Schulden kaufen

Österreicher sollen patriotisch investieren

Daniela Rom, 20. Jänner 2012, 15:48
  • Artikelbild
    foto: apa - robert parigger

    Anlage-Entscheidungen sind schon schwierig. Vor allem in turbulenten Zeiten wie diesen. Die Grünen wollen nun auch der Bevölkerung österreichische Staatsanleihen schmackhaft machen.

Die Grünen wollen Banken, institutionelle Anleger und die Bevölkerung mit "sanftem Druck" zum Kauf österreichischer Staatsanleihen animieren

Schuldenbremse, Schuldenkrise und Standard & Poor's - drei S für Österreich. Staatsschulden lasten auf dem Land genauso wie auf der gesamten Eurozone und den USA. Ist Sparen auch das Gebot der Stunde, werden weiter Milliarden an neuen Schulden gemacht. Österreich nimmt 2012 voraussichtlich an die 30 Milliarden an den Finanzmärkten auf. Der Großteil davon wird über die Ausgabe von Staatsanleihen in die Kassen der Republik gespült.

Dabei zeichnen vor allem ausländische Investoren - nämlich zu 75 Prozent - Bundesanleihen aus Wien. Für Hans Arsenovic, Landessprecher der Grünen Wirtschaft Wien, muss sich das ändern. Im Gespräch mit derStandard.at betont er, dass vor allem bei den Institutionen wie Kammern und Pensionskassen Milliarden schlummerten, die eben in Staatsanleihen investiert werden könnten. Mit "sanftem Druck" oder "patriotischem Bitten" sollten die institutionellen Anleger in Österreich davon überzeugt werden. "Schließlich sitzen in den Finanzausschüssen Politfunktionäre, die bestimmen, was mit den Geldern gemacht werden soll", so Arsenovic. Mit Wirtschaftspolitikern aller übrigen Parteien führe man derzeit Gespräche, SPÖ, ÖVP, BZÖ und FPÖ hätten ebenfalls Interesse an der Idee gezeigt, sagt Arsenovic.

Der Grüne glaubt, mit einer Erhöhung des Anteils inländischer Investoren könne Österreich die Abhängigkeit von ausländischen Investoren und von den Ratingagenturen reduzieren. "Mit einem Schulterschluss könnte man von Staatsanleihen-Auktion zu Staatsanleihen-Auktion das Angebot überzeichnen. Damit würde auch das Zinsniveau niedrig bleiben", ist Arsenovic überzeugt. Außerdem sollen auch die Banken dazu verpflichtet werden, verstärkt in heimische Staatstitel zu investieren. 

Staatsanleihen für alle

Auch für die Bevölkerung will Arsenovic Staatsanleihen interessanter machen. Die Italiener haben es vorgemacht. "Wir kaufen unsere Staatsschuld zurück!", warb ein Finanzunternehmer aus der Toskana im November und Dezember vergangenen Jahres. Und die Italiener folgten in Scharen: An zwei "Staatsanleihen-Tagen" konnten sie ohne Bankprovision Papiere mit einer dreijährigen Laufzeit und einer Verzinsung von sechs Prozent kaufen. Gut 14 Prozent der immensen italienischen Staatsschuld von 1900 Milliarden Euro halten mittlerweile die Bürgerinnen und Bürger.

Ein Beteiligung, von der Österreich nur träumen kann. 2010 landete nur knapp ein Prozent der österreichischen Staatsanleihen in den Portfolios privater Haushalte im Inland. Staatsanleihen müsse man auch für Private attraktiver machen, glaubt Arsenovic. Das werde wohl nicht ohne Werbung gehen - eine Positiv-Kampagne muss für den Grünen her. Und auch die Banken sollte man mehr sensibilisieren und dazu bringen, ihren Kunden Staatsanleihen schmackhaft zu machen.

Einen ersten Schritt in diese Richtung machten am Freitag die Sparkassen. Dort denkt man laut der "Kleinen Zeitung" darüber nach, Anleihen stärker zu propagieren und die Kunden mit zumindest gesenkten Gebühren zum Kauf zu animieren. Wie Erste-Bank-Vorstand Thomas Uher am Freitag gegenüber der Austria Presseagentur sagte, gebe es noch kein fertiges Produkt. Die Zinsen für diese spezielle Anleihe müssten höher sein, die Platzierung im Inland und unter dem Privatpublikum müsse etwas wert sein.

Für die Raiffeisenlandesbank Niederösterreich-Wien (RLB NÖ-Wien) besteht für eine Sonderaktion zur Vermarktung von Staatsanleihen "keinerlei Notwendigkeit", wie der Chef der RLB Niederösterreich-Wien, Erwin Hameseder, in der "Kleinen Zeitung" erklärt. Auch die Bank Austria sieht derzeit keine Veranlassung, den Kauf von Staatsanleihen zu fördern. Bei der Bawag P.S.K. verweist man auf ohnehin günstige Konditionen: Staatsanleihen seien hier bei der Erstemission spesenfrei, am Sekundärmarkt liegen die Spesen bei 0,7 Prozent des Nominales. (Daniela Rom, derStandard.at, 20.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 291
1 2 3 4 5 6 7
Mostbluzza
00
23.1.2012, 15:22
dafür bekommts in 10 jahren

aber auch den leninorden von den dann herrschenden ö-ko-mmissaren.

in wirklichkeit weiss ja schon heute keiner mehr, wem was gehört (eigentum!) und was das (noch) wert ist ... in papier gerechnet.

amber103
01
22.1.2012, 16:44
Politiker nur noch mit Staatsanleihen bezahlen!

soviel Patriotismus darf man doch noch verlangen?

Steuern sind natürlich weiterhin in echten Geld zu zahlen. Die Politiker dürfen dazu ihre Anleihen an der Börse verkaufen. Dort sehen sie dann, was ihre Politik wert ist...

José Atento
00
23.1.2012, 08:59
Gute Idee!

"Die Politiker dürfen dazu ihre Anleihen an der Börse verkaufen."

Ja, aber erst nach mind. fünf Jahren Behaltedauer.
Da werden sie dann sehen, was sie wert sind.

SMichel
00
22.1.2012, 15:19

Wer darauf vertraut, dass Österreich seine gesamten Staatsschulden inkl. der Staatsanleihen JEMALS zurückzahlen wird (können), der kann das ja gerne machen. Ich hoffe, die Pensionskassen gehören nicht zu dieser Personengruppe, immerhin haben die ja schon genug Geld verjuxt!

José Atento
00
23.1.2012, 09:00
Pensionskassen

sind quasi per Gesetz verpflichtet all diese Schrottpapere aufzusaugen.

wer wenn nicht er
02
22.1.2012, 13:06
GUTE IDEE

Heute Anleihen mit 3% Zinsen und 10 Jahren Laufzeit kaufen, damit ist ja die Inflation ausgeglichen, weshalb man nach 10 Jahren wieviel mehr hat? NULL!!!! Tolles Investment.

Aber: Die bösen Kapitalisten sollen ja das Budget sanieren. Denn sie zahlen ja nur lächerliche 0,75% des obigen Zinsertrags KESt pro Jahr (schon haben wir nach 10 Jahren 7,5% Verlust gemacht).

Nun soll aber noch ein "moderater" Zinssatz von vielleicht 1% als Vermögenssteuer pro Jahr eingehoben werden. Somit hat der heimische Käufer österreichischer Staatsanleihen mit 17,5% Verlust zu rechnen, wenn er dieser Empfehlung folgt.

Die einzigen, die sich das leisten können, sind die Banken. Denn die trifft die Inflation nicht (da sie das Geld von Sparern veranlagen).

José Atento
00
23.1.2012, 09:02
3% ?

Sie können davon ausgehen, dass in 10 Jahren die Kaufkraft fast vollkommen vernichtet sein wird.

Oder denkt hier irgendwer ernsthaft, dass dieses Geldsystem noch 10 Jahre hält?

wer wenn nicht er
00
23.1.2012, 09:12
Kommt auf die Politik an, und wie sie mit den zwei Zukunftsproblemen Schuldenberg und Überalterung umgeht

Wenn die Budgets in Ordnung gebracht werden, und die Zinsen auf Staatsschulden von der EZB niedrig gehalten werden, hat das Geldsystem kein Ablaufdatum.

Das Problem ist, dass die Staaten Jahr für Jahr Schuldenberge auftürmen, die sie den Bürgern hinten rein stopfen (als Pension, Beamtengehalt, Sozialleistung, Förderung etc.).
Damit gibt es zu viel Geld, das zu Spekulationsblasen führt, z.B. haben wir derzeit einen raschen Anstieg der Immobilienpreise.

Dazu kommt das Pensionsproblem: Die Hälfte des gesamten Staates ist für Pensionisten da. Geld, das für Familien, Bildung, Forschung, Umwelt- und Klimaschutz und viele andere Zukunftsausgaben fehlt.

Wenn das Pensionsalter auf skandinavisches Niveau steigt, haben wir hier kein Problem mehr.

amber103
00
22.1.2012, 12:57
Bitte mit Vorbild voran…

alle GrünpolitikerInnen sollten doch bitte mit Hilfe von Hypotheken und Verpfändung ihrer Einkommen so hohe Kredite wie nur irgend möglich aufnehmen und mit diesem Geld gleich österreichische Staatsanleihen Kaufen. Mit Hilfe der dann möglichen Lombardkredite könnten sie dann nochmals kräftig Staatsanleihen kaufen.
Bitte mit Vorbild voran! Aber bitte noch gerne 1% Vermögensabgabe an das Finanzministerium überweisen. Soviel muss einen/r GrünpolitikerIn der Patriotismus schon wert sein!

José Atento
02
22.1.2012, 11:43
Haha, ist schon der 1.April?

Die GrünInnen haben immer absurdere Ideen.
Man hat doch dem Österreicher gerade mit der neuen Steuer auf Kursgewinne abgewöhnt Wertpapiere zu kaufen. Jetzt kaufen die Österreicher eben wie wild Immobilien.
Vor allem der Reformwille der Regierung ist doch überzeugend, oder?

Abgesehen davon, Staatsanleihen sind in allen Hochschuldenstaten in einer MEGA- Spekulationsblase, die in den kommenden Jahren mit einem MEGA- Knall platzen wird.
Viele Erfolg beim Kaufen dieser hoch riskanten Anleihen.

Mich würde nicht wundern, falls solche Dinge bald gefördert werden. Mich würde auch nicht wundern, wenn die Österreicher bald gezwungen werden, solche Schrottpapiere zu kaufen.

amber103
00
22.1.2012, 12:41

Der Staat verschafft sich sowieso schon gewaltige Vorteile bei der Geldaufnahme gegenüber Privatfirmen. (z.B. KEST, Keine Rücklagepflicht für Banken,...). Dadurch kann der Staat den Firmen die Geld für Investitionen brauchen, das Geld vor der Nase wegschnappen und mit sinnlose Konsumausgaben verschwenden, während bei den Investitionen von Privaten wenigstens eine positive Rendite erwartbar wäre. Aber den selben Euro kann man nur einmal ausgeben...

Wir brauchen auch dringend neue Steuern. Immerhin werden alleine 2012 die Ausgaben des Staates laut Budget um 9% ansteigen.

Sparen bedeutet beim Staat, dass dieser noch mehr Geld ausgeben will, und den Bürgern noch tiefer in die Taschen giert.

3dGeist
01
22.1.2012, 11:34
Wir sind doch nicht besser als die Griechen

Auch wir verschleiern unseres Schulden bis zum geht nicht mehr.
ÖBB und Asfinag sind nur die Spitze des Eisberg, die ausgelagerten Schulden der Länder und Gemeinden sind genauso aus den offiziellen Schulden herausgerechnet.
Aber auch die müssen irgendwann bezahlt werden.

Sugar for my honey
018
22.1.2012, 09:37
Mr. Sandman, bring me a dream...budumbumbum...

Noch vor einem halben Jahr, hätte man einem GrünInnen gegenüber das Wort "Patriotismus" in den Mund genommen, wäre es mit einem entrüsteten: "Wieso sollte man stolz auf die geografische Lage sein, oder das man zufällig hier geboren wurde??" quittiert worden.

Nuja, jetzt entdecken die mit Wirtschaftkompetenz gesegneten Grünen eben den Patriotismus, soll sein.

Ist ja auch nichts nahliegender als in heimische Staatsanleihen zu investieren, bei der Performance die unsere Regierung momentan hinlegt - in einen schlanken, effizienten, korruptionsfreien, reformfreudigen Staat zu investieren ist das Gebot der Stunde^^

1116er
10
22.1.2012, 08:31
sind es diesselben?

diesselben leute, die 24/7 über schulden, krise usw sudern und schimpfen.
und die sich jetzt über einen anleihenkauf lächerlich machen, weil zu gering verzinst, zu unsicher usw..

vermutlich eh nicht in der lage, nur einen cent aus dem alkohol-budget abzuzweigen.
im realen leben nicht ernstzunehmen.
foren- und stammtisch-kröten halt.

manchmal auch "echte österreicher" genannt...

mike sierra
13
21.1.2012, 23:48
da würde ich ja noch eher italienische Staatsanleihen kaufen

eine gscheite Verzinsung
ein kompetenter Premierminister mit Umsetzungsstärke
ein Parlament, das ein richtiges Sparpaket beschließt

einzig die aktuelle Schuldenquote und das Faktum, das sich die Kapitalmärkte bereits auf Italien eingeschossen haben, hindert mich daran

Otto Ottinger
 
05
21.1.2012, 21:25
Hans Arsenovic empfiehlt toxic assets!

Otto Ottinger
 
05
21.1.2012, 21:22
Wer Staatsanleihen kauft ist selber schuld!

?"Der Staat lügt in allen Zungen des Guten und Bösen; und was er auch redet, er lügt - und was er auch hat, gestohlen hat er's." Friedrich Nietzsche

und übrigens, just for the record: http://www.welt.de/finanzen/... crash.html

nicht dass dann wieder einer sagt er hätte doch von nichts gewusst.

José Atento
00
22.1.2012, 11:55

Sehr richtig,
im Ernstfall wird der Staat auf sämtliche Vermögen zugreifen, die greifbar sind. Und Immobilien sind sehr einfach greifbar, weil man sie eben nicht schnell monetarisieren und verstecken kann.

Als Landwirt konnte man im und nach dem Krieg ein Vermögen schaffen. Denn für Lebnsmittel konnte man damals fast alles kaufen. Vor allem waren in den Kriegswirren Sachwerte (Zinshäuser, Wohnungen) sehr günstig zu bekommen.

Otto Ottinger
 
00
22.1.2012, 14:43

das Grundstück auf dem unser Haus steht hat mein urgrossvater für eine gans und eine seite speck erstanden.

José Atento
00
23.1.2012, 09:09

Der Großvater eines Bekannten hatte damals ein ganzes Zinshaus in Wien (heute gute Lage) und eine große Wohnung, ebenfalls in Wien, als Landwirt gekauft. Das war damals wirklich möglich.

Heute sind Landwirte fast auschließlich EU- Almosenempfänger geworden. Doch die Zeiten werden sich vermutlich bald wieder ändern.

khaleb
03
21.1.2012, 21:02
eh- wieviele Staatsanleihen haben denn die GrünnInnen schon gekauft ?

Hathor36
02
21.1.2012, 20:55
Warum soll ein privater Staatsanleihen kaufen? Das macht doch eh schon längst die EZB!

Wie wir alle wissen, kauft die EZB zwar nicht direkt aber indirekt über diverse Mittelsmänner jeden Mist am Anleihenmarkt auf, ob spanische, portugiesische, italienische oder griechische Staatsanleihen. Da würde es ja auch nichts mehr ausmachen, wenn die EZB auch die österreichischen Anleihen aufkaufen würde und der österr. Bürger würde von dem Mist verschont werden.

Somit sind auch die ganzen Rettungsschrimchen überflüssig, da die EZB eh jeden Dreck aufkaufen wird.

José Atento
00
22.1.2012, 11:46

Und WER bezahlt dann das Drucken von Geld mit einem Wohlstandsverlust?

Oder hat die EZB das Perpetuum Mobile erfunden?

Hathor36
00
22.1.2012, 12:46
Wer das bezahlt? Ganz einfach: Sie und ich und alle anderen

und zwar über eine immer mehr ansteigende Inflationsrate! Ihr Vermögen wird so immer weniger wert. Gleiches passiert mit den Staatsschulden.
Im Endergebnis wird das ganze in der Hyperinflation enden. Und was dann passiert ist aus der Geschichte alles bekannt......

José Atento
00
23.1.2012, 09:14

Das Vermögen wird dann weniger wert, wenn sie das Geld auf dem Sparbuch liegen haben oder Wertpapiere halten.

Sachwerte werden zumindest den Wert behalten, wenn vielleicht der Preis auch temoprär fallen könnte.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 291
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.