Verteidigungsminister glaubt weiter an kostenneutrale Umstellung auf Berufsheer - Schwedischer Amtskollege berichtet von "guten Erfahrungen"
Wien - Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) holt sich in Sachen Berufsheer Tipps aus Schweden. Er kündigte nach einem Besuch seines schwedischen Amtskollegen Sten Tolgfors am Freitag in Wien an, Experten des Bundesheeres in das skandinavische Land zu entsenden, die sich vor Ort über die schwedische Reform erkundigen sollen. Am kommenden Montag will Darabos seine Pilotversuche für ein Berufsheer präsentieren. Der Minister blieb heute bei seiner Darstellung, wonach eine Umstellung auf ein Berufsheer kostenneutral zu machen wäre.
Tolgfors sagte bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Darabos, dass die Reform in Schweden gut verlaufe. Für 3.500 offene Stellen gebe es 32.000 Bewerber. Der Frauenanteil sei auf 18 Prozent gestiegen und sei damit wesentlich höher als im alten System. Tolgfors bezeichnete die Berufsarmee auch als "ökonomisch sinnvoller", weil früher 70 Prozent der Soldaten nach kostenintensiver Ausbildung die Streitkräfte verlassen hätten, was jetzt nicht mehr der Fall sei.
Keine Kürzungen bei Umstellung
Gleichzeitig sagte der schwedische Minister aber auch, dass es bei der schwedischen Armee keine finanziellen Kürzungen gebe. Das österreichische Bundesheer ist dagegen mit Einsparungen von 600 Mio. Euro bis 2015 konfrontiert; und das könnte mit dem neuen Sparpaket sogar noch mehr werden. Dabei gibt Österreich für seine Verteidigung jetzt schon nur die Hälfte von dem aus, was Schweden in sein Militär investiert. Das österreichische Verteidigungsbudget beträgt mit rund zwei Mrd. Euro nur 0,6 Prozent des BIP.
Minister Darabos bleibt dennoch dabei, dass eine Umstellung auf ein Berufsheer kostenneutral zu machen wäre. Er verwies auf die Strukturreformen, die mit einer Umstellung einhergehen. Dass ein Berufsheer teurer wäre, wie Kritiker meinen, "sehe ich nicht so", sagte Darabos. Der Ressortchef ist auch überzeugt, genügend Freiwillige zu bekommen. Wenn es in Schweden einen Überhang von 90 Prozent gebe, "wird das auch bei uns gehen".
Österreich und Schweden fordern Militär-Kooperationen
Österreich und Schweden wünschen sich mehr militärische Kooperation auf EU Ebene. Diesbezüglich gehe in der Union "einiges zu langsam" voran, sagte Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) nach einem Gespräch mit seinem schwedischen Amtskollegen Sten Tolgfors in Wien. Thema des Treffens waren Möglichkeiten zur verstärkten militärischen Zusammenarbeit in Europa und zwischen Österreich und Schweden im Besonderen sowie die Abschaffung der Wehrpflicht in Schweden.
"Bilaterale Zusammenarbeit und Kooperation auf europäischer Ebene sind ein absolutes Muss, um künftigen Herausforderungen begegnen zu können", so Darabos. Angesichts der Budgetkürzungen in allen Ländern sei eine Zusammenarbeit in der Sicherheitspolitik wichtig und sinnvoll, betonten beide Minister. Darabos nannte konkret Kooperationen bei der Ausbildung, bei der ABC-Abwehr, bei Übungen und bei der Ausbildung von Spezialkräften. Man wünsche sich auch eine bessere Verwendung der Battle Groups. Diese schnell mobilisierbaren EU-Kampftruppen stehen zwar seit ein paar Jahren für Kriseneinsatze bereit, wurden bisher nie eingesetzt.
Darabos und Tolgfors sahen sich in dieser Frage und auch grundsätzlich "auf gleicher Wellenlänge", immerhin haben beide Länder als bündnisfreie Staaten einen "ähnlichen Background" und arbeiten auch seit Jahre zusammen. Diese Kooperationen sollen auch künftig bestehenbleiben und nach dem Prinzip "Pooling & Sharing" noch weiter ausgebaut werden. "Angesichts der angespannten Militärbudgets in ganz Europa müssen neue Wege der Zusammenarbeit ausgelotet werden", betonte Darabos. (APA)