Ergebnis drehte maßgeblich durch Verkauf von Beteiligungen von minus 6,4 auf 20,6 Millionen Euro
Eisenstadt - Zu ihrer ersten Bilanz-Pressekonferenz haben am
Freitag die BEWAG-Vorstände Michael Gerbavsits und Reinhard Schweifer
eingeladen. Nach etwas mehr als einem Jahr in der Chefetage des
Energieversorgers zogen beide ein positives Resümee: "Nach drei
Jahren hintereinander, in denen die BEWAG Verluste verzeichnete,
haben wir ein sehr gutes Ergebnis erwirtschaftet", erklärte
Vorstandssprecher Gerbavsits. Das Ergebnis der Gewöhnlichen
Geschäftstätigkeit (EGT) betrage 20,6 Mio. Euro. Im Jahr davor wurde
noch ein Minus von 6,4 Mio. Euro eingefahren. Das Eigenkapital
bezifferte Gerbavsits mit 184,7 Mio. Euro. Die Eigenkapitalquote
wurde von 30,7 auf 37,2 Prozent gesteigert.
An die Eigentümer werden 11 Mio. Euro als Dividende ausgeschüttet,
was eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr bedeute. "Damals wurde
sie aus Rücklagen bedient. Jetzt werden wir das aus dem ordentlichen
Geschäftsergebnis machen", fügte Gerbavsits hinzu. Mit dem
vorliegenden Ergebnis sehen die BEWAG-Chefs den Konzern wieder "auf
Erfolgskurs".
Das Jahresergebnis sei durch die "sehr guten" Ergebnisse beim
Verkauf von Becom, B.Net Kroatien und dem Kabelfernsehen BKF positiv
beeinflusst, so Gerbavsits. Alle drei BEWAG-Beteiligungen wurden
entsprechend der geänderten Konzernphilosophie, sich auf das
Kerngeschäft im Energiebereich zu reduzieren, verkauft.
Dies habe auch Wertberichtigungen bei Biomasse und bei der
Windkraft in Osteuropa ermöglicht - somit in jenen
Geschäftsbereichen, die sich nicht so entwickelt hätten, wie man das
vor Jahren erwartet habe, räumte Gerbavsits ein. Hinsichtlich der
Kostenseite habe man natürliche Personalabgänge weitgehend nicht
nachbesetzt, Überstunden reduziert und Einsparungen im
Verwaltungsbereich vorgenommen.
Ein großes Vorhaben, das man sich vorgenommen habe, sei das
Herbeiführen der Energiewende im Burgenland. Binnen drei Jahren
sollen rund 350 Mio. Euro in den Windkraftausbau investiert werden.
Mit den zwei Enercon E 126-Anlagen, die über eine Nennleistung von je
7,5 Megawatt (MW) verfügen, werde ein neuer Windradtyp praktisch
marktreif gemacht, so Vorstand Schweifer. Die Windräder seien bereits
in Betrieb und fahren derzeit mit drei bis vier MW. Das Herantasten
an die tatsächliche Leistung werde noch einige Wochen dauern.
Rechnerisch werde man im Burgenland bis in zwei Jahren bei weitem
mehr Strom erzeugen, als verbraucht wird. "Wir werden ein
Stromexporteur werden", meinte Schweifer. Dazu werden knapp 70 Mio.
Euro in die Netze - für neue Leitungen und Umspannwerke - investiert.
Die Windverhältnisse seien - bei Schwankungen im Bereich von fünf bis
zehn Prozent - "relativ stabil". Bei Starkwind gebe es bereits einige
Tage, an denen bis zum Dreifachen des Stromverbrauchs produziert
werde.
Nichts Neues im Prozess gegen Ex-Vorstände
"Nichts Neues" gebe es hinsichtlich der Zivilprozesse, die
Ex-Vorstände Hans Lukits und Josef Münzenrieder gegen die BEWAG
angestrengt haben, berichtete Gerbavsits. Beide Verfahren wurden
vertagt, um Ermittlungsergebnisse der Staatsanwaltschaft abzuwarten.
Gegen die Vertagung legten sowohl die BEWAG als auch die Ex-Chefs
Rekurs ein. Eine Entscheidung stehe offenbar noch aus, erklärte der
Vorstandssprecher. (APA)