Finanzmarktaufsicht

ÖVAG ist bei VBI-Verkauf nicht mehr systemrelevant

20. Jänner 2012, 15:22

Musste europäischer Bankenaufsicht keinen Rekapitalisierungsplan mehr vorlegen

Wien - Die ÖVAG ist mit dem Verkauf der ihrer Osteuropatochter VBI an die russische Sberbank "keine grenzüberschreitende systemrelevante Bank mehr", teilte die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) am Freitag mit. Damit fällt die ÖVAG aus dem Regime der Europäischen Bankenaufsicht EBA und hatte den Aufsehern in dem Fall keine Rekapitalisierungspläne mehr vorzulegen.

"Wie die EBA bei der Veröffentlichung der Rekapitalisierungsdaten ausdrücklich festgestellt hat, erfolgten die Berechnungen zur ÖVAG lediglich pro forma, da sich diese Bank gerade in einem tiefgreifenden Prozess der Restrukturierung und Überarbeitung ihres Geschäftsmodells befindet", hieß es von der FMA. Em Ende dieses Prozesses werde die ÖVAG nur mehr regional aktiv sein.

"Unser neues Geschäftsmodell heißt, dass wir uns auf den Kernmarkt Österreich fokussieren", hieß es bei der ÖVAG. "Wir wollen unseren Weg der Redimensionierung weitergehen, um die Kapitalquoten weiter zu stärken." Nach EBA-Definition hatte die ÖVAG nach eigenen Angaben per Ende September eine harte Kernkapitalquote von 5,5 Prozent ausgewiesen, nach Abschluss des VBI-Verkaufs sollen es laut ÖVAG mehr als sechs Prozent sein.

Die Volksbanker wollen den VBI-Deal mit den Russen Ende Jänner unter Dach und Fach haben.

Mehr Eigenkapital ist die Devise

Europas Banken mussten bis heute ihren nationalen Aufsichtsbehörden Pläne vorlegen, wie sie ihre Kapitallücken schließen wollen. Die EBA verlangt bis 30. Juni eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent. Insgesamt fehlen den europäischen Geldinstituten knapp 115 Milliarden Euro.

In Österreich mussten neben der ÖVAG vor allem die Raiffeisen Zentralbank (RZB) und Erste Group bis heute an die FMA bzw. Nationalbank (OeNB) melden. Die Erste Group braucht laut EBA 743 Millionen Euro, will die 9-Prozent-Quote bis Juni aber ebenso übererfüllen wie Raiffeisen, wo die Kapitallücke dafür per Ende September bei 2,1 Milliarden Euro lag.

Nun kommt es zu einer "Erstevaluierung" durch die nationalen Aufsichten, gegebenenfalls dann zu Diskussionen in "Aufsichtscolleges" mit Schwesterbehörden, die Töchter der Bankengruppen im Ausland beaufsichtigen, so ein FMA-Sprecher. Letztendlich befindet dann aber das Board of Supervisors der EBA über die Kapitalaufstockungspläne der Banken.

Die Bank Austria ist im österreichischen EBA-Anforderungskatalog nicht enthalten, weil sie zu Italien (UniCredit) gezählt wird. Sie hätte ebenfalls per September mit mehr als 10 Prozent hartem Kernkapital die EBA-Vorgaben für Großbanken überschritten. (APA)

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