Wie man angeschlagene Staaten um das letzte Hemd bringt, hat der Hedgefonds Elliott gezeigt
Athen/Wien - Elliott ist ein Hedgefonds, wenngleich kein gewöhnlicher.
Der Einstieg bei Firmen - in Österreich wurde der Name durch das
Engagement bei Meinl International Power bekannt - zählt eher zu den
Ausnahmen. Stärker angezogen fühlt sich Elliott-Gründer Paul Singer von
notleidenden Krediten. So lässt sich ungefähr übersetzen, was
Profi-Investoren als "distressed debt" bezeichnen.
Die Geschäftsidee: Unternehmen oder Staaten straucheln bei der Bedienung
von Schulden; Elliott erwirbt die Kredite wegen des großen
Ausfallrisikos mit hohen Abschlägen und fordert dann den vollen Betrag
zurück. So geschehen bei betrieblichen Großpleiten wie Enron und
WorldCom. Ebenso bei Staatsbankrotten wie jenen Argentiniens und der
Republik Kongo. Oder gerade jetzt beim Schuldenschnitt Griechenlands.
Mit gewiefter Taktik und beinharter Verhandlungsführung schaffte Elliott
bisher eine jährliche Wertsteigerung von durchschnittlich 14,6 Prozent,
weswegen immer mehr Investoren Singer ihr Geld anvertrauen. Zuletzt
verwaltete das New Yorker Investmenthaus 16 Milliarden Dollar.
Das Meisterstück gelang in Peru im Rahmen der Umschuldung des Landes,
und das Beispiel zeigt, welchen Gefahren Athen ausgesetzt ist. Der Staat
entledigte sich 1995 eines Teils seiner Schuldenlast und wählte dabei
den vom Währungsfonds unterstützten, vom früheren US-Außenminister
Nicholas Brady initiierten und nach ihm benannten Plan. Drei Monate nach
Verkündigung des Haircuts deckte sich Elliott um elf Millionen Dollar
mit den stark gesunkenen Anleihen ein.
Noch bevor die Umtauschkonditionen für die am Markt befindlichen
Schuldverschreibungen zwischen Lima und dem Bankenverband ausverhandelt
waren, hatte Elliott die Auszahlung des vollen Nennwertes der Anleihen
gefordert. Ein lokales Gericht wies den Antrag ebenso zurück wie in der
Folge ein New Yorker Richter. In der Berufung bekam der Hedgefonds recht
und erhielt 55,6 Mio. Dollar zugesprochen - darin inkludiert neben der
Schuldenrückzahlung auch ausständige Zinsen.
Das war freilich nur die halbe Miete, verweigerte Peru doch die Zahlung.
Daraufhin zapfte Elliott die Überweisung der Zinsen an die Inhaber der
BradyBonds via Gericht an und gewann unter anderem vor einem Brüsseler
Gericht, das wegen des belgischen Sitzes des Clearinghauses Euroclear
zuständig war. Peru transferierte kurz darauf 58,45 Mio. Dollar an
Elliott.
Neben Singers Vehikel haben weitere Hedgefonds wie Saba Capital,
CapeView oder TTN hohe Anleihenbestände in Griechenland günstig
aufgekauft. Da sie keinen freiwilligen Forderungsverzicht akzeptieren,
steht die Rückzahlung des vollen Schuldbetrags im Raum. Athen droht nun,
rückwirkend Klauseln in die Anleiheprospekte einzufügen, wonach ein
Schuldenschnitt bei entsprechender Zustimmung von beispielsweise 75
Prozent von allen Gläubigern zu akzeptieren ist.
Darüber, ob diese Vorgangsweise im Fall des Falles halten würde, wird
derzeit kontroversiell diskutiert. Erschwerend für Griechenland kommt
hinzu, dass die Europäische Zentralbank rund 40 Milliarden Euro an
Staatsanleihen hält und zu keinem Verzicht bereit ist. Das würde den
Hedgefonds Munition liefern, die sich auf eine Gleichbehandlung mit der
EZB berufen wollen. (Andreas Schnauder, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 21./22.1.2012)