Jobinserate-Sprech: Proaktiv und gepflegt

  • Wer sympathisch ist und wer nicht liegt im Auge des Betrachters, des zukünftigen Chefs oder der zukünftigen Chefin etwa.
    foto: benjamin thorn/pixelio.de

    Wer sympathisch ist und wer nicht liegt im Auge des Betrachters, des zukünftigen Chefs oder der zukünftigen Chefin etwa.

Das Aussehen ist die zweitwichtigste Stärke, die potenzielle Mitarbeiter eines Magazins mitbringen müssen

Beim Überfliegen von Jobinseraten fällt auf: Viele Stärken sind gefragt. Manchmal auch unerfüllbare wie jahrelange Berufserfahrung bei Berufseinsteigern. Ein österreichisches Magazin suchte vor kurzem ein neues Redaktionsmitglied für die Ressorts Beauty, Wellness, Lifestyle. Nach "Freude am Kontakt mit Menschen" war hier gleich an zweiter Stelle "ein gepflegtes, sympathisches Erscheinungsbild" gefragt. Erst unter Punkt drei folgte "Erfahrung im Medienbereich".

Jetzt kann man natürlich entgegnen, das sei Haarspalterei. Egal an welcher Stelle welche Anforderung steht - alle sind gleich wichtig. Bleibt trotzdem die Frage, ob das Erscheinungsbild gleich wichtig ist wie die Fähigkeit, gut zu schreiben. Und was bedeutet eigentlich "sympathisch" und wer ist so kompetent das zu bestimmen?

Auch das Vokabular anderer Stellenmarktinserate lässt viel Interpretationsspielraum. "Kommunikationsstarke" Persönlichkeiten sind genauso gefragt wie "pro-aktive Charaktere" und "zielorientierte Damen und Herren". Auch eine "Hands-on Mentalität" kommt gut an - was übersetzt so viel bedeutet wie "anpacken können".

Den stellenausschreibenden Unternehmen ist jedenfalls zu wünschen, dass sie Mitarbeiter finden, die diese Worthülsen mit mehr Kompetenzen auffüllen als mit sympathischem Auftreten und einem gepflegten Äußeren.

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