Protest

Aus für Megaupload: Benutzer gehen auf die Barrikaden

20. Jänner 2012, 14:58

"Das Internet interpretiert Zensur als Fehler und routet darum herum, sucht sich also neue Wege"

"Wir sind dem Justizministerium zutiefst dankbar", erklärte der amerikanische Verband der Musikindustrie (RIAA) nach dem Schlag des FBI gegen die Online-Plattform Megaupload. Auf den Servern dieses kommerziellen Portals wurden regelmäßig Kopien von urheberrechtlich geschützter Musik bereitgestellt. Doch während die RIAA sich noch freute, war ihr Webauftritt schon von empörten Megaupload-Nutzern lahmgelegt - und andere Anbieter stehen bereit, um die Lücke für den Datenaustausch zu schließen.

"Das ist wie bei einer Hydra"

"Das ist wie bei einer Hydra", sagt der Urheberrechtsexperte der deutschen Piratenpartei, Andreas Popp. "Schlägt man ihr einen Kopf ab, wachsen sofort andere nach." Die Razzia vom Freitag gegen Megaupload werde nur dazu führen, dass sich die Nutzer andere Wege suchen. "Das Internet interpretiert Zensur als Fehler und routet darum herum, sucht sich also neue Wege. Das hat man erst bei Napster gesehen, dann bei Kazaa und später bei Pirate Bay." Napster wurde in seiner ursprünglichen Form 2001 dichtgemacht, Kazaa folgte als kostenloses Angebot 2006, im gleichen Jahr gab es auch eine Razzia gegen The Pirate Bay.

"Es gibt bereits über 60 legale Dienste, da kann jeder denjenigen finden, der zu ihm passt"

Ja, es werde wieder andere solcher Dienste geben, räumt der Geschäftsführer des Bundesverbands Musikindustrie (BVMI) in Deutschland, Florian Drücke, ein. Aber Tatenlosigkeit sei keine Alternative. Und da Einrichtungen wie Megaupload und das bereits stillgelegte kino.to mit erheblicher Professionalität aufgesetzt worden seien, sei dazu auch einiger Aufwand erforderlich. "Wenn man solche Formen der organisierten Rechtsverletzung an der Wurzel fassen kann, dann ist das das Mittel der Wahl." Gleichzeitig werde das Angebot an legalen Internet-Diensten weiter ausgebaut. "Es gibt bereits über 60 legale Dienste, da kann jeder denjenigen finden, der zu ihm passt."

Megaupload stellte seinen Nutzern - nach eigener Werbung waren das rund 50 Millionen am Tag - Server zur Verfügung, auf die alle möglichen Dateien kostenlos hochgeladen werden konnten. Für bevorzugte Verbindungen beim Download der Daten kassierte das von Kim Schmitz (Kim Dotcom) gegründete Unternehmen Geld. Außerdem zeigte Megaupload Online-Anzeigen im Umfeld der Download-Links.

"Das war Wut ohne Ende, weil plötzlich ihre Plattform weg war, über die sie viele Sachen ausgetauscht haben"

Nach der Abschaltung der Server reagierten viele Nutzer empört. "Das war Wut ohne Ende, weil plötzlich ihre Plattform weg war, über die sie viele Sachen ausgetauscht haben", sagt der Netzaktivist Stephan Urbach von der internationalen Vereinigung Telecomix. Internet-Nutzer aus dem Umkreis der Anonymous-Bewegung brachten wenige Stunden nach der Razzia ihre Software-Kanonen in Stellung und überfluteten die Webserver der RIAA, des US-Justizministeriums und anderer Einrichtungen mit so vielen Datenanfragen, dass diese zumindest zeitweise lahmgelegt wurden. Die Beteiligung an diesen DDoS-Attacken (Distributed Denial of Service) sei ungewöhnlich groß gewesen, sagt Urbach.

"Er hat freie Dinge wieder unfrei gemacht"

Er selbst habe Megaupload nie genutzt, weil es dem Gründer Kim Schmitz immer nur ums Geld gegangen sei, kritisiert Urbach. "Er hat freie Dinge wieder unfrei gemacht."

Der Kölner Rechtsanwalt Christian Solmecke hält das Vorgehen der US-Justiz für problematisch, weil Megaupload-Nutzer nun auch nicht mehr an ihre legalen Daten gelangen könnten. "In dieser Hinsicht verhalten sich die US-Behörden, die die Plattform ohne Rücksicht auf Verluste dichtgemacht haben, gewissermaßen wie 'Wildwest-Sheriffs'."

Für die deutsche Piratenpartei ist das Vorgehen der US-Behörden ein Politikum. Wenn Megaupload auf rechtlich fragwürdige Weise genutzt worden sei, dann betreffe das nicht den Anbieter dieses Dienstes, sagt Popp im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. "Das wäre ähnlich, wie wenn der Vorstand der Deutschen Telekom verhaftet würde, weil ein Kunde der Telekom urheberrechtlich geschütztes Material über seinen Internet-Anschluss verbreitet."

Nutznießer der derzeitigen Urheberrechtssituation

Einrichtungen wie Megaupload sind aus seiner Sicht bereits eine Folge des verschärften Umgangs mit dem Urheberrecht im Netz: "Solche File-Hoster sind Nutznießer der derzeitigen Urheberrechtssituation, weil sich die Nutzer vom klassischen Filesharing (also dem direkten Datenaustausch mit anderen, Anm.) abgewandt haben, aus Angst vor Strafverfolgung." Megaupload habe ihnen als Mittelsmann gedient, wovon sie sich persönlich eine gewisse Sicherheit versprochen hätten. "Eine Liberalisierung des Urheberrechts würde dazu führen, dass die meisten dieser Dienste obsolet würden."

"Spätestens in fünf Jahren passt das komplette Musikrepertoire der Welt auf einen USB-Stick."

Die gegenwärtige Strategie der Interessenverbände von Rechteinhabern wird von vielen als aussichtsloses Rückzugsgefecht betrachtet. "Das wissen die auch", sagt Popp. "Spätestens in fünf Jahren passt das komplette Musikrepertoire der Welt auf einen USB-Stick." Der Kreativbranche bleibe keine andere Wahl, als Modelle zu entwickeln, die bewusst auf diesem Kontext aufbauten. Solche Konzepte werden derzeit unter dem Schlagwort Crowdfunding entwickelt: Hier legen die Nutzer von Inhalten im Internet zusammen, um von ihnen gewünschte Projekte zu finanzieren. (APA/dpa)

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Posting 1 bis 25 von 88
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peace & love
01
22.1.2012, 09:33
angesichts der SOPA-PIPA diskussion ...

... ging es den 'sheriffs' wohl um die kundendaten.

ertaunlich, was getan wird, um ein völlig obsoletes geschäftsmodell abzusichern.

wie dumm muss ein gesetzgeber sein, der einen erheblichen anteil seiner bevölkerung kriminalisiert, erinnert fast an die katholen.

Helmut71
00
22.1.2012, 07:02
naja

es gab und gibt ja bessere Alternativen: torrent, Newsgroups...

Fritz Meyer
11
22.1.2012, 07:44
Es "gab" bringt die Sache treffend auf den Punkt.

Helmut71
00
22.1.2012, 13:56

seit wann gibts keine NGs mehr? ^^

PinkPurpleBlue
00
22.1.2012, 00:09

die konkurrenz reagiert. fileserve zB hat still und heimlich ihr reward programm entfernt :/

no_milk_today
00
22.1.2012, 00:37

wusste ich doch, dass die alle eines hatten. filesonic und wupload auch nicht mehr

Taschenkalender
70
21.1.2012, 20:37
"Das Internet

interpretiert Zensur als Fehler"

"Das Internet" gibt es nicht, liebe Redaktion! Und wenn das Vorgehen gegen kriminelle Organisationen jetzt schon "Zensur" sein soll zeugt das nur von mangelndem Geschichtswissen

Fritz Meyer
01
22.1.2012, 07:39
Na, haben's Dich auch angeheuert?

Wann klagt Dein Verein eigentlich die Post an? Die transportieren ja auch allerlei Illegales.

aufgeklärtbisheiter
01
22.1.2012, 04:12

Nix verstanden. 5, Setzen.

no_milk_today
01
21.1.2012, 21:23

erklären sie mir bitte, was sie dann unter unzensierter freier meinungsäußerung verstehen. apa-artikel?

Taschenkalender
50
21.1.2012, 22:46
illegales Filesharing ist jetzt

freie Meinungsäußerung, ihr seid ja witzig!

PinkPurpleBlue
02
22.1.2012, 00:08

setz erstmal gewisse grenzen. heute ist es ein filehoster, morgen die unliebsame konkurrenz oder ein kritiker und irgendwann ist es einem gar nicht mehr erlaubt seine meinung zu äußern.

Taschenkalender
00
22.1.2012, 11:30
sinnlos zu "diskutieren"

no_milk_today
01
22.1.2012, 00:40

eben. alles fängt klein und harmlos an. doch einmal angefangen, ...
sie glauben doch nicht ernsthaft, daß es nur dabei bleibt [@ taschenkalender]?

Carlos Clementin
50
21.1.2012, 18:58

Megaupload hat Piraterie unterstütz und dabei auch noch saugut verdient.
Funktion: schnelles Download durch Zukaufen von Premiumaccounts - damit ist es ein Heelergeschäft.
Wer mit fremder Ware Geld buwusst verdient gehört eingesperrt.
Das Einkommen mit "freue Software "und Apps ist Nebensache und nicht erwähnenswert!

Rapidshare, Sharebixz etc etc alle auf gleichem Level

Arne Karlsson
05
21.1.2012, 22:22
Genausogut könnte man sagen:

Die Asfinag unterstützt Einbrecherbanden und verdient dabei noch saugut.
Funktion: schneller Transport durch Zukaufen von LKW-Mautboxen - damit ist es ein Hehlergeschäft.
Wer mit fremder Ware Geld bewusst verdient gehört eingesperrt.
Das Einkommen durch "Autobahnpickerln" (für PKW) ist Nebensache und nicht erwähnenwsert

Post, ÖBB etc., alle auf gleichem Level.

Sie schimpfen auf ein Transportmedium, dessen Einstellung durch willfährigr Behörden mein Recht auf die Anfertigung einer legalen Kopie für private Zwecke (auch von urheberrechtlich geschützten Werken) eingeschränkt!

Wolf X
00
21.1.2012, 19:39
Natürlich

hat MegaUpload den Vertrieb urheberrechtlich geschützter Inhalte bewusst unterstützt. Was Schmitz von Rapishare, Filesonic, etc. unterscheidet: MegaUpload hat Uploader dafür bezahlt, wenn sie besonders attraktive Inhalte auf den Server gestellt haben - das machen andere nicht.

no_milk_today
00
21.1.2012, 21:29

nicht mehr trifft es wohl eher. es muß etwas in der art gegeben haben, sonst wären nicht alle wie die verrückten dorthin und haben versucht, über referrer andere dorthinzubringen. es mag vielleicht anders geheißen haben, aber gegeben hat es vermutlich doch.

g *star
00
21.1.2012, 18:39
so nen stick hätt ich gern

Spaß ohne, denke dass er recht hat.. wenns auch nicht alle Musikstücke sein werden

arsen hitrach
00
21.1.2012, 10:00
"Spätestens in fünf Jahren passt das komplette Musikrepertoire der Welt auf einen USB-Stick."

2017, das komplette? Ich kann es mir echt nicht vorstellen.

grosser cooler Bär
00
22.1.2012, 10:19
Musikindustrie kopiert sich auch dauernd

Wenn man nur die brauchbare Musik wertet, so reichen 2TB mehr als.

harker
00
21.1.2012, 10:08

Es gibt bereits Sticks mit 2 TB. Wer weiß, wieviel wir 2012 hinbekommen. Und mit der richtigen Komprimierung schafft mans vermutlich heute schon ;)

runas /user:public\ivan
00
21.1.2012, 14:55
jo, genau, auf 2 tb:-)

bingoX
00
21.1.2012, 20:01

in fünf jahren gibts aber dann einen 10 tb stick. da geht dann schon einiges drauf. wobei es sich höchtwahrscheinlich auch mit 10 tb nicht ausgehen wird.

vielleicht entwickeln sie aber auch eine neue komprimiertechnik.

xray -
00
22.1.2012, 00:24

es ist müßig das vorauszuberechnen, es geht um's prinzip (der herr hat auch nicht gesagt wie teuer und groß der stick ist und wie die musik abgelegt ist, und von welchem repertoire er überhaupt spricht).

aber wenn wir heute bei 2TB sind, und sich das jedes Jahr verdoppelt, stehen wir in 5 Jahren bei 64TB. reicht doch noch nicht? dann warte 2 jahre, und wir stehen bei 256TB.
also stimmt die ausage im sinne von "irgendwann bald".

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