Jobinserate-Sprech: Proaktiv und gepflegt

Marietta Türk
27. Jänner 2012, 14:34
  • Wer sympathisch ist und wer nicht liegt im Auge des Betrachters, des zukünftigen Chefs oder der zukünftigen Chefin etwa.
    foto: benjamin thorn/pixelio.de

    Wer sympathisch ist und wer nicht liegt im Auge des Betrachters, des zukünftigen Chefs oder der zukünftigen Chefin etwa.

Das Aussehen ist die zweitwichtigste Stärke, die potenzielle Mitarbeiter eines Magazins mitbringen müssen

Beim Überfliegen von Jobinseraten fällt auf: Viele Stärken sind gefragt. Manchmal auch unerfüllbare wie jahrelange Berufserfahrung bei Berufseinsteigern. Ein österreichisches Magazin suchte vor kurzem ein neues Redaktionsmitglied für die Ressorts Beauty, Wellness, Lifestyle. Nach "Freude am Kontakt mit Menschen" war hier gleich an zweiter Stelle "ein gepflegtes, sympathisches Erscheinungsbild" gefragt. Erst unter Punkt drei folgte "Erfahrung im Medienbereich".

Jetzt kann man natürlich entgegnen, das sei Haarspalterei. Egal an welcher Stelle welche Anforderung steht - alle sind gleich wichtig. Bleibt trotzdem die Frage, ob das Erscheinungsbild gleich wichtig ist wie die Fähigkeit, gut zu schreiben. Und was bedeutet eigentlich "sympathisch" und wer ist so kompetent das zu bestimmen?

Auch das Vokabular anderer Stellenmarktinserate lässt viel Interpretationsspielraum. "Kommunikationsstarke" Persönlichkeiten sind genauso gefragt wie "pro-aktive Charaktere" und "zielorientierte Damen und Herren". Auch eine "Hands-on Mentalität" kommt gut an - was übersetzt so viel bedeutet wie "anpacken können".

Den stellenausschreibenden Unternehmen ist jedenfalls zu wünschen, dass sie Mitarbeiter finden, die diese Worthülsen mit mehr Kompetenzen auffüllen als mit sympathischem Auftreten und einem gepflegten Äußeren.

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Provokativ-Sprech

"Junges, dynamisches Team": Bitte keine Bewerbungen von alten, teuren, sturen BöckInnen über 40!

"Flexibel": Arbeiten für Hungerlohn

"Leistungsorientiertes Gehalt": Lausiger All-In-Vertrag,jede Menge unbezahlte Überstunden

"Familiäres Arbeitsklima": Alle Drecksarbeiten für Chefs erledigen (z.B. Autowaschen, Gartenbetreuung,..), und das in der Freizeit

Die Kunst, "zwischen den Zeilen" zu lesen... ;)

"Reisebereitschaft" Sie sind 80 % der Zeit unterwegs was natürlich nicht als Arbeits- sondern als Reisezeiten abgerechnet wird.

"Marktführer sucht für Vergrößerung des jungen Teams..." Kleine Firma. Vor 2 Jahren gegründet. Hat ein Produkt oder eine Dienstleistung im Angebot, die bis jetzt noch niemand brauchte und bekam überraschenderweise einen größeren Auftrag. Jetzt brauchen wir jemanden der diese Arbeit auch erledigt.
".. reagieren sie schnell auf neue Herausvorderungen und eine neue Umgebung" Sie bekommen ihr Gehalt zwar von uns, sind aber an verschiedene Kunden von uns für das zehnfache ihres Stundenlohnes verleast.
"Erfahrung mit JBOSS,JQuery,JUnit,JDings und JDas" Wir wissen nicht was das ist, aber alle anderen schreiben das a so.

""Erfahrung mit JBOSS,JQuery,JUnit,JDings und JDas" Wir wissen nicht was das ist, aber alle anderen schreiben das a so."

:-)

Tja, hier zeigt sich die wahre Diskriminierung. Weniger Mann/Frau sondern schön/häslich.

ein Vorteil muss mir ja auch bleiben

;o)

Der Chef will halt was für's Auge, wenn ihm der Kaffee serviert wird.

Lackaffensprech für Sprechblasen absondernde Lackaffen in ihrer sprachlosen Lackaffenwelt.

"proaktiv" ist eine der weiteren vielen Blödheiten, die wir den Germanen zu verdanken haben. Macht nix, heute hat mir ein Piefkone gesagt, ich könnte, wenn ich etwas von ihm brauche, "einfach mal durchschreiben". Also liebe Bewerber, "einfach mal durchschreiben", dann kann nix passieren...

Das ist die logische Weiterentwicklung von "mal durchklingeln" für "anrufen".

das genauso blöd ist...sorry...

du kannst ihm ja etwas

durchwachsenes durchschreiben.

stimmt nicht

es gibt eben Leute, die gut kommunizieren koennen und solche die es schlechter tun.
Und es gibt viele Schnarchnasen, die sicher nicht hands-on sind sondern sich beamtenhaft von meeting zu meeting schleppen und nie entscheidungen treffen. Solche will man halt nicht und sagt dann im Job-Inserat Entsprechendes.
Wo ist das Problem?

Und solche

Schnarchnasen bewerben sich dann nicht, nur weil es in der Annonce steht? Oder muß man die Schnarchnasen erst beim Gespräch aussortieren? Wozu stehts dann in der Anzeige? Richtig. Als Füllwort, damit die Anzeige nicht ganz leer ist.

dieser tolle artikel ist ja auch gleich so super aussagekraeftig wie viele jobinserate

Es geht ja dann auch sinnentleert weiter - ich würd auch grad gerne wechseln, und mit einem recht gutem Job ist die Veränderung ja leichter zu suchen, dennoch: erste Runde mit der direkten Kollegin sehr ok, zweite Runde mit der Personalistin: steif, seltsam, ein Worthülsenklauben, eine unangenehme Geschichte. Ein "Bewerbungsgespräch-Sprech".
Dritte Runde folgt bald vor einem Plenum - bin schon gespannt, was da passiert.

Im Klartext heißt das: "Dampfplauderer suchen Nachwuchs"

Und was bedeutet eigentlich "sympathisch" und wer bestimmt das dann?

"sympathisch" bedeutet der HR-Abteilung und dem Chef "sympathisch"... die bestimmen das.

Was hätten Sie sonst vermutet?

"Wer sympathisch ist und wer nicht liegt im Auge des Betrachters, des zukünftigen Chefs oder der zukünftigen Chefin etwa."

schade dass sie nicht lesen können.

sonst hätten sie sich ihr sinnloses Posting glatt erspart...

Na sie sind ja ein angenehmer Zeitgenosse.

Erstmal danke f.d. freundlichen Worte...

...und: haben Sie einen anderen Artikel kommentiert als ich?

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