Wie eine Wiener Agentur mit Word-of-mouth-Marketing Medien in die Irre führt

20. Jänner 2012, 17:58
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Polsterschlacht-Weltmeisterschaft, Sex-Schule in Wien und Kafka-Buch

Wien - Was haben eine Polsterschlacht-Weltmeisterschaft in New York, eine erfundene Sex-Schule in Wien und ein vor Rechtschreibfehlern strotzendes Kafka-Buch gemeinsam? Alle drei waren "Hoaxe", erfunden Meldungen", auf die heimische wie internationale Medien reingefallen sind - und alle drei gehen auf das Konto der Wiener Werbeagentur men on the moon (MOTM).

Bisher war nur von einer Agentur in Schweden die Rede, die für österreichische Auftraggeber ihre Finger im Spiel gehabt haben soll. Die Methode des strukturierten Geschichtenerzählens (dem sogenannten Buzz- oder Word-of-mouth-Marketing) ist relativ neu in Österreich.

"Es geht darum, Geschichten aufzubauen und über passende Kanäle zu spielen", erzählt Geschäftsführer Christoph Brunmayr. Mit den Schweden hat MOTM eine Partnerschaft. Die haben beispielsweise mit Kampagnen für eine feministische Partei für Furore gesorgt.

Auftraggeber: Die Junge Industrie

Auftraggeber waren im Fall von Kafka und Sexschule die Junge Industrie, hinter der frei erfundenen Polsterschlacht-WM steckte Hervis Sports als Kunde. Ob Reuters, CBS New York, der ORF oder der Standard: Hunderte Fernsehsender und Zeitungen weltweit gingen der Geschichte auf den Leim und berichteten von der skurrilen Weltmeisterschaft. "Wir wollten die Medien auf gar keinen Fall vorführen. Aber was sich da abgespielt hat, ist besorgniserregend", meint Brunmayr.

Der Verlauf, wie rasch und ungeprüft sich die Story weltweit verbreitete, sei Zeugnis der miesen Arbeitsbedingungen von Journalisten. Die, deutet der Agenturchef verschmitzt an, könnten möglicherweise das Thema einer neuen Kampagne sein.

Mit den bisherigen Aktionen sei MOTM und die dahinterstehenden Kunden sehr zufrieden. "Es wurden Emotionen geschaffen. Viele der Themen sind in den Fokus der Aufmerksamkeit gerückt." In etwa drei Wochen soll übrigens der nächste Hoax in Umlauf gebracht werden. (Julia Herrnböck, DER STANDARD; Printausgabe, 21./22.1.2012)

  • Auftraggeber waren im Fall von Kafka und Sexschule die Junge Industrie.
    foto: screenshot/montage

    Auftraggeber waren im Fall von Kafka und Sexschule die Junge Industrie.

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