2011

Deutsche Kollektivlöhne hecheln Inflation hinterher

20. Jänner 2012, 14:06

Tarifverdienste um durchschnittlich 0,3 Prozent geschrumpft

Berlin - Trotz des Aufschwungs ist die Kaufkraft vieler deutscher Arbeitnehmer einer Studie zufolge 2011 gesunken. Die Kollektivlöhne (Tarifdienste) stiegen mit durchschnittlich 2,0 Prozent langsamer als die Inflation mit 2,3 Prozent, hieß es in einer am Freitag veröffentlichten Studie des Tarifarchivs der gewerkschaftsnahen Hans-Boeckler-Stiftung. "Der unerwartet starke Anstieg der Verbraucherpreise hat die Tarifsteigerungen in vielen Branchen wieder aufgezehrt", sagte dessen Leiter Reinhard Bispinck. Real seien die Tarifverdienste um durchschnittlich 0,3 Prozent geschrumpft.

Durch den Rückgang der Kurzarbeit, mehr Überstunden und nicht tariflich geregelten Bonuszahlungen in manchen Betrieben und Banken stiegen die effektiven Bruttoeinkommen aber stärker als die Tarifverdienste. Hier lag das Plus bei 3,4 Prozent, so dass auch nach Abzug der Inflation noch ein Kaufkraftgewinn von 1,1 Prozent übrig blieb.

Wegen der Konjunkturflaute ist die Ausgangssituation für die Tarifrunde 2012 aus Sicht der Gewerkschaften ungünstiger als im Vorjahr. "Angesichts der absehbaren Abschwächung des Exports kommt jedoch einer Stärkung der Binnennachfrage in diesem Jahr eine besondere Bedeutung zu", sagt Bispinck. "Die Tarifpolitik hat deswegen nicht nur eine verteilungspolitische, sondern auch eine große konjunkturpolitische Verantwortung." Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr nur mit einem Wachstum von 0,6 Prozent, nach 3,0 Prozent im alten.

Verhandlungen stehen beispielsweise im öffentlichen Dienst, in der Metall- und Elektroindustrie sowie im Bankgewerbe, in der chemischen Industrie, in der Textil- und Bekleidungsindustrie, im Kfz-Gewerbe sowie im Hotel- und Gaststättengewerbe an. Verhandelt wird auch bei großen Unternehmen wie der Deutschen Telekom und Volkswagen. Die bisherigen Tarifforderungen bewegen sich zwischen fünf und sieben Prozent.

Die DGB-Gewerkschaften schlossen im alten Jahr Kollektivverträge für rund 9,2 Millionen Beschäftigte ab. Für weitere 7,4 Millionen Beschäftigte traten Erhöhungen in Kraft, die bereits 2010 oder früher vereinbart worden waren. (APA)

O5
20
20.1.2012, 18:45

0,3% Reallohnkürzung, Waaahnsinn, das ist ja gaaanz schrecklich.

Anaxagoras
00
20.1.2012, 17:28
Dabei muss man aber wissen, dass trotzdem die Kaufkraft...

...gestiegen ist, weil die Inflation in D erheblich geringer als bei uns ist und die Abgabenquote gesunken ist.

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