Universitätsbericht

2029 soll es 16 Prozent mehr Studierende geben

20. Jänner 2012, 14:35
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Anteil deutscher Studierender soll weiter ansteigen - Betreuungsverhältnis verschlechterte sich erneut

"Wir haben es geschafft, den tertiären Sektor besser auszugestalten", sagt Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle betont hoffnungsfroh. Dabei enthält der Universitätsbericht, der am Freitag präsentiert wurde, nicht nur Positives, vor allem das Betreuungsverhältnis hat sich abermals verschlechtert. Auch die Finanzierung der Hochschulen könnte besser sein. Der Minister, beinahe ein Jahr im Amt, sieht hier jedoch eine Entwicklung zum Guten: "Der Trend zeigt, dass sich die Finanzierung konsequent steigert." Aber: "Diese Steigerung hält nicht Schritt mit der Steigerung der Studierendenzahl", ergänzt der ehemalige Rektor der Uni Innsbruck.

Der dritte Universitätsbericht fasst in elf Kapiteln die Entwicklung des universitären Sektors in den Jahren 2007 bis 2010 zusammen. Eigentlich spielt die Finanzierung der Hochschulen in dem 280 Seiten starken Bericht nur eine untergeordnete Rolle (die wichtigsten Eckpunkte finden Sie hier in Kurzform). Töchterle bezeichnet den Bericht als "Essenz". Bei der Präsentation wiederholte er seine Kernforderungen nach einer Studienplatzfinanzierung, mehr privaten Mitteln (ergo Studiengebühren) und weiterreichenden Zugangsbeschränkungen.

16 Prozent mehr Studierende

Die Misere der Hochschulen in den letzten Jahren fußt auch auf einer stetig wachsende Studierendenzahl. Man habe zwar nun bei den Maturantenzahlen den "Gipfel" erreicht, Töchterle hofft auf eine "Entspannung bei den Studienanfängern". Die Studierendenzahlen würden aber auch in den nächsten Jahren "permanent steigen".

Der Universitätsbericht geht in seiner Prognose für das Studienjahr 2029/30 von einer Zahl von insgesamt 385.494 Studierenden an den heimischen Universitäten, Fachhochschulen, Pädaogischen Hochschulen und Privatuniversitäten aus. Gegenüber dem Studienjahr 2009/10 würde das eine Steigerung von rund 16 Prozent bedeuten, damals absolvierten 331.109 Personen eine tertiäre Ausbildung in Österreich (siehe Grafik). Auf hohem Niveau soll sich indes die Zahl der Studienanfänger langfristig zwischen 64.000 und 66.000 einpendeln.

Anteil deutscher Studierender steigt weiter

Ansteigen wird jedoch auch der Anteil der 18- bis 21-Jährigen, die ein Studium beginnen. Anfang 2009/10 begannen schon über 60 Prozent eines Maturajahrgangs ein Studium, bis 20029/30 wird sich diese Zahl noch auf rund 70 Prozent erhöhen. Ansteigen wird auch der Anteil deutscher Studierender, sofern sich die Zugangsregeln nicht ändern. Im Studienjahr 2009/10 waren rund acht Prozent der Studierenden deutsche Staatsbürger, in den nächsten 20 Jahren soll der Anteil auf rund 13 Prozent ansteigen. Nicht inkludiert in diesen Zahlen sind jene Studierenden, die über ein Mobilitätsstipendium wie Erasmus an eine österreichische Universität kommen. Schon heute spricht der Generalsekretär des Wissenschaftministeriums, Friedrich Faulhammer, von einer "Überforderung" des Universitätssystems aufgrund der ausländischen Studierenden.

Verschlechterung des Betreuungsverhältnisses

Nach Jahren stark ansteigender Studierendenzahlen geht Töchterle von "dezent steigenden Zahlen" in den nächsten Jahren aus und rechnet somit mittelfristig mit einer Verbesserung der Betreuungsverhältnisse. In den drei Jahren, die der Universitätsbericht umfasst, hat sich neuerlich auch das Betreuungsverhältnis verschlechtert. Im Wintersemester 2010 kamen auf eine/n ProfessorIn 122,8 Studierende, auf eine Lehrperson entfielen 20,5 Studierende. Besonders gravierend ist die Lage an der Wirtschaftsuniversität Wien. Hier entfallen auf einen Professor 365,4 Studierende, an der Uni Wien waren es zum gleichen Zeitpunkt 224,6 Studierende, die sich einen Professor teilen mussten.

"Hier besteht eine wahnsinnige Streuung", sagt der Minister und verweist auf die Diskrepanz zwischen den Massenfächern und anderen Studienrichtungen mit besseren Betreuungsverhältnissen."Wenn wir das ausgleichen können, erreichen wir ein erträgliches Verhältnis", so Töchterle. An der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien entfielen auf einen Professor 14,5 Studierende, 4,6 Studierende teilten sich eine Lehrperson.

Auch angesichts der Betreuungsverhältnisse sprach sich Töchterle erneut für Zugangsbeschränkungen in besonders betroffenen Studienrichtungen und Studiengebühren aus. "Die Hoffnung stirbt zuletzt", sagt Töchterle. Die Hoffnung liegt in diesem Fall bei der SPÖ. (seb, derStandard.at, 20.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 71
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Damenräumlichkeit
00
23.1.2012, 10:54

also ich seh da jetzt auf den ersten blick noch 13 freie plätze auf dem bild. ist also noch raum für mehr.

Chris Lance
00
23.1.2012, 08:32

hach jaaa... töchterle sucht jetzt zwanghaft nach gründen zur einführung der studiengebühren, mit denen er der spö zuleibe rücken kann und dafür tun wir auch gerne ein wenig sternchen gucken und prognostizieren genauestens was sich in über einem jahrzehnt so alles tut. finde es langsam wirklich unheimlich nervig. hab nur das gefühl dass die spö bei ihren "geheimen" treffen wegen dem budget wieder durch einen dezenten kuhhandel umfällt. das kommt meiner meinung nach wie das amen im gebet... naja... österreich halt...

aculus populus
 
10
22.1.2012, 19:55
Sehr interessant...mal schauen:

- Akademiker werden zunehmend schlechter bezahlt
- Die Studiendauer wird aus bürokratischen/organisatorischen Gründen immer länger und langweiliger
- Die Universitäten werden zunehmend Geld verlangen
- Die Bevölkerung wird immer Älter
- Viele Studiengänge werden immer mehr praxisferner und allgemeiner in Zeiten der zunehmenden Spezialisierung...
und eine Studie will uns weis machen dass in 20 Jahren soll es 16 Prozent mehr Studierende geben???
Ich glaube eher an Studiengänge bei Firmen (mit Studiengebühren und direkt-Einstellung nach dem Studium)

beos
01
22.1.2012, 21:19

- Akademiker werden zunehmend schlechter bezahlt
Ja, jedoch im Vergleich zu anderen Berufsgruppen im Durchschnitt höher

- Die Studiendauer wird aus bürokratischen/organisatorischen Gründen immer länger und langweiliger
Das wäre mir neu

- Die Universitäten werden zunehmend Geld verlangen
Dadurch wird sich wohl auch der Wert des Abschlusses erhöhen ...

- Die Bevölkerung wird immer Älter
Ja

- Viele Studiengänge werden immer mehr praxisferner und allgemeiner in Zeiten der zunehmenden Spezialisierung...
das ist mir neu ..

Dadurch, dass es immer mehr Akademiker gibt, werden die Nachkommen auch meist wieder studieren. Soziales Erben.

Außerdem sollte der Arbeitsmarkt so angespannt bleiben, so ist ein Studium immer eine Alternative.

Der Steiner
01
23.1.2012, 23:51

Warum soll ein Abschluss mehr wert sein, nur weil man dafür bezahlt hat? Das würde ich schon gern wissen.

beos
00
24.1.2012, 00:57

Weniger Absolventen bzw. Teilnehmer, kleinere Gruppen, Studierende fühlen sich als Kunden und verlangen daher ua. auch von Experten auf ihrem Gebiet unterrichtet zu werden. Mehr Orientierung an Verwertbarkeit. Besseres Betreuungsverhältnis. Netzwerkmöglichkeit usw. Insgesamt vermutlich mehr Prestige, wenn genügend Stipendien und Förderungen vorhanden sind.

Ich meine damit nicht das dadurch zwingend mehr und besser vermittelt wird, bzw. das die Absolventen besser auf ihrem Gebiet im Durchschnitt sein müssen. Jedoch entsteht wohl idR ein Zwang auf das Renommee und die Verwertbarkeit zu achten, da Studierende dann wohl eher vergleichen und sich genauer überlegen wo sie studieren wollen.

Ich meine damit nicht Studienbeiträge wie bisher.

Got Your Nose!
00
22.1.2012, 22:12

kosten ist nicht gleich wert.
die dosenravioli schmecken nicht plötzlich nach kaviar auf handgebackenem, wenn man 500 euro dafür bezahlt.

frank_the_tank
00
21.1.2012, 10:20

Wenn die Politik weiter so macht, dann wird das 2029 eh unser geringstes Problem sein.

Chemist88
00
21.1.2012, 00:33
ähhhhhhh....

ja...klar!

bAuminger
13
20.1.2012, 20:02
Wir können nicht mal die geringste Ahnung von dem haben

was 2029 sein wird.

Loxoceles
01
22.1.2012, 20:05

Wir nicht, aber das Ministerium schon! Dort arbeiten nämlich ausschließlich Übermenschen.

molekühl
00
20.1.2012, 19:54

16% mehr Studenten bei gleichzeitigem starken Rückgang der entsprechenden Geburtsjahrgänge lässt für das Niveau nicht gutes hoffen.

Wenn man die Statistik noch ein paar Jahre fortschreibt, werden irgendwann 120% der Pflichtschulabgänger eine weiterführende Schule besuchen, und aus jedem Maturanten werden zwei Studenten.

Diskussion
01
22.1.2012, 07:04

Es gab einmal eine Zeit, in der ein Studium neben erworbenem Wissen auch eigenständiges Denken und Sich-Selbst- Organisieren bedeutet hat.

Die meisten BA-Studienpläne verhindern dies eher. Die Studierenden jagen den notwendigen Punkten nach, müssen froh sein, wenn sie in irgendwelchen ( nicht unbedingt den von ihnen gewünschten) Proseminaren einen Platz bekommen und werden dadurch daran gehindert, sich intensiv mit dem, was sie wirklich interessiert, selbständig auseinanderzusetzen.

Schon heute finden viele Universitätsabgänger keinen enstprechenden Arbeitsplatz. Wie soll das zukünftig werden?

Loxoceles
00
22.1.2012, 20:08

Es wird noch schlimmer werden.
Ein Management-Bürokratie-Denken hat Einzug gehalten und nimmt überhand. Was in diesem Denkmodell nicht vorkommt, darf es nicht geben. In diesem Denkmodell ist das Wichtigste die genau definierte "formale" Qualifikation. Ob die reale Leistung der Kandidaten dieser formalen Qualifikation entspricht, wird nicht berücksichtigt. Allfällige Unterschiede des Realen vom Formalen kommen in diesem Denkmodell nicht vor.

holzdieb
12
20.1.2012, 18:45

ich hätte gerne den wetterbericht auch vom jahr 2029. aber nur die wochenenden.

was ich immer schon sagen wollte ...
00
20.1.2012, 18:31
der gute toechterle ist nun unter die psychohistoriker gegangen, oder was?

ich meine: 17 jahre ...

kann sich wer an die zukunftsprognosen zb. der finanzmarkt gestuetzten rentenfonds von 2006 oder 07 erinnern? damals stand noch alles auf gruen/AAA/verkaufenverkaufen ...

und nun ... grad 5 jahre spaeter schauen die zusatzpensionistinnen durch die finger und die versicherungen haben jahrelang gut mit den leichtglaeubigen depp_innen verdient.

Loxoceles
00
22.1.2012, 20:09

Vielleicht werden die Produkte ja noch grün werden? Immerhin handelt es sich um Langzeitprognosen. Eine kurzfristige oder mittelfristige Abweichung um das 3-fache darf dem keinen Abbruch tun.

Erwin Wolfram
10
20.1.2012, 18:15
Auszug aus dem Bericht

ALLE 2 JAEHRINGEN SINT ZUR AKADEMISCHEN WISSENSCHAFTSERZIEHUNGK BEI DEN VOELKISCHEN aeh EUROPAEISCHEN FACHKRAEFTTTEN EINZUBERFUEN.

was ich immer schon sagen wollte ...
00
20.1.2012, 18:27
aaaahhh ... nicht sooo laut!!

lahmschlacht
31
20.1.2012, 18:13
Ich komme jetzt gerade vom Artikel über das Berufsheer hierher

...und frage mich gerade, ob es eigentlich EU-Konform wäre, dass unsere Universitäten als Aufnahmekriterium ein soziales Jahr verlangen. (Entlohnung wie Zivildienst, abgeleistet in einer österreichischen Sozialeinrichtung)

So würde die Problematik, dass es bei Abschaffung der Wehrpflicht keine Zivildiener mehr gibt, behoben (Ich hoffe jetzt mal, dass die Männer, die nicht studieren wollen, durch die Frauen, welche studieren wollen, ausgeglichen werden.) und gleichzeitig würden die EU-Bürger, die zu uns studieren kommen, dem Land, das ihnen diese Möglichkeit bietet, etwas zurückgeben. (Ja, ich weiß, dass sie uns sehr viel Geld bringen, aber ich finde, dass Geld nicht mit einer freiwilligen sozialen Leistung gleichzusetzten ist.)

m0nk
04
20.1.2012, 18:20
was ist sozial an lohndumping durch schlecht bezahlte zwangsdienste?

lahmschlacht
31
20.1.2012, 18:40

es wäre kein Zwangsdienst. Man könnte zum Beispiel als Ersatz für das nicht geleistete soziale Jahr, Studiengebühren verlangen.

Also:

Soziales Universitätensystem ohne Studiengebühren, dafür eine soziale Leistung für das soziale System.

Ich bekam während meines Zivildienstes über 600€, wovon ich ohne Probleme leben konnte.
Wer nicht mehr bei den Eltern wohnt bekommt, wie es jetzt schon üblich ist, eine Wohnung gestellt.
Außerdem ist ein soziales Jahr eine sehr wertvolle Erfahrung, die ich nicht missen will und jedem nur empfehlen kann.

m0nk
02
21.1.2012, 13:30
was ist sozial an lohndumping durch schlecht bezahlte zwangsdienste, von denen sich leute, die sichs leisten können, freikaufen können?

klingt doppelt unsozial.

lahmschlacht
20
21.1.2012, 15:18
Teil2

mir wäre auch lieber, wenn es ein perfektes soziales System geben würde, in dem jeder gratis studieren kann und gratis Gesundheitsversorgung in Anspruch nehmen kann, aber die Welt funktioniert leider nicht so.

Es ist auch nicht sozial zu verlangen, dass ich gratis Studieren darf, aber sich gleichzeitig zu weigern, der Gemeinschaft für dieses Privileg irgendetwas zurückzugeben.

Ich will, ich will, ich will funktioniert nicht, wenn man nicht bereit ist dafür etwas zu tun.

Ich bin offen für Kritik, aber würde dafür gerne auch Vorschläge hören, wie man diese Probleme sonst lösen könnte und nicht nur das übliche öster. Geraunze, dass soziale Leistungen gefälligst dazusein haben, ohne dass ich was dafür tun muss.

m0nk
00
21.1.2012, 16:55
unsoziale konzepte bleiben unsoziale konzepte. schönreden hilft da nichts.

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