Blog: Gruss aus der Küche

Vom Bauch zum Speck + Sauerkraut-Update

Tobias Müller, 22. Jänner 2012, 16:00

Ein ähnliches Prinzip wie beim Sauerkraut, nur ungleich leichter zu produzieren: Speck selber machen ist deppensicher, meint Tobias Müller

In den kommenden Wochen soll es hier um den Schweinsbauch gehen, für mich der geschmackliche Inbegriff des Schweins. Er ist ein Grund, den Winter doch zu mögen, weil Schweinsbauch zwar wirklich köstlich ist, aber bei Hitze doch etwas üppig. Er sollte also gegessen werden, solange es noch kalt ist. 

Besonders oft und liebenswert begegnet er uns in seiner haltbaren Form: als Speck. Das Fett schneeweiß und cremig, das Fleisch zartrosa bis rotbraun und würzig, veredelt er in Streifen das Frühstücksei, als knusprig-weicher Lardon krönt er den Salat (oder das Boeuf Bourguignon, im Sauerkraut löffelweich gegart macht er dem Schmorfleisch Konkurrenz). 

Er gehört, genauso wie das Sauerkraut, zu den Dingen, die Menschen ohne Bauernhof oder High-End-Pub selten selber machen (http://frombellytobacon.com/). Dabei ist Speck zu machen deppensicher. Obwohl ein sehr ähnliches Prinzip dahinter steht wie beim Kraut (Einsalzen), ist er ungleich leichter zu produzieren und das Ergebnis dem durchschnittlich zugekauften weit überlegen (was ich beim Sauerkraut noch nicht behaupten kann). Das Bauchfleisch wird einfach mit Salz, Zucker und eventuell Gewürzen eingerieben und eine Woche zum Ziehen in den Eiskasten gelegt. Dass er in Österreich meist noch geräuchert wird, heißt nicht, dass es nicht auch ohne geht. Der Speck schmeckt sogar zu vielen Dingen ungeräuchert besser.

Eine meiner Meinung nach gute Mischung sind drei Teile Salz und ein Teil Zucker. Da der Zucker nur als geschmacklicher Kontrapunkt zum Salz dient, kann seine Menge nach Belieben variiert werden. Für zwei Kilo Bauchfleisch reichen etwa 50 Gramm Salz-Zucker-Mischung. Weil das aber etwas wenig zum Mischen ist, empfiehlt es sich, ein Kilo abzumischen, in ein Glas zu füllen und bei Bedarf daraus zu schöpfen. Nach Lust, Laune und Speck-Zweck kann der Bauch zudem mit Knoblauch, Pfeffer, Lorbeerblatt, Thymian oder auch Wacholderbeeren gewürzt werden. 

Das Salz entzieht dem Fleisch Wasser und macht es Bakterien schwer bis unmöglich, im Speck zu überleben oder sich zu vermehren. Gleichzeitig dringt es in jede Schweinsbauch-Zelle und würzt das gute Stück von innen. Pökelsalz kann beides noch besser. 

Es ist stinknormales Salz, dem etwas Nitrat zugesetzt wurde. Es schützt vor den Bakterien, die Botulismus verursachen, und gibt dem Fleisch die hübsche Farbe und das Pökelaroma. Die Poster können das bestimmt genauer erklären. Zu kaufen gibt es Pökelsalz im Internet, für den Hausgebrauch reicht es aber meist, einfach seinen Fleischer anzuschnorren. Man kann auch ohne pökeln: Meinen ersten Speck habe ich, einer übertriebenen Idee von Purismus folgend, mit Salz ohne Zusatz gemacht. Das Ergebnis war schmackhaft, aber nicht sehr ansehnlich.

Eine kurzes Wort der Warnung: Nitrat ist in zu großen Mengen ungesund. Die Pökelmischung (Salz + Zucker) sollte daher nur ein halbes bis ein Prozent enthalten. Ich habe diesmal das Pökelsalz so gestreckt, dass die Mischung nur mehr etwa 0,2 Prozent Nitrat hatte, es hat trotzdem gut funktioniert.

Reden Sie auf jeden Fall mit Ihrem Fleischer, wie sein Salz dosiert werden soll, nehmen Sie im Zweifelsfall lieber weniger und essen den Speck schneller auf.

Hausgemachter Speck (nach dem wunderbaren Buch "Charcuterie")

Einen wirklich schönen Schweinsbauch beim Fleischer kaufen. Der Bauch ist nicht überall gleich dick. Bei den dünneren Stücken ist der Fettanteil im Vergleich zum Fleisch höher. Welches Stück man nimmt, ist Geschmackssache. Pancetta etwa, bei der der Bauch nach dem Pökeln eingerollt zum Trocknen gehängt wird, lässt sich mit dem dünnen Teil leichter machen.

Die Enden des Bauchs schön zuschneiden und die Rippen, sofern sie noch dranhängen, entfernen. Aus diesen Teilen lässt sich Salzfleisch machen: mit der oben angegeben Pökelmischung in ein Gefriersackerl packen, nach einer Woche das Sackerl wechseln und nochmals eine Woche im Kühlschrank lassen. Gründlich abwaschen und einfrieren. Eignet sich als eine Art Suppenwürfel etwa zum Würzen von Saucen.

Den Bauch im Salz wenden, sodass alle Seiten mit einer Salzschicht überzogen sind (etwa 50 Gramm für zwei Kilo).

Aufgrund einer Verkettung unglücklicher Umstände habe ich weit mehr Salz benutzt, als ich die Fotos gemacht habe. Das hat dem Speck nicht geschadet, ist aber unnötig und daher nicht nachzumachen.

Den gesalzenen Bauch gemeinsam mit den Gewürzen in ein Gefriersackerl packen. Ich habe für zwei Kilo Bauch vier gequetschte Knoblauchzehen, einige angeknackste Pfefferkörner und zwei zerhackte Lorbeerblätter genommen.

Das Gefriersackerl hat den riesigen Vorteil, dass man den Bauch leicht wenden kann, ohne ihn anzugreifen und so zu verunreinigen. Spätestens nach zwei Tagen wird das Salz so viel Flüssigkeit herausgezogen haben, dass das Fleisch in einer Lake liegt und täglich gedreht werden sollte. Für ein zwei Kilo schweres Bauchstück reicht ein Sechs-Liter-Gefriersack. Im Eiskasten sieben Tage pökeln lassen.

Der Bauch sollte nun unten rot sein und sich fest angreifen. Aus dem Sack nehmen und gründlich abwaschen.

Das Backrohr auf 95 Grad heizen und den Speck darin so lange braten, bis er innen 65 Grad hat.

Es dauert je nach Bauchgröße etwa zwei Stunden, ein Bratenthermometer hilft bei dieser Aufgabe sehr. Die Rinde entfernen, solange das Fett noch weich ist.

Speck auskühlen lassen, in Klarsichtfolie packen und bis zu drei Wochen aufheben. Eingefroren hält er sich einige Monate. Achtung: Die Randstücke können mitunter etwas zu würzig sein.



Eine kleine Anmerkung zum Speckstreifenbraten, weil da meiner Meinung nach fast so oft und viel geschlampt wird wie bei der Eierspeis.

Erstens, die Dicke: Ich halte eine Scheibe für perfekt, die etwa so dick ist wie eine Ein-Euro-Münze. Das garantiert einerseits Knusprigkeit, andererseits einen gewissen Biss.

Zweitens: Speck muss langsam braten, damit er richtig knusprig wird. Meiner Erfahrung nach wird es am besten, wenn man ihn in die kalte Pfanne legt und diese mit ihm langsam erwärmt. Ich nehme Stufe vier von neun. Erst wird das Fett durchsichtig, dann zischt es kräftig und färbt sich plötzlich weiß - ein herrliches Spektakel.

Erst nach einigen Minuten den Speck wenden, die zweite Seite brät dann deutlich schneller als die erste.

Herausnehmen, gründlich mit Küchenpapier abtupfen und sofort essen.

Update Sauerkraut 

Bis vor drei Tagen hat das Kraut alle paar Minuten hörbar geblubbert, während ich das hier schreibe (Tag 15 der Gärung), verhält es sich still. Ich schöpfe jeden Tag per Teesieb (danke, Poster) Kahmhefe ab, am nächsten ist sie wieder da, einmal mehr, einmal weniger. Die Sorge um den Geruch war bisher unbegründet: Wenn ich den Deckel hebe, riecht es deutlich nach Sauerkraut, solange er zu ist, ist aber nichts zu bemerken. (derStandard.at, 22.1.2012)


Kommentar posten
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Miguel Rodrigez
00
11.3.2012, 19:59

geht auch Honig statt Zucker?

wieso auch nicht
01
29.1.2012, 16:22

Was ist ein Eiskasten? Ein Kühlschrank oder ein Gefrierfach bzw. eine Gefriertruhe?

Neuer Nick neues Glück
10
29.1.2012, 18:12

Hast du schon von "Google" gehört?

SK26
10
30.1.2012, 08:43

Yaaaahoooooooooooooo!

Posten schadet der Gesundheit
01
29.1.2012, 20:47
Google

sagt mir, es handelt sich um einen Kühlschrank. Und zwar einen Österreichischen. ;-)

wieso auch nicht
11
29.1.2012, 23:19

born and bred in Austria und noch nie jemanden getroffen der dieses Wort verwendet hat.

SK26
02
30.1.2012, 08:29

born and bored in austria? ;)

wieso auch nicht
00
30.1.2012, 09:56

das auch

Chris W.
00
29.1.2012, 18:46

Du postest auch zu den seltsamsten Sachen ;)

tramezzino
00
27.1.2012, 15:28
vom bauchspeck

zum speckbauch ;-)

Keine Ahnung
00
27.1.2012, 14:59
Frage:

Kann ich die Einsalzmethode beibehalten und das gute Stück danach nicht durchbraten (was ich schade finde...), sondern in meiner ca. 5 Grad kalten, trockenen Speis luftrocknen, oder wird es da komplizierter??
Danke für einen Hinweis!

Keine Ahnung
00
27.1.2012, 14:56
Frage:

fauler Student
02
30.1.2012, 18:00

Nein.

chacun à son gout
00
26.1.2012, 20:16
Jawohl!

Danke für den Tipp!

Das probiere ich - und genieße ihn dann u.a. zu meinem eigenen Sauerteig-Roggenvollkornbrot :D (mit einem mittlerweile jugendlichen Sauerteig von 6 Jahren).

meresi
00
26.1.2012, 04:20
fürs sauerkraut...

lieber herr müller empfehle ich mein gepostetes rezept...da kommt dann freude auf...

agent provokateur
00
24.1.2012, 10:00

schöner blog!

und jetzt noch einen testbericht über die ultimative eierspeis zubereitung!

hmmpf
00
24.1.2012, 09:38

Hab das gestern Abend ausprobiert.
Der Bauch liegt nun im Kühlschrank und surt vor sich hin.
Werde ihn aber vermutlich ein bisschen länger dirn lassen, und danach "durchbrennen" (?) lassen, nur muss ich mich umhören wie lange und wie das von Statten gehen soll.

ninagluck
00
24.1.2012, 10:58

eine woche pökeln, 2 tage durchbrennen, das reicht. dann aufhängen und trocknen lassen oder ab in den rauch!

hmmpf
00
24.1.2012, 11:13

und wie stell ich das mit dem durchbrennen in einer normalen Wohnung an?

Hätt den Bauch gewaschen, trocken gerieben und danach wieder im Plastiksacker 2 Tage im Kühlschrnak gelassen.

Lufttrocknen kommt glaub ich im Kleiderschrank ned so gut und Räuchern in der Wohnung auch nicht... :-D

ninagluck
00
24.1.2012, 13:16

abwaschen, trocknen und offen im kühlschrank liegen lassen, ja nicht mehr ins plastik. lufttrocknen geht in der wohnung auch, wenn du einen kühlen raum hast ( max 17 grad)

Symlink
00
21.2.2012, 19:43
lufttrocknen

geht das auch am durchschnittlichen wiener balkon? k.A. wie da die luftfeuchtigkeit aktuell ist und welche rolle das spielt..

anti-intellektuell
01

ich würde ihnen davon abraten. die kärntner tiroler etc.. trocknen ihren speck bzw. selchen ihren speck nicht umsonst auf abgelegenen hütten jenseits der waldgrenze. saubere luft ist das a und o inklusive einer gewissen seehöhe. zusätzlich hat das was hier vorgezeigt wurde nicht wirklich viel mit speck zu tun. speck braucht zeit zu reifen. was hier getan wird ist schlichtweg fleisch würzen und ein wenig trocknen. wenn sie wirklich nicht darauf verzichten wollen versuchen sie es an einem dunklen sehr gut durchlüfteten ort mit einer kühlen temperatur ca 10 grad unter zimmertemperatur aber ein wenig über kühlschrankkälte und wickeln sie den "speck" nicht in irgendwelche folien oder so einfach hängen lassen und sich am geruch erfreuen :)

ninagluck
00
22.2.2012, 09:23

normalerweise trocknet man in einem kühlen raum; keller wäre optimal. im freien würde ich es schon wegen etwaiger tiere die sich am speck verbeissen könnten nicht tun. luftfeuchtigkeit ist bei speck nicht so wichtig wie bei würsten!

Symlink
00
22.2.2012, 14:08
keller

wie schauts denn in einem keller aus einerseits mit der tierproblematik andererseits mit etwaigem vorhandenen schimmel?
danke!
mahlzeit.

ninagluck
00
22.2.2012, 14:16

also in meinem keller hab ich keine tiere (ist ein normaler gemauerter in einem wohnhaus) zum schutz kann man das stück fleisch in ein ausgekochtes tuch einbinden und aufhängen. täglich auf schimmel kontrollieren und wenn er auftritt mit hochprozentigem alkohol abtupfen. funktioniert einwandfrei wenn man etwas geduld mitbringt!

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