Causa de Vries

20. Jänner 2012, 18:54
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Eine Spitzenplatzierung der 2010 in Österreich entdeckten Skulptur blieb 2011 bloße Theorie

Sie hätte das Zeug zum Star gehabt, und doch blieb ihr diese Anerkennung verwehrt: jene Bronzeskulptur von Adriaen de Vries, die Christie's 2010 bei einer Routineschätzung in Oberösterreich entdeckte und die im Juli 2011 in London versteigert werden sollte. Offiziell waren die monetären Erwartungen auf umgerechnet sechs bis neun Millionen Euro beziffert worden. Inoffiziell spekulierte die Fachwelt auf ein Vielfaches, auf 20, wenn nicht 40 Millionen etwa Johann Kräftner, der aus seinem Interesse namens der Sammlung des Fürsten von und zu Liechtenstein kein Geheimnis machte.

Demgemäß wäre der 1626 ausgeführten mythologischen Figur - ob Herkules, Bacchus oder Dionysos, darüber herrschte bis zuletzt Rätselraten - eine Platzierung im Ranking der zehn höchsten Auktionszuschläge 2011 in London sicher gewesen (siehe Tabelle). Einerlei, denn die 109 cm hohe Skulptur musste wenige Stunden vor der Auktion zurückgezogen werden. Im Vorfeld war bekanntgeworden, dass die Statue zuvor einen Schlosshof im oberösterreichischen St. Martin im Innkreis zierte. Eine Herkunft, die STANDARD-Recherchen zufolge dem Bundesdenkmalamt (BDA) vom Antragsteller trotz mehrmaliger Urgenzen verschwiegen worden war. Relevant insofern, als das im Besitz der deutschen Familie Arco-Zinneberg befindliche Schloss St. Martin seit 1940 unter Denkmalschutz steht und die seit etwa 1700 dort den Hof zierende Bronze als Teil des Ensembles wohl ebenfalls. Die Ausfuhrgenehmigung wurde zurückgezogen und seitens des Ministeriums die Rückkehr der Statue angeordnet.

1200 reisewillige Kunstwerke

Seither befindet sich diese in Österreich, in sicherer Verwahrung und nicht an ihrem ursprünglichen Standort. Das Risiko, das wertvolle und nach all dem medialen Tamtam nun auch öffentlich bekannte Kunstwerk wieder im privaten Schlosshof zu platzieren, wollen die Eigentümer verständlicherweise nicht tragen. Der Verkauf scheint vorläufig kein Thema mehr zu sein.

Dass Ausfuhransuchen seit dieser Causa tendenziell negativ ausfielen, wie in der heimischen Branche hinter vorgehaltener Hand gemunkelt wird, bestreitet BDA-Präsidentin Barbara Neubauer vehement. Von den 1200 im Jahr 2011 gestellten Ansuchen - zu je 50 Prozent vom Kunsthandel sowie von Museen - habe man lediglich 13 die Ausreise verwehrt, bei weiteren fünf sei das Verfahren noch nicht abgeschlossen. (kron, DER STANDARD/ALBUM - Printausgabe, 21./22. Jänner 2012)

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