Der Chef der Kärntner Hypo wurde als damaliger KPMG-Partner für Tilo Berlin tätig. Nun wirft ihm der Auftraggeber Interessenkollision und Befangenheit vor
Wien - Das Zivilverfahren der BayernLB gegen die
Mitarbeiterprivatstiftung der Hypo Alpe Adria (MAPS) auf Rückabwicklung
des Hypo-Kaufvertrags birgt einiges an Sprengstoff. Nächste Woche wird
weiterverhandelt - nun thematisiert Ex-Investor und Ex-Bankchef, Tilo
Berlin (er ist dem Verfahren beigetreten), erneut die Rolle des
amtierenden Chefs der verstaatlichten Bank, Gottwald Kranebitter. Zur
Erinnerung: Er war vor seinem Amtsantritt in Klagenfurt im April 2010
Partner der Wirtschaftsprüfungskanzlei KPMG. Und die war in der Sache
Hypo öfter aktiv; Kranebitter wurde trotzdem ihr Chef.
Berlin, dessen Investorengruppe sich via Berlin & Co. ab Dezember 2006
in die Hypo eingekauft und Mitte 2007 beim Verkauf an die BayernLB
goldene Nasen verdient hat, wirft seinem Nach-Nachfolger in der Bank
"Interessenskollisionen" vor, ergibt sich aus einem Schriftsatz ans
Gericht. Berlin & Co. habe die KPMG beim Erwerb von Hypo-Aktien mit der
Durchführung einer Financial Due Diligence beauftragt. Und: Kranebitter
selbst sei Leiter de Teams der KPMG gewesen und habe sich "persönlich um
diesen Auftrag bemüht". Ursprünglich habe man Ernst & Young mit dem
Projekt beauftragt, "da die Qualität der Arbeit unbefriedigend war und .
.. Kranebitter persönlich namens der KPMG mehrfach die Übernahme des
Auftrags anbot ... wurde die KPMG beauftragt." "Nach einer sehr teuren
und aufwändigen Prüfung kam die KPMG u. a. zu dem Ergebnis, dass das
Eigenkapital der Bank ordnungsgemäß verbucht" worden sei.
Aus den Prüfungsergebnissen im Endbericht "Projekt Fort Knox" vom 21.
Mai 2007 jedenfalls habe sich kein "Hinweis auf angeblich
eigenkapitalschädliche Nebenabreden" ergeben. Wie man heute weiß, gab es
für etliche Aktionäre Put-Optionen; das so zugeführte Kapital gilt nicht
als Eigenkapital. Genau das nimmt ja die BayernLB zum Anlass, den
Kaufvertrag anzufechten. Sie geht von arglistiger Täuschung durch die
Verkäufer (MAPS, Berlin & Co. u. a.) aus.
Sollte das stimmen, stellt sich laut Berlin die Frage "warum
Kranebitter diese (Täuschungen; Anm.) als Leiter des KPMG-Teams nicht
erkannt" habe. KPMG habe massives wirtschaftliches Interesse, dass ...
kein eigenes Fehlverhalten zu Tage tritt".
Diese Interessenkollision gelte besonders für Kranebitter, der nach
seinem Wechsel zur Hypo "völlig andere Interessen verfolgt".
Harter Tobak, den Kranebitter, der den Auftrag nicht bestreitet, wohl
aber die Prüfung des Eigenkapitals, so kommentiert: Er sieht weder
Interessenkollision, noch sei er befangen, was sich allein im Faktum
widerspiegle, dass die Hypo die Causa Vorzugsaktien angezeigt hat. Und:
"Die Täuschung rund um diese Aktien konnte niemand finden." Da wolle ihn
jemand diskreditieren, "der selbst Angst vor Strafverfolgung hat." (Renate Graber, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 21./22.1.2012)