ESA genehmigt Experiment an Bord eines ATV-Moduls - letzte Flüge für 2013 und 2014 geplant
Bremen - Offenes Feuer ist eigentlich nichts, was man an Bord eines Raumfahrzeugs haben möchte. Genau dazu soll es nun aber kommen - natürlich im kontrollierten Rahmen eines Experiments. Wie das Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) der Universität Bremen berichtet, hat die ESA grünes Licht gegeben, um den Rückflug eines "Automated Transfer
Vehicle"-Transporters (ATV) für einen entsprechenden Versuch zu nutzen.
Die unbemannten ATV-Transporter bringen Nachschub wie Nahrung, Wasser, Ausrüstung, Stickstoff, Sauerstoff und Treibstoffe zur Internationalen Raumstation. Beim Rückflug lässt man sie während des Eintritts in die Erdatmosphäre kontrolliert verglühen. Vor diesem finalen Flammentod darf nun aber in kleinerem Rahmen gezündelt werden, womit die bisherigen Brandschutzrichtlinien auf ihre Weltraumtauglichkeit getestet werden.
Besondere Umstände
Denn die Bedingungen in der Schwerelosigkeit verleihen Feuer andere Qualitäten als die, die wir hier gewohnt sind. Die heißen Abgase erfahren in der Schwerelosigkeit einer Raumstation keinen
Auftrieb. Eine geringe Luftbewegung gibt es dennoch, die durch die
Klimaanlage erzeugt wird. Die bisherige Forschung hat
gezeigt, dass die Bedingungen in einem Raumfahrzeug bzw. -habitat zu einer insgesamt schwächerem Flamme mit
deutlich geringerem Energieumsatz führen, dass aber andererseits auch der
Abtransport heißer Abgase reduziert ist. Insofern brennt eine Probe
zwar schwächer, aber örtlich heißer als auf der Erde und es besteht die
Gefahr, dass sich ein derartiger Brand lange unbemerkt über große
Flächen ausbreiten kann.
Das Experiment soll hier weitere Aufschlüsse bringen. Wichtig ist dabei auch, dass nach Ablauf des Verbrennungsexperiments die Triebwerke des ATV
noch sicher gezündet werden können, um einen korrekten Eintritt in die
Atmosphäre und damit ein sicheres Verglühen des Transporters zu
gewährleisten. Dieses Vorhaben wurde nun in einer Machbarkeitsstudie der
ESA als durchführbar eingestuft. Einen finanziellen Vorteil hat die Versuchskonstruktion überdies: Anstatt eine eigens dafür vorgesehene Mission konzipieren zu müssen, kann eine herangezogen werden, die ohnehin durchgeführt wird und kein zusätzliches Raumfahrzeug erfordert.
Da es noch einige Vorab-Tests braucht und das betreffende ATV-Modul mit einer Breitband-Datenverbindung ausgerüstet werden muss, ist allerdings Eile
geboten: Insgesamt sind inklusive des Starts der "Edoardo Amaldi" Anfang März nur noch drei ATV-Missionen geplant, von denen nur die
letzten beiden für das Projekt in Frage kommen. Geplant sind sie für 2013 und 2014. (red)