Bisherige Regelung bleibt bis 2015 in Kraft
Genf - Die von manchen Ländern gewünschte Abschaffung der Schaltsekunde ist vorerst vom Tisch - Zeitexperten haben sich zum Abschluss ihrer Beratungen in Genf am Donnerstag nicht einigen können. 2015 wird das Thema erneut angegangen, bis dahin bleibt die bisherige Regelung in Kraft. Die Entscheidung bedürfe weiterer Studien, sagte Alan Jamieson, Vorsitzender der International Telecommunication Union (ITU) - Sektion Radiokommunikation.
Die Schalt- oder Extrasekunde geht zurück auf eine internationale Vereinbarung von 1972 und liegt in der Verantwortung des Internationalen Büros für Maß und Gewicht. Hintergrund ist die wachsende Diskrepanz zwischen dem gleichmäßigen "Ticken" der Atomuhren, auf denen die Koordinierte Weltzeit (UTC) beruht, und dem nicht ganz so gleichmäßigen Tag-Nacht-Zyklus, der unsere Zeiteinteilung in der Praxis bestimmt. Dass dieser Zyklus sich ändert, liegt an der sich verlangsamenden Erdrotation: Gezeitenreibung hat die Drehung unseres Planeten im Lauf der Zeit abgebremst. Ursprünglich dauerte ein Tag auf der Erde zwischen sechs und vierzehn Stunden. Die Bremswirkung durch die Gezeiten hat den Tag in den folgenden Jahrmilliarden kontinuierlich - aber keineswegs immer im gleichen Ausmaß - ausgedehnt.
Seit dem Beschluss vor 40 Jahren und der Annahme der Koordinierten Weltzeit wurden bisher 24 Schaltsekunden eingefügt, die bisher letzte zum Jahreswechsel 2008/09. Kritiker der Regelung führen vor allem an, dass weltweit Computer manuell nachgeregelt werden müssen: Ein kostspieliges Unternehmen, das zudem fehleranfällig ist. (APA/red)