Hedgefonds

Elliott ist Griechenlands Staatsfeind Nummer eins

Andreas Schnauder, 20. Jänner 2012, 17:34

Wie man angeschlagene Staaten um das letzte Hemd bringt, hat der Hedgefonds Elliott gezeigt

Athen/Wien - Elliott ist ein Hedgefonds, wenngleich kein gewöhnlicher. Der Einstieg bei Firmen - in Österreich wurde der Name durch das Engagement bei Meinl International Power bekannt - zählt eher zu den Ausnahmen. Stärker angezogen fühlt sich Elliott-Gründer Paul Singer von notleidenden Krediten. So lässt sich ungefähr übersetzen, was Profi-Investoren als "distressed debt" bezeichnen.

Die Geschäftsidee: Unternehmen oder Staaten straucheln bei der Bedienung von Schulden; Elliott erwirbt die Kredite wegen des großen Ausfallrisikos mit hohen Abschlägen und fordert dann den vollen Betrag zurück. So geschehen bei betrieblichen Großpleiten wie Enron und WorldCom. Ebenso bei Staatsbankrotten wie jenen Argentiniens und der Republik Kongo. Oder gerade jetzt beim Schuldenschnitt Griechenlands.

Mit gewiefter Taktik und beinharter Verhandlungsführung schaffte Elliott bisher eine jährliche Wertsteigerung von durchschnittlich 14,6 Prozent, weswegen immer mehr Investoren Singer ihr Geld anvertrauen. Zuletzt verwaltete das New Yorker Investmenthaus 16 Milliarden Dollar.

Das Meisterstück gelang in Peru im Rahmen der Umschuldung des Landes, und das Beispiel zeigt, welchen Gefahren Athen ausgesetzt ist. Der Staat entledigte sich 1995 eines Teils seiner Schuldenlast und wählte dabei den vom Währungsfonds unterstützten, vom früheren US-Außenminister Nicholas Brady initiierten und nach ihm benannten Plan. Drei Monate nach Verkündigung des Haircuts deckte sich Elliott um elf Millionen Dollar mit den stark gesunkenen Anleihen ein.

Noch bevor die Umtauschkonditionen für die am Markt befindlichen Schuldverschreibungen zwischen Lima und dem Bankenverband ausverhandelt waren, hatte Elliott die Auszahlung des vollen Nennwertes der Anleihen gefordert. Ein lokales Gericht wies den Antrag ebenso zurück wie in der Folge ein New Yorker Richter. In der Berufung bekam der Hedgefonds recht und erhielt 55,6 Mio. Dollar zugesprochen - darin inkludiert neben der Schuldenrückzahlung auch ausständige Zinsen.

Das war freilich nur die halbe Miete, verweigerte Peru doch die Zahlung. Daraufhin zapfte Elliott die Überweisung der Zinsen an die Inhaber der BradyBonds via Gericht an und gewann unter anderem vor einem Brüsseler Gericht, das wegen des belgischen Sitzes des Clearinghauses Euroclear zuständig war. Peru transferierte kurz darauf 58,45 Mio. Dollar an Elliott.

Neben Singers Vehikel haben weitere Hedgefonds wie Saba Capital, CapeView oder TTN hohe Anleihenbestände in Griechenland günstig aufgekauft. Da sie keinen freiwilligen Forderungsverzicht akzeptieren, steht die Rückzahlung des vollen Schuldbetrags im Raum. Athen droht nun, rückwirkend Klauseln in die Anleiheprospekte einzufügen, wonach ein Schuldenschnitt bei entsprechender Zustimmung von beispielsweise 75 Prozent von allen Gläubigern zu akzeptieren ist.

Darüber, ob diese Vorgangsweise im Fall des Falles halten würde, wird derzeit kontroversiell diskutiert. Erschwerend für Griechenland kommt hinzu, dass die Europäische Zentralbank rund 40 Milliarden Euro an Staatsanleihen hält und zu keinem Verzicht bereit ist. Das würde den Hedgefonds Munition liefern, die sich auf eine Gleichbehandlung mit der EZB berufen wollen. (Andreas Schnauder, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 21./22.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 175
1 2 3 4
Otto Ottinger
 
00
Athen droht nun, rückwirkend Klauseln in die Anleiheprospekte einzufügen ...

noch fragen wie sehr man staaten über den weg trauen kann?

Post(er)
04
21.1.2012, 20:54

Die Hätschfonds gehören ausgehebelt und illegalisiert. Lauter arrogante Psychos, die unter starallüren sich wie Götter vorkommen, die Idioten.

Wetten gehören ins Sportwettcafe. Deppert shorten und shorten immer shorten, das ist alles was die Kaulquappen können. Sollen was produktives arbeiten, die nadelstreifigen Drückeberger.

Susi Wolf
13
21.1.2012, 20:12
Nur eine simple Hausverstandsfrage:

Elliot kauft faule Kredite/Schuldpapiere wegen des extremen Ausfallsrisikos zu stark ermäßigten Konditionen. Und stellt sie dann sofort fällig?!?!??

Das hätte ja der Verkäufer auch machen können - oder nicht? Warum hat der Verkäufer Angst vor dem Kreditausfall möchte die Papiere auch mit großem Verlust loswerden -- und Käufer Elliot ist sich sicher, das ganze Geld zu kriegen - und zwar sofort??!?

Und da spielen dann noch Gerichte mit, die dann den die faulen Kredite einklagenden Heuschrecken die unverdienten Milliarden quasi ins Maul schaufeln.... Für mich ist das hauptsächlich ein Justizskandal!!!

more more
20
22.1.2012, 09:32

Traurig.
Einfachste wirtschaftliche Gesetze nicht zu kennen gilt offenbar als Auszeichnung.
Schon mal was von Risikostreuung gehört?

Andreas Prucha
00
21.1.2012, 22:46

Naja, sofort fällig nicht. Die Papierln wären jetzt sowieso fällig geworden - allerdings blockieren die Zocker jetzt einen Ausgleich.

Epikouros
00
21.1.2012, 23:44

Stellen Sie sich mal die Frage warum die EZB/EU überhaupt zugelassen hat, dass die Hedgefonds die Anleihen so günstig kaufen konnten! Warum wurden die Papiere nicht zum Preis von 40% von EZB und EFSF erworben? Warum waren Griechenland und Europa so gierig und haben die Anleihen bis auf 20% sinken lassen? Warum haben sie von den Gläubigern immer höhere Anschläge gefordert? Bei 40% wären die Anleihen für den Hedgefonds wenig interessant gewesen. Dass sich die Gläubiger nicht wie die Lämmer schlachten lassen und einem Schuldenschnitt von 70% ohne weiters zustimmen, hätte eigentlich klar sein müssen.

LGM
00
22.1.2012, 10:27

Weil sonst die EZB mit einem Schlag der alleinige Schuldner Griechenlands geworden wäre?
Das mit dem Sinken lassen ist auch so eine Sache. Wenn viele verkaufen wollen, aber kaum jemand kauft, dann sinkt eben der Marktwert. Wie wollen Sie das verhindern?

Epikouros
00
22.1.2012, 13:50

Die EZB oder der EFSF hätten zum Kurs von 40% kaufen können. Dann hätten sie einen Großteil der Anleihen zum Umtausch bekommen, und die 40% sind immer noch weniger als die zuletzt vereinbarten 50%. Aber die Gr. wollten unbedingt hoch pokern und einen Schuldenschnitt von über 70%.

Der Markwert wurde wesentlich vom Verhalten GRs beeinflusst. Als GR einen de facto Schuldenschnitt von 75% auf den Tisch legte und drohte diesen per Gesetz durchzusetzen, wollte natürlich niemand mehr als 25% zahlen.

LGM
00
22.1.2012, 14:19

Ja, hätte und so. Nach heutiger Lesart (und die ändert sich ja ständig) beteiligen sich NUR die Privaten an dem Schuldenschnitt. Die EZB würde also, zumindest in der Theorie, auf den vollen 100% bestehen.
Die EZB überschreitet mit dem jetzigen Ankauf sowieso schon ihr Mandat, aber Geschenke statt Kredite an einen Staat wäre noch ein ganz anderes Kaliber.

</ lustig>
00
21.1.2012, 20:22
Das Geld, das Elliot machen könnte,

ist die Belohnung für das Risko, notleidende Kredite zu kaufen.

Elliot geht davon aus, daß Schulden bezahlt werden müssen und Gerichte das - wohl oder übel - bestätigen.

Wo sehen Sie jetzt einen Justizskandal?

Andreas Prucha
01
21.1.2012, 22:50
Jetzt mal ehrlich: Griechenland ist zahlungsunfähig. Wenn die Papier jetzt bezahlt werden, dann letztendlich von der EZB oder den anderen EU-Staaten.

Tun sie das nicht, kann sich Elliot die Forderungen auch in die Haare schmieren. Die spekulieren aber eher drauf, dass die EU zuviel Angst vor einem unkontrollierten Default hat (Folgewirkungen auf Banken, CDSs etc) - und deswegen einspringen wird.

Warum sollte also die EU die Zocker dafür belohnen, dass sie ein Risiko eingehen, das für die EU möglicherweise grobe Nachteile hat? Niemand hat sie dazu gezwungen die Papiere zu kaufen, also gibts auch keinen Grund sie zu belohnen. Die Papiere wurden von denen ja nicht zum Nennwert, sondern zum Schleuderpreis gekauft. Die hätten bei einem Schnitt wahrscheinlich nichtmal einen ernsthaften Verlust.

Post(er)
00
21.1.2012, 20:59

"Belohnung für das Risko"

Geh bitte, für welches Risiko kann denn der gerade stehen. Solange er abzockt ist er cool, wenn er verliert dann müssen andere für sein "Risiko" zahlen. Der Zocker-Wetter verdient negativen Respekt.

</ lustig>
00
21.1.2012, 21:09
Keine Ahnung warum ich mir das antue,

aber ich ich versuch's trotzdem:

In dieser Ausgabe des online Standard wird im Artikel "Schuldenschnitt: Einigung verzögert sich" von 65 bis 70 Prozent Abschlag gesprochen.

Riskio genug?

so so ....
00
22.1.2012, 12:54

Ich weiß nicht genau was sie sich antun, aber überbordendes Faktenstudium kann es nicht sein.
Elliot hat die Papiere zum letzten Marktpreis genommen (vulgo Sekundärmarktrendite). Wo die steht, können Sie sich überall im Netz überzeugen.

Der hätte bei einem Schnitt von 70% wahrscheinlich einen Gewinn von 300%.

Was man sich nicht alles so antut am Sonntag vormittag ...

LGM
00
22.1.2012, 13:22

Da müssten die aber die Papiere um 10% gekauft haben.
Außerdem bekommen die, die dem Schnitt zustimmen, ja kein Geld, sondern neue Papiere mit einem um den Schnitt verminderten Nominale mit einer Laufzeit von kolportierten 30 Jahren, wo es in den Sternen steht, ob die jemals zurückbezahlt werden.

Post(er)
00
21.1.2012, 21:25

Nochmal für die langsamen:

Wie kann er jemals in der Realität Riskio übernehmen? Wenn er versagt, fällt er nur allen zur Last.

LGM
00
21.1.2012, 22:20

Wenn ein Hedgefonds pleite geht, dann trifft das nur dessen Anleger. Die wird überhaupt nichts vom Steuerzahler gerettet.

</ lustig>
01
21.1.2012, 21:38
Immer noch zu schnell für mich...

Bitte um ein Beispiel, wo der Steuerzahler einen Hedgefonds retten musste.

Nur ein einziges...

Contra
20
22.1.2012, 01:18

grundsätzliche frage: wo ist die enteignung, von der immer geredet wird?

die papiere bleiben weiterhin im besitz der hedgefonds. lediglich der wert der papiere wird über eine umschuldung auf den tatsächlichen marktwert angepasst.

LGM
00
22.1.2012, 10:30

Das Papier stellt aber eine Schuld über, sagen wir einmal, 100 dar. Wenn jetzt der Schuldner kommt und sagt, ich zahle zwar nicht, gebe dir aber dafür ein neues Papier. Das ist aber nur 30 wert undläuft noch 30 Jahre...
Das *ist* Enteignung.

Contra
00
23.1.2012, 21:11

tja, es ist doch nicht enteignung.

wenn ich ein stück papier kaufe, auf dem steht, dass mein kreditnehmer das recht hat, nachträglich auf den kreditvertrag einfluss zu nehmen, dann ist er selbst schuld.

LGM
00
23.1.2012, 21:19

Wenn das tatsächlich so in den Bedingungen vereinbart ist, dann haben Sie recht.
Das hätte dann aber die Folge, dass Griechenland nie wieder Anleihen nach griechischem Recht verkaufen könnte. Die werden sich also sehr gut überlegen müssen, ob sie das tatsächlich machen.

Contra
00
22.1.2012, 21:50
anleihen sind eigentlich kreditverträge

kreditverträge können auch nicht ohne weiteres weitergegeben werden.

ich nehme einen anleihenkredit bei einem bestimmten partner auf und muss mich dann mit wem auseinandersetzen, der die anleihen günstig aufgekauft hat - mit dem ich aber nie einen kreditvertrag abgeschlossen habe, geschweige denn wollte. meiner ansicht nach gibt es da ein gewisses legitimationsproblem, wenn ich dann mit den wiederkäufern über den kreditvertrag verhandeln soll, den ich gar nicht mit ihnen abgeschlossen habe.

zum nachdenken.

LGM
00
22.1.2012, 22:10

Anleihen sind verbriefte Kredite, das stimmt.
Allerdings ist es so, dass die börsenotierten Anleihen explizit dazu gedacht sind, gehandelt zu werden. Sobald ich die Anleihe verkauft habe, sprich den Kredit genommen habe, habe ich keinerlei Kontrolle mehr darüber, was mit dem Papier passiert, es sei denn, es ist in den Emissionsbedingungen extra anders vereinbart.
Es gibt also hier keinerlei Legitimationsproblem.
Normalerweise gibt es über den Kreditvertrag auch nichts zu verhandeln. Die Bedingungen sind in den Anleihebedingungen eindeutig festgelegt, an wen meine Zinsen und letzendlich auch das Kapital gehen braucht mich nicht zu interessieren.
Will ich das anders haben, muss ich eben direkt einen Kredit aufnehmen.

Contra
00
23.1.2012, 01:13

staatsanleihen werden aber nicht an der börse begeben, sondern in auktionen, wo nur ausgesuchte bieter mitbieten dürfen (für österreich 24 banken).

d.h. es findet eine bestimmte vorselektion bereits statt - sonst dürften die hedgefonds auch an der bieterauktion teilnehmen.

zum schutz der staatsinteressen kann es m.E. vorteilhaft sein, anleihen nicht als kleine inhaberpapiere zu begeben.

weiters zum nachdenken:
ist das ausnutzen einer zwangslage oder das verhindern einer umschuldung als sittenwidrig zu bewerten?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 175
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.