Gehaltsangaben: Nur gut gemeint

20. Jänner 2012, 17:18

Das Ziel, durch den gesetzlichen Zwang zur Angabe des Mindestgehalts in Stellenanzeigen Transparenz in den qualifizierten Arbeitsmarkt und sein Entlohnungssystem zu bringen, ist nicht erreicht

Zwar halten sich die meisten suchenden Firmen mittlerweile an die Gesetzesvorgaben, allerdings werden für hochwertige Positionen entweder die niedrigsten KV-Einstufungen veröffentlicht, die bei gehobenen Positionen ziemlich uninteressant sind (da findet sich ein "Geschäftsführer" einer ziemlich großen Firma mit Jahresbrutto 80.000 oder ein Bereichsleiter mit 650 Mitarbeitern sogar nur um knapp 23.000 Euro Jahresbrutto).

Oder es sind Bandbreiten "je nach Qualifikation" angegeben, die 100 Prozent Verhandlungsspielraum im Nebel signalisieren. Mit dem Anliegen der Schematisierung und Transparenz wird Schlitten gefahren. (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 21./22.1.2012)

Kommentar posten
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Aliage
00
24.1.2012, 11:57
Senkung der Durschnittsgehälter

Ich befürchte jedoch, dass dieser Pseudotransparenz - Unsinn die Durchschnittsgehälter weiter senken wird. Es gibt eben doch Bürger, die so verzweifelt einen Job brauchen, dass das kollektivvertragliche Mindestgehalt even doch "reingeht". Ich habe ein entsprechendes Beispiel in meinem Büro sitzen. Sie verdient das kollektivvertragliche Mindestgehalt. Keinen Cent mehr.
Wie gesagt, diese Maßnahme senkt die Durschnittsgehälter am Arbeitsmarkt.
Ich ärgere mich sehr über diesen sinnlosen Unsinn.

cleverconsumer
00
24.1.2012, 16:47
Geiz ist geil

Ja, leider ist das so.
Die Gehälter sind ohnehin ein Witz, gehen völlig an den Lebenskosten vorbei und an der Wertigkeit sehr gut qualifizierter Menschen.

keywords
00
23.1.2012, 16:13

also tschuldigung, no na.

ramos
00
23.1.2012, 15:40
Kein Wunder für dieses Schlittenfahren

der österreichische Kollektivvertrag lässt ja nichts anderes zu und die Gewerkschaft läßt ein modernes faires Gehaltssystem nicht auf ihre Altgenossenschafter los.

Nee-Chee
00
23.1.2012, 13:24
Gut gemeint

ist auch hier das Gegenteil von gut.
In Ländern, in denen man über sein Gehalt auch redet, werden selbstverständlich realistische Gehaltsangaben in Anzeigen gemacht.
In Österreich, wo keiner zugeben will, was er im Börsel hat, war ganz klar, dass die Firmen sich nach Möglichkeit um die Verpflichtung drücken.

RS69
 
00
23.1.2012, 16:08

In Österreich ist es nicht üblich, über Bezüge zu sprechen.

Wir haben auch keine dazugehörende Kultur, wo man Leuten sagen deutlich kann, warum ihre Leistung weniger Wert ist als die von jemand anderem.

Im günstigsten Fall haben's damit einen ok arbeitenden MA in die innere Kündigung getrieben. Wir haben nicht die Kultur von öffentlichen Leistungsbewertungen - wenn die Gehälter öffentlich sein sollen, müssen's auch die Stärken und Schwächen der MA aus Ihrer Sicht öffentlich diskutieren, damit das Entlohnungssystem transparent wird. Da sind's dann schon hart an der Mobbingklage, wenn's das wirklich tun.

Reich sein muss sich lohnen!
01
23.1.2012, 08:56
Das zu erwartende Gehalt ist eine der wichtigsten Informationen für den Bewerber überhaupt

In erster Linie geht man immer noch arbeiten, um Geld zu verdienen.
Es ist natürlich nicht sinnvoll, dass man den halben Bewerbungsprozess durchlaufen muss, bevor man an diese Information kommt.

Von daher ist es gut und richtig, dass das zu erwartenden Gehalt in den Stellenausschreibungen angegeben werden muss.

So kann man gleich Stellen ausschließen und spart sich den (nicht geringen) Aufwand einer Bewerbung.
Auch den Betrieben ist damit geholfen - sie müssen sich nicht mit Bewerbungen herumschlagen, die Aufgrund der nicht zu erfüllenden Gehaltsvorstellungen ohnehin zu keinem Eintritt geführt hätten.

RS69
 
00
23.1.2012, 09:43

Sie erfahren nicht das zu erwartende Gehalt, sondern das KV-Mindestgehalt für diese Art von Position.

Und wissen, dass der Speilraum dann enorm sein kann.

großgoscherter Zwerghamster
01
23.1.2012, 15:41
Dann kann man nur sagen: Ätsch, verloren!

Bei solchen Firmen bewerbe ich mich einfach nicht.

Wenn - wie im Artikel angeführt - ein toller Job angeboten wird und dann steht dort als Gehalt 23.000,- les ich gar nicht mehr weiter.

Wer das als HRM nicht kapiert ,wird genau jenes Personal erhalten, das er verdient.

So einfach ist's...

Aliage
00
24.1.2012, 11:56

Ich mache es auch so. Unlängst habe ich eine Stellenausschreibung für einen Chemiker mit EUR 1.300,-- (!!) bto /mnt entdeckt.

RS69
 
00
23.1.2012, 15:55

Auch das ist natürliche Auslese.

Mal sehen wie es sich entwickelt. Schlimmstenfalls kostet's dann eben die paar hundert Euro Strafe mehr pro Job.

Zurück zur Realität
02
23.1.2012, 08:44
Zielverfehlung

Mir stoßen bei dem neuen Gesetz vorerst mal zwei Punkte sauer auf:

1) Wenn ich ein Inserat lese in dem ca. 100 Punkte Anforderungen erwartet werden und dann eine viel zu geringe KV-Einstufung in der Angabe steht, ist es für mich (und auch für viele andere in meinem Umfeld) als Arbeitsuchenden nicht mehr von Interesse, egal ob eine Üüberzahlung angeboten wird oder nicht. Denn bei der is einfach nix fix.

2) Das Gesetz wurde außerdem auch dafür geschaffen die Einkommensschere bei Frauen und Männern zu verkleinern. Und genau das wurde, meiner Ansicht nach, nicht erreicht. Denn bei einem Job, bei dem Überzahlung angeboten wird, ist die Möglichkeit, Männern wie ich einer bin, mehr zu bezahlen nach wie vor gegeben.

ramos
01
23.1.2012, 15:43
Wie soll man ein Gehalt

in richtiger Höhe ankündigen. Der Kollektivvertrag schreibt vor, wie die Person eingestuft werden muß und wieviele Vordienstzeiten angerechnet werden müssen. Auf Baisis dieser Punkte ermittelt sich das Gehalt. Zusätzlich kann natürlich eine Zuzahlung stattfinden. Nur Bitteschön wer aus für Beamte kann so ein Gehalt schon im Vorfeld nennen?

Reich sein muss sich lohnen!
01
23.1.2012, 09:02

Letztendlich ist das Gehalt immer Verhandlungssache.
Die Angaben in den Inseraten geben hier schon mal, sinnvoller weise, den Spielraum vor (und man weiß schon mal, wie viel man mindestens bekommt).

Eine Gleichberechtigung kann man auf diesen Weg natürlich nicht erreichen. Das wäre imho nur möglich, wenn man per Gesetz fixe Gehälter vorschreibt - was imho aber nicht wünschenswert wäre.

noldman
00
23.1.2012, 12:45
Klar das Gehalt ist immer Verhandlungssache.

Aber ich verstehe die Unternehmen hier nicht. Die geben in meinem Bereich einen Mindestgehalt an, der in Wahrheit in Netto ausgezahlt wird, was da brutto angegeben wird.

Das Problem allerdings das ich derzeit mitkriege: Wegen der lächerlich geringen Verdienstangabe bewerben sich gute Neueinsteiger gar nicht mehr, sondern fragen bei anderen Firmen nach, die gar keine Announce veröffentlicht haben.

Die lächerlich geringen Angaben schrecken gute Bewerber einfach ab. Die Unternehmen werden schnell reagieren müssen und realistischere Angaben machen müssen, oder es bewerben sich halt nur noch Dillos.

RS69
 
00
23.1.2012, 16:03

Auch die Neueinsteiger werden lernen, das das KV-Mindestgehalt keinerlei bezug zum tatsächlichen Gehalt hat, gerade bei qualifizierteren Jobs in Branchen mit schlechtem KV.

RS69
 
00
23.1.2012, 09:42

Der Spielraum ist so nur nach unten begrenzt.

Und das war er bisher genauso.

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
00
23.1.2012, 08:18
Das Gegenteil von gut ist gut gemeint

Endlich kommt man auch hier drauf, dass diese ganzen Gehaltsangeben völlig für die Frösch' sind.
Und: Wieviele der Inserenten, die z.B. letzten Samstag im KURIER ihre Inserate nach wie vor ohne die unnötigen Gehaltsangaben geschaltet hatten, wurden bestraft? Bitte Zahlen veröffentlichen!

viil
14
22.1.2012, 10:38

Das Gesetz wurde ja auch von Leuten beschlossen, die keine Ahnung vom Leben abseits der Politik haben.

was ich immer schon sagen wollte ...
13
21.1.2012, 19:14
also wenn ich zb. fuer einen _qualifizierten_ it job mit projekt-verantwortung + -design/entwurfaufgaben (eindeutig st2, zumindest regel wennst selber in solchen dingen erfarhung hast :)

als mindestgehalt it-kv st1 einstieg lese, dann bewerbe ich mich gleich gar nicht.... von so einer niederen grundlage kommst auf keinen gruenen zweig.

denn das sagt imho viel ueber die wertigkeit des jobs im unternehmen aus.

und nochmal imho: wenn diese wapplerfirmen niemanden mehr finden, dann muessen sie mehr bieten ...

und solange die firmen in diesem bereich eher selten mehr bieten - offensichtlich bekommen sie fuer diese minimalgehaelter menschen - koennen sich standard-online und co den halbjaehrlichen ,,haenderingenden it-fachkraefte-gesucht-artikel'' einrecksen.

just my 0.02€

ramos
00
23.1.2012, 15:47
eindeutig ST2 oder üblich

das ist ein großer Unterschied. Dann gibt es noch andere Kriterien. Wie soll man da ein Gehalt im Vorhinein bekanntgeben? Das sind Wunschvorstellungen. die Arbeitssuchenden müssen sich halt damit abfinden, dass dies eine Schwachsinnslösung der Gewerkschaft ist um den Kollektivvertrag bekannt zu machen.

RS69
 
00
21.1.2012, 19:35

Warum?

Es gibt durchaus auch Jobs, wo Sie ein Stück mehr als das Doppelte des KV-Gehaltes bekommen - zb im KV Handel geht's ja kaum Anders.

Was da steht ist einfach nur dazu da, um den Anforderungen des Gesetzes genüge zu tun.

Michael B
212
21.1.2012, 14:50
Der Sinn ist, dass sich jede Firma LÄCHERLICH macht,

die für einen gehobenen Posten 23.000 Euro p.a. ausschreibt, und sich damit SELBER für jeden ernsthaften Interessenten disqualifiziert!
Und außerdem wird endlich das Gejeiere vom "Fachkräftemangel" als das enttarnt, was es in Wirklichkeit ist: als der Traum vom Osteuropäer mit Universitätsabschluss, der für 5,50 brutto pro Stunde die unverschämten Inländer ersetzt, die ein Gehalt ÜBER der Mindestsicherung zu verlangen wagen.
Man kann also mit dem Gesetz bisher im großen und ganzen recht zufrieden sein!

Maria Gugging
62
22.1.2012, 10:46

Tatsache ist, dass jeder ERNSTHAFTE Bewerber natürlich auch bei solch kleinen Ausgangsgehältern sein Interesse zeigen wird, da man ja weiß, dass nach oben hin kaum Grenzen gesetzt sind.
Wer sich darauf also nicht bewirbt, ist nicht wirklich als ernsthafter Bewerber zu sehen und damit für den Anbieter eher uninteressant. Ich will ja keinen Mitarbeiter, der nur wegend es Geldes bei mir arbeitet, sondern der auch Freude am Job hat ... und die wird gewöhnlich auch entsprechend belohnt.

violavioletta
 
00
23.1.2012, 11:39
mit der...

freude im job kann ich nicht meine fixkosten zahlen. und um das gehts ja wohl. können ja wohl kaum alle angestelltennunter der brücke schlafen und um mindestlohn fröhlich arbeiten. absurd!

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