Heeresreform-Pläne

Schwedisches Einrichten zum Diskontpreis

20. Jänner 2012, 17:50
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    foto: apa/hbf/minnich

    Heeresminister Darabos mit seinem schwedischen Amtskollegen Tolgfors (links) am Wiener Heldenplatz: "Es gibt einen gewissen Gleichklang an kritischen Tönen zu unserer Sicherheitspolitik."

Obwohl das Bundesheer noch mehr zusammengestutzt wird, plant Verteidigungsminister Darabos an seinem Reformwerk

Wien - Verteidigungsminister Norbert Darabos will einen Leidensgenossen gefunden haben. Selbst wegen seiner Pläne zur Abschaffung der Wehrpflicht heiß umfehdet und wild umstritten, stellte der Sozialdemokrat am Freitag in der Wiener Rossauer Kaserne seinen schwedischen Amtskollegen Sten Tolgfors so vor: "Wir sind beide seit 2007 im Amt - und es gibt einen gewissen Gleichklang an kritischen Tönen zu unserer Sicherheitspolitik."

Bloß: Tolgfors hat die Abschaffung der Wehrpflicht schon hinter sich gebracht und Schweden ein Freiwilligenheer verpasst - was hierzulande wegen des Widerstands der ÖVP noch ziemlich dauern kann. Dennoch will Darabos das schwedische Wehrsystem weiterstudieren, das er sich als Vorbild auserkoren hat. Nun entsendet der Verteidigungsminister Experten nach Stockholm, damit die sich dort ein Bild machen.

Damit arbeitet Darabos scheinbar unverdrossen weiter an seinem Reformwerk - obwohl das Bundesheer bis 2015 um 600 Millionen zusammengekürzt wird - weiteres Zusammenstutzen im Zuge des anstehenden Sparpakets nicht ausgeschlossen. Dazu kommt, dass Schweden in sein Militär ungefähr das Doppelte investiert wie Österreich, dem mit rund zwei Milliarden nur 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zur Verfügung steht. Darabos glaubt aber weiterhin fest daran, dass die Einführung eines Berufsheeres "kostenneutral" wäre.

Tolgfors wiederum, der vor einem Jahr noch mit Rekrutierungsproblemen zu kämpfen hatte, war bei seinem Besuch freilich voll des Lobes für die eigene Armee. Um die 3500 offenen Stellen reißen sich nun 32.000 Bewerber. Früher hätten 70 Prozent der Soldaten nach der Ausbildung die Streitkräfte verlassen, was jetzt Geschichte sei. Und Schwedens Heer habe schon einen Frauenanteil von 18 Prozent. Darabos glaubt deshalb auch, für seine neue Armee genug Freiwillige zu kriegen.

Am Montag will er seine Projekte präsentieren, im Zuge derer ein Milizsystem, ein Musterverband und einige Kasernen ohne Grundwehrdiener auskommen sollen. Die Kosten dafür lagen im Promillebereich des Budgets, versichert der Minister.

Und auf noch etwas drängt Darabos: dass Schweden und Österreich als Bündnisfreie auf EU-Ebene militärisch stärker miteinander kooperieren. Der Minister und sein schwedischer Kollege möchten etwa bei Ausbildung, ABC-Abwehr und Übungen zusammenarbeiten. Denn: In der Union ginge ihnen "einiges zu langsam" - etwa bei den Battle-Groups, die bisher ja noch nie zum Einsatz kamen. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD; Printausgabe, 21./22.1.2012)

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Posting 1 bis 25 von 59
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Hugo Stolz
03
23.1.2012, 04:16

Ich habe bereits als Herr Darabos den General Entacher absetzen wollte bekannt, dass meine tiefe Abneigung gegen das Bundesheer sich mittlerweile in Mitleid gewandelt hat. Sehe ich diese in Lumpen gekleideten Gardesoldaten mit der wohl aus dem Heeresgeschichtlichen Museum stammenden Fähnchen durch die nassen Gassen traben, verstärkt sich dieses Mitleid noch.

Selbst meine Abneigung gegen die Wehrpflicht hat sich irgendwie ins Gegenteil verkehrt, als der ORF-Korrespodent Karim El-Gawhary während der Revolution in Ägypten sinngemäß meinte, die Soldaten würden kaum auf die Bürger schießen, weil sich wegen der Wehrpflicht die Armee zu einem großen Teil aus eben solchen Bürgern zusammensetzt.

jamieoliver
30
23.1.2012, 05:29

Das Argument, dass bei einem bürgerkriegsähnlichen Zustand, von einer Berufsarmee eher auf die eigenen Bürger geschossen wird als von einem Wehrpflichtigenarmee, wird gerne eingebracht - ist aber meiner Meinung nach zu einfach.

Gut in Ägypten hat sich die Armee nicht gegen das Volk gewandt, in Syrien, das ebenfalls über eine Wehrpflicht verfügt, scheint das eher der Fall zu sein. Meiner Meinung nach ist dafür nicht Berufsheer - Wehrpfichtigenheer ausschlaggebend, sondern die genauen innnenpolitischen Verhältnisse (rivalisierende ethische oder politische Gruppen mit wenig Zusammenhalt untereinander).

Aber wie gesagt, wenn man ehrlich für die Wehrpflicht ist, muss man die für beide Geschlechter fordern - ich denke sie ist nicht nötig.

Lazarus Long
03
23.1.2012, 11:41
Was sie in ihrer Argumentation übersehen ist, dass in Syrien

nicht Wehrpflichtige gegen die Bevölkerung eingesetzt werden, sondern Assad über eine sehr goße gekaderte (mit Masse aus Alawiten bestehende) Truppe verfügt, die als Berufsarmee zu verstehen ist. Auch in Syrien ist das Problem die Berufsarmee. Allerfdings zeigt sich in Syrien auch ein weiterer Vorteil der Wehrpflicht. Der jetzt immer stärker auftretende Widerstand gegen die Angriffe der Berufstruppen audf die Demonstranten wird von den ehemaligen Wehrdienstleistenden und Milizangehörigen getragen, die auf Grund ihrer Ausbildung effektiver und erfolgsversprechender gegen die Berufstruppen vorgehen können und es auch tun.

Lazarus Long
12
22.1.2012, 14:30
Na, wenn er sich das "Modell" schweden näher ansehen will, sollte er sich als aller erstes mal ansehen, für welche Truppengattung sich die Freiwilligen in Schweden melden und welche Truppengattung massive Probleme hat Freiwillige zu bekommen.

Dann wird der Verweigerungsminister feststellen, dass sich die Freiwillige fast ausschließlich für Luftwaffe und Marine melden. Die Bodentruppen dagegen sind bereits fast 20% unter Stand, müssen sich Bewerber vom AMS schicken lassen und unter den Schulabbrechern und Sozialverlieren rekrutieren (und bekommen trotzdem nicht mal ansatzweise genügend zusammen). Von der Miliz/"Heimwehr" gar nicht erst zu reden. Nach über einem Jahr intensiver Rekrutierungsversuche nur Interiemsverträge und nicht ein einiziger der tatsächlich beigetreten wäre.
Da Österreich keine Marine und kaum Luftwaffe hat, wird man sich ausschließlich auf die Zahlen der Bodenstreitkräfte beziehen können und die sind mehr als nur ernüchternd!

das ist fix
37
22.1.2012, 11:13

Darabos ist der Totengräber der militärischen Landesverteidigung.
Die Frechheit ist, dass er sich nicht klar für die Abschaffung des Bundesheeres ausspricht, sondern das Bundesheer von innen aushöhlt, bzw. eine Salamitaktik bei der Demontage betreibt.
http://www.tt.com/csp/cms/s... innlos.csp

das ist fix
04
22.1.2012, 11:08
Wortwahl

Ein Freiwilligenheer ist nichts anderes als eine Berufsarmee.

global_citizen
42
22.1.2012, 11:23
klingt aber viel politisch korrekter

das ist die hohe Kunst des NLP. Die Freiwilligkeit
ist natürlich eine Relative: typischerweise kommen
die Freiwilligen in untersten Rängen auch aus der
untersten Schicht und aus strukturschwachen Gebieten,
d.h. sie flüchten vor Arbeitslosigkeit.

Opium des Volkes
23
22.1.2012, 12:48
Na und?

Was ist so schlecht daran, wenn junge Menschen auch aus den "untersten Schichten" beim ÖBH einen Job und vielleicht auch eine berufliche Ausbildung bekommen, die sie dann im Zivilberuf einsetzen können?

Prof. Alois
 
01
23.1.2012, 18:21
Dass man ihnen dort eine Waffe in die Hand drückt

und hofft, dass ihre bisher sozial erlernten Konfliktlösungsmodelle nicht in die falsche Richtung ausschlagen. Zustände wie in Abu Ghraib brauchen wir nicht.

aiuto
12
22.1.2012, 09:26
ich frag mich schon längere Zeit,

wie lang man den unfähigen und glücklosen Darabos noch mit unseren Steuermitteln herumwurschteln laßt.

Redox
53
22.1.2012, 08:22
Lasset uns nicht vergessen:

Ein Berufsheer samt Nato-Beitritt ist immer das Ziel der ÖVP gewesen.

Andreas Khol, damals Klubchef, forderte 1997 das Ende der Wehrpflicht.

Heute vertritt er die Position, dass die militärischen Aufgaben „künftig nur mit einer neu gestalteten Wehrpflicht erfüllt werden könnten“.

Ja, so lügen sie eben, die Schwarzen!

Lazarus Long
02
22.1.2012, 14:12
Das heißt, jeder der seine Meinung auf Grund der katastrophalen Erfahrungen, die jedes andere Land

mit der Einführung der Berufsarmee gemacht hat ändert ist ein Lügner? (ihnen ist schon klar, dass man mit dieser Argumentation nie aus der Atomenergiepolitik herauskommen würde!)
Stellt sich natürlich die Frage, was sind dann die Politiker der SPÖ, die sich Jahrelang FÜR die Wehrpflicht aussprachen und jetzt (wider besseren Wissens) sich auf Befehl der Krone plötzlich für die Söldnertruppe aussprechen?

sledgehammer44
00
22.1.2012, 12:43

nur weil die einen lügen, heißt das nicht unbedingt das die anderen die wahrheit sagen...

Lünz
14
22.1.2012, 11:29
Lasset uns nicht vergessen:

Die allgemeine Wehrpflicht ist schon Jahrzehnte fester Bestandteil sozialdemokratischer Ideologie.

Für Norbert Darabos war die Wehrpflicht noch 2010 in Stein gemeißelt.

Heute vertritt er die Position, dass die militärischen Aufgaben nur durch ein Freiwilligenheer erfüllt werden können.

Ja, so lügen sie eben, die Roten!

Ich stimme ihrem Beitrag inhaltlich voll zu, nur darf man die zweite Seite der Lügenmedaille nicht vergessen.

jamieoliver
11
22.1.2012, 03:58
schlechte Meinungsmache

Was für ein schlechter Artikel - aber den ist man zum Thema Heeresreform vom Standard ja schon gewohnt. Ein bisschen weniger parteilichkeit würde dem Artikel guttun.
Es ist zwar schön wenn man die Kostenfakten aufzählt, nur ist das ein relativ schwaches Argument. Schließlich kann ich mich nicht erinnern, dass der Standard noch effektivere Abschiebemaßnahmen fordert - schließlich kann man da sicher auch Kosten sparen.

Es geht vorrangig darum, den jungen männlichen Österreichern 6 Monate Zwangsdienst zu ersparen der zu einem modernen Land nicht mehr passt. Und wenn man einen solchen Dienst befürwortet, dann müsste man das im Sinne der Gleichberechtigung für beide Geschlechter tun. Beides tut Frau Weißensteiner nicht - ein Schelm ...

raff1
22
21.1.2012, 23:46
man sollte nicht vergessen,

dass die wehrpflicht eine errungenschaft der französischen revolution war.
stehende armeen dienen demjenigen, der diese bezahlt.
oft wird vergessen, dass die bezahlung mit steuergeldern stattfindet.

jamieoliver
20
22.1.2012, 04:01
andere Zeit

Man sollte nicht vergessen, dass Frankreich auch bereits auf ein Freiwilligenheer umgestellt hat. Wenn also das Heer dem Steuerzahler der es bezahlt, diehnt ist eh alles in Ordnung.

Auch sollte man nicht vergessen, dass sich die Zeiten seit der französischen Revolution verändert haben. Eine damals gute Lösung muss dass heute nicht mehr sein und ist es auch nicht mehr. Es ist unverantwortlich den jungen männlichen Österreichern 6 Monate bis 1 Jahr ihrer Lebens- und Ausbildungszeit zu stehlen.

MichaelMoore
35
21.1.2012, 19:14
Strache wird sich 2013 über ein Berufsheer freuen

mit so vielen Blauen drin!

Chien de Pique
32
21.1.2012, 21:34

Ihnen ist aber schon bekannt, dass nicht einmal die ÖVP so verbissen gegen das Berufsheer kämpft wie Strache?

Der mit der Glaskugel spricht
00
21.1.2012, 19:04
NL 600

Jo L
 
19
21.1.2012, 18:17
Jetzt sind wir schon bei Kostenneutral

-->Darabos glaubt aber weiterhin fest daran, dass die Einführung eines Berufsheeres "kostenneutral" wäre.<--

Ich mag mich täuschen, aber ich dachte bisher wurde immer mit billiger argumentiert.

Schau ma mal. wie lange es noch dauert, bis es "geringfügig teurer" ist.

jamieoliver
20
22.1.2012, 04:09

Das Finanzielle kann ja wohl nur ein untergeordnetes Argument sein, wenn es um die Menschen- und Freiheitsrechte der jungen männlichen Österreicher geht.

Es ist nicht ersichtlich, warum es beim Wehrdienst eine sexuelle Diskriminierung aller männlicher Österreicher geben soll.

tock tock tock
00
21.1.2012, 21:53

*lach* ... und was dann am Ende rauskommt! :-)

ost wind
34
21.1.2012, 17:49
Noch 1 Jahr ausharren, dann ist der Darabos weg!

Zahltag Wahltag 2013!

aiuto
01
22.1.2012, 09:27
das wäre zu schön

um wahr zu sein....
aber ich glaube, der ist hartnäckig und will weiter einen Minister "spielen".

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