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vergrößern 800x296"Wenn ich nur an Marokko denke! Man könnte sagen, dass wir orientalisch wohnen." Haya Molcho und der Holzclown in Weidling bei Klosterneuburg.
Haya Molcho, Betreiberin des Restaurants Neni, umgibt sich gern mit Orientalischem. Wojciech Czaja besuchte sie und ihre zwei Wellensittiche in ihrem Haus in Weidling.
***
"Mein Mann Samy Molcho hatte damals eine wunderschöne Junggesellenwohnung in der Judengasse. Aber für mich war klar: Wenn ich schon nach Wien ziehe und hier eine eigene Identität aufbauen will, dann kann ich nicht in eine fixfertige Wohnung ziehen, dann müssen wir uns gemeinsam etwas Neues suchen. Irgendwer hat uns zugeflüstert, dass in Weidling, nicht weit von Klosterneuburg, ein süßes, zweistöckiges Haus aus dem Jahr 1917 zum Verkauf steht.
Damals, vor 30 Jahren, war die Straße hierher noch nicht asphaltiert. Die Fahrt von Wien war eine Weltreise. Und das Haus war abgefuckt und total verwüstet. Aber eines haben wir sofort gespürt: Das Grundstück hatte einen unglaublichen Charme, die Energie war in Ordnung. Samy und ich haben uns in das Haus sofort verliebt.
Es gab unglaublich viel zu tun. Jahrzehntelang wurde nichts in das Gebäude investiert. Es war de facto nicht bewohnbar. Es gab keine Heizung, die Elektrizität war kaputt, die Böden waren zum Teil eingebrochen, Fenster und Türen waren zerstört und so weiter. Wir haben sofort mit dem Umbau begonnen. Nachdem ich ein gut koordinierter Mensch bin und jeden Tag auf der Baustelle war, um die Handwerker zu quälen, war nach vier Monaten alles fertig. Bei mir muss alles zack, zack gehen.
Eingezogen sind wir mit Jaffa-Kisten. Das sind die ganz normalen Orangen-Steigen, wie sie vor den Ständen am Naschmarkt immer gestapelt sind. Die einzigen Möbel, die wir damals hatten, waren ein Tisch und ein paar Stühle aus Samys Elternhaus aus Israel. Die ersten Jahre haben wir sehr asketisch gelebt, erst nach und nach hat sich das Haus gefüllt. Ich bin überhaupt der Meinung, dass ein Haus viel Zeit zum Wachsen braucht. Ich kann mich erinnern: Als unsere vier Söhne noch klein waren, lagen überall Schuhe herum. Das ganze Haus war voller Schuhe. Man kann sich nicht vorstellen, wie viele Schuhe das waren! Aber das Haus hat gelebt.
Ich kann nicht nachvollziehen, wie Leute in eine fixfertige Wohnung ziehen können, die vom ersten Tag komplett möbliert ist, und dann nie wieder etwas daran ändern. Manche Wohnungen schauen nach 20 Jahren genauso aus wie am ersten Tag. Das ist wie vorprogrammiertes Totsein.
Am ehesten könnte man sagen, dass wir orientalisch wohnen. Die Lampen und kleinen Accessoires haben wir größtenteils am Flohmarkt gekauft. Und manche Möbel stammen von unseren Reisen, aus Indien, Thailand und Marokko. Marokko, Marrekesch, wenn ich nur daran denke! Die Farben, die Gerüche, die Souks, was für ein Land! Ich mag dieses gesellige Treiben am Markt, dieses quirlige Chaos. Ich glaube, das ist auch der Grund dafür, dass wir Wellensittiche haben. Sie zwitschern die ganze Zeit und bringen Melodie in den Alltag. Wir hatten schon alle möglichen Haustiere hier: Katzen, Mäuse, Schlangen.
Das Wohnzimmer ist, glaube ich, jener Ort, an dem sich im Laufe der Zeit am meisten verändert hat. Möbel werden hin- und hergeschoben, Stoffe werden ausgetauscht, Farben ändern sich. Ich könnte niemals in einem weißen Loft wohnen. In einem Lifestyle-Magazin ist das zwar schön anzusehen, aber zum Leben wäre mir das zu eintönig. Das bin nicht ich. Ich bin ein bunter Vogel. Im Augenblick haben es uns die warmen Erdfarben und knalligen Orange- und Pinktöne angetan.
Eines der Highlights in unserem Haus ist der Holzclown im Erker. Den habe ich Samy zu seinem 50. Geburtstag geschenkt. Und wie sich später herausgestellt hat, war das genau jene Skulptur, die er schon lange Zeit zuvor in dieser Galerie gesehen hat und die er immer schon haben wollte. Ich liebe solche Zufälle. Zufälle sind das Schönste überhaupt. Sie machen das Leben schön." (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21./22.1.2012)
HAYA MOLCHO, geboren 1955 in Tel Aviv, studierte Psychologie und Philosophie in Bremen. Seit 1978 lebt sie mit ihrem Mann, dem Pantomimekünstler Samy Molcho, in Wien. In den ersten Jahren begleitete sie ihn auf seinen Tourneen durch die Welt, wo sie regelmäßig Kochkurse absolvierte. 2000 gründete sie schließlich ein eigenes Catering-Unternehmen. Im März 2009 eröffnete sie das Lokal Neni am Naschmarkt und den Tel Aviv Beach am Donaukanal. Im Dezember 2010 folgte das Restaurant Neni im Zweiten. Ihre drei Söhne Nuriel, Elior und Ilan sind Miteigentümer des Betriebs, der vierte Sohn Nadiv lebt als Schauspieler in Los Angeles.
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Die Straße vom Kibutz in Klosterneuburg war noch nicht asphaltiert...
Das heisst die sind erst viel später draufgekommen, dass man auch die B14 - besser bekannt als Klosterneuburgerstraße nehmen kann - weil die war in den 70ern garantiert asphaltiert!
Biederer, leicht prätentiöser Standard bei gut situiertem Geldbörsel.
"Und hier *strahlendlächel* steht unser Clown". "AJaaaah, genau hihi..ja schööööön.
Was da "über Jahre gewachsen" sein soll, kann ich nicht nachvollziehen. Und: an diesem Tisch spielt sicher niemand Schach. Zumindest nicht ohne schmerzverzerrtem Gesicht. :-)
Man tut als ob und es sieht als als würde man tun als ob.
das haus ist in der feldergasse und dort sind sie von wien aus schneller als in der oberen stadt oder am niedermarkt (und im uebrigen ist die feldergasse seit ich sie kenne - und das sind mittlerweile mehr als 50 jahre - asfaltiert)
... hätte es heißen müssen, aber meine intelligente Tastatur hat daraus "Menu" gemacht.
Im übrigen freut es mich wenn Sie das Lokal an einem besseren Tag erlebt haben als ich, es gibt viele die das behaupten. MEINE Erfahrungen aus 2 Besuchen ist aber leider nur negativ.
@Wohngespräche: Wenn Frau Molcho nicht mit Herrn Molcho verheiratet wäre und keine Restaurants in Wien betreiben würde hätte auch niemand nach ihrer Wohnung gekräht, oder? Und die staubige Landstraße nach Klosterneuburg und/oder Weidling hat es in den letzten 30 Jahren nur gegeben, als dort der Kanal neu verlegt wurde. Aber es klingt natürlich so viiiiiiel interessanter.
Fazit: Die Frau ist ein Marketinggenie, aber mehr nicht.
Stimmt schon, ohne Lokal gäbe es kein Wohngespräch; aber es gibt sicherlich 1000e Lokalbesitzer, die ein Wohngespräch mit Hrn. Wojciech Czaja führen würden, welches dann im Standard erscheint(Werbung, ick hör Dir trapsen). So gesehen muss dann doch etwas dran sein an den "Nenis".
PS: Ich war noch nie in einem von Fr. Molchos Restaurants, soweit ich mich erinneren kann. Ist mir aber auch nicht so wichtig, da mir die Wohngeschichte gut gefällt.
Das Knotzi-Eckerl, Fr. Molcho, mit dem Schach-Spieltisch und dem Clown gefällt mir wirklich gut.
Bis der nächste Spiel-Zug "wohlüberlegt" ausgeführt wird, so stelle ich mir das jetzt vor, kann man ja in der Waagerechten genüsslich den grübelnden Gegner beobachten; oder zuschauen, wie die Zeit auf der anderen Seite des Fensterscheibe vergeht. ;-)
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