Musste europäischer Bankenaufsicht keinen Rekapitalisierungsplan mehr vorlegen
Wien - Die ÖVAG ist mit dem Verkauf der ihrer
Osteuropatochter VBI an die russische Sberbank "keine
grenzüberschreitende systemrelevante Bank mehr", teilte die
österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) am Freitag mit. Damit fällt die ÖVAG aus dem Regime der Europäischen
Bankenaufsicht EBA und hatte den Aufsehern in dem Fall keine
Rekapitalisierungspläne mehr vorzulegen.
"Wie die EBA bei der Veröffentlichung der Rekapitalisierungsdaten
ausdrücklich festgestellt hat, erfolgten die Berechnungen zur ÖVAG
lediglich pro forma, da sich diese Bank gerade in einem
tiefgreifenden Prozess der Restrukturierung und Überarbeitung ihres
Geschäftsmodells befindet", hieß es von der FMA. Em Ende dieses
Prozesses werde die ÖVAG nur mehr regional aktiv sein.
"Unser neues Geschäftsmodell heißt, dass wir uns auf den Kernmarkt
Österreich fokussieren", hieß es bei der ÖVAG. "Wir wollen unseren
Weg der Redimensionierung weitergehen, um die Kapitalquoten weiter zu
stärken." Nach EBA-Definition hatte die ÖVAG nach eigenen Angaben per
Ende September eine harte Kernkapitalquote von 5,5 Prozent
ausgewiesen, nach Abschluss des VBI-Verkaufs sollen es laut ÖVAG mehr
als sechs Prozent sein.
Die Volksbanker wollen den VBI-Deal mit den Russen Ende Jänner
unter Dach und Fach haben.
Mehr Eigenkapital ist die Devise
Europas Banken mussten bis heute ihren nationalen
Aufsichtsbehörden Pläne vorlegen, wie sie ihre Kapitallücken
schließen wollen. Die EBA verlangt bis 30. Juni eine harte
Kernkapitalquote von neun Prozent. Insgesamt fehlen den europäischen
Geldinstituten knapp 115 Milliarden Euro.
In Österreich mussten neben der ÖVAG vor allem die Raiffeisen
Zentralbank (RZB) und Erste Group bis heute an die FMA bzw.
Nationalbank (OeNB) melden. Die Erste Group braucht laut EBA 743 Millionen Euro, will die 9-Prozent-Quote bis Juni aber ebenso übererfüllen wie
Raiffeisen, wo die Kapitallücke dafür per Ende September bei 2,1 Milliarden Euro lag.
Nun kommt es zu einer "Erstevaluierung" durch die nationalen
Aufsichten, gegebenenfalls dann zu Diskussionen in
"Aufsichtscolleges" mit Schwesterbehörden, die Töchter der
Bankengruppen im Ausland beaufsichtigen, so ein FMA-Sprecher.
Letztendlich befindet dann aber das Board of Supervisors der EBA über
die Kapitalaufstockungspläne der Banken.
Die Bank Austria ist im österreichischen EBA-Anforderungskatalog
nicht enthalten, weil sie zu Italien (UniCredit) gezählt wird. Sie
hätte ebenfalls per September mit mehr als 10 Prozent hartem
Kernkapital die EBA-Vorgaben für Großbanken überschritten. (APA)