Obwohl das Bundesheer noch mehr zusammengestutzt wird, plant Verteidigungsminister Darabos an seinem Reformwerk
Wien - Verteidigungsminister Norbert Darabos will einen Leidensgenossen gefunden haben. Selbst wegen seiner Pläne zur Abschaffung der Wehrpflicht heiß umfehdet und wild umstritten, stellte der Sozialdemokrat am Freitag in der Wiener Rossauer Kaserne seinen schwedischen Amtskollegen Sten Tolgfors so vor: "Wir sind beide seit 2007 im Amt - und es gibt einen gewissen Gleichklang an kritischen Tönen zu unserer Sicherheitspolitik."
Bloß: Tolgfors hat die Abschaffung der Wehrpflicht schon hinter sich gebracht und Schweden ein Freiwilligenheer verpasst - was hierzulande wegen des Widerstands der ÖVP noch ziemlich dauern kann. Dennoch will Darabos das schwedische Wehrsystem weiterstudieren, das er sich als Vorbild auserkoren hat. Nun entsendet der Verteidigungsminister Experten nach Stockholm, damit die sich dort ein Bild machen.
Damit arbeitet Darabos scheinbar unverdrossen weiter an seinem Reformwerk - obwohl das Bundesheer bis 2015 um 600 Millionen zusammengekürzt wird - weiteres Zusammenstutzen im Zuge des anstehenden Sparpakets nicht ausgeschlossen. Dazu kommt, dass Schweden in sein Militär ungefähr das Doppelte investiert wie Österreich, dem mit rund zwei Milliarden nur 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts zur Verfügung steht. Darabos glaubt aber weiterhin fest daran, dass die Einführung eines Berufsheeres "kostenneutral" wäre.
Tolgfors wiederum, der vor einem Jahr noch mit Rekrutierungsproblemen zu kämpfen hatte, war bei seinem Besuch freilich voll des Lobes für die eigene Armee. Um die 3500 offenen Stellen reißen sich nun 32.000 Bewerber. Früher hätten 70 Prozent der Soldaten nach der Ausbildung die Streitkräfte verlassen, was jetzt Geschichte sei. Und Schwedens Heer habe schon einen Frauenanteil von 18 Prozent. Darabos glaubt deshalb auch, für seine neue Armee genug Freiwillige zu kriegen.
Am Montag will er seine Projekte präsentieren, im Zuge derer ein Milizsystem, ein Musterverband und einige Kasernen ohne Grundwehrdiener auskommen sollen. Die Kosten dafür lagen im Promillebereich des Budgets, versichert der Minister.
Und auf noch etwas drängt Darabos: dass Schweden und Österreich als Bündnisfreie auf EU-Ebene militärisch stärker miteinander kooperieren. Der Minister und sein schwedischer Kollege möchten etwa bei Ausbildung, ABC-Abwehr und Übungen zusammenarbeiten. Denn: In der Union ginge ihnen "einiges zu langsam" - etwa bei den Battle-Groups, die bisher ja noch nie zum Einsatz kamen. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD; Printausgabe, 21./22.1.2012)