologische Situation." Besonders bemerkenswert findet Fedorow jene ganz neue Gruppe von Demonstranten (rund zwölf Prozent), die ihr Engagement mit bürgerlicher Pflicht begründen.

Putin müsse die Forderungen dieser Gruppe (Transparenz, faire Wahlen, Korruptionsbekämpfung etc.) berücksichtigen, meint Fedorow: "Er muss seine Politik korrigieren, damit die Gesellschaft nicht weiter auseinanderdriftet."

Ob und wie Putin die Botschaft verstanden hat, darüber lässt sich anhand seiner jüngsten Ankündigungen spekulieren. Bei einem Auftritt zum 100-Jahr-Jubiläum des Russischen Fußballverbandes im St. Petersburger Michailowski-Theater am Donnerstag versprach er Bier in den Stadien und die Rücknahme der von Präsident Dmitri Medwedew auf Dauer eingeführten Sommerzeit, mit der laut Umfragen 50 Prozent der Russen nicht zurechtkommen. (Josef Kirchengast/DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2012)

Franz Reisl
03
21.1.2012, 08:49
Zeitungsentenschwarm.,.

News bulletins around the world have been following Russia's election rallies. But one channel stands out - America's Fox News has been showing streets ablaze, violent clashes and firebombs thrown at security officers, but with one major problem - the images are not from Russia, they're from Greece!

http://www.youtube.com/watch?v=iHGUpxtfcoc

NONE
00
21.1.2012, 13:19

Fox News ist nun mal der Agit-Prop Sender, das Aushängeschild der Konzernfaschisten in den USA.

Aber "Russia Today" ist recht ähnlich, auf der anderen Seite: etwas seriöser als Fox News (das ist nicht schwer), aber eindeutig auf pro-Putin Linie.

Pjotr Ratschkovskij
14
20.1.2012, 19:09
Rücknahme der dauerhaften Sommerzeit? Geh bitte!

Ist doch grad einmal ein paar Monate her, daß es in RUS keine Zeitumstellung mehr gibt, selbstverständlich müssen sich viele Leute noch dran gewöhnen. Das wäre aber überall auf der Welt nicht anders. Aber, zugegeben, mühsam ist es zur Zeit schon, wenn zw. Mitteleuropa und Moskau nun 3, statt wie früher 2 Std. Unterschied herrscht.
Putin soll jetzt nicht den Fehler machen und hysterisch reagieren und versuchen irgendwelche Nebensächlichkeiten, die den Leuten nicht gefallen, zu korrigieren. Das wäre zu durchsichtig und der Effekt nicht von langer Dauer.
Das Mammutprojekt "Korruptionsbekämpfung" sollte man nach den Wahlen angehen, mithilfe einer neu formierten Regierung und frischen Kadern.

foxy herta
00
23.1.2012, 09:51

die Sommerzeit hat er von der Marionette Medwedew einführen lassen und jetzt schafft er sie heldenmäßig wieder ab - der ist nicht hysterisch sondern zwinkert einmal kurz und seine Populariät beim einfachen Volk steigt wieder...
solche Kleinigkeiten sind es sicher nicht, die ihn vom Großprojekt Korruptionsbekämpfung "ablenken"...

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