Sicherheit für alle

20. Jänner 2012, 16:43
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Elektronik soll den Verkehr sicherer machen und tut dies in der Regel auch. Allerdings ist die Ausstattung nicht bei jeder Fahrzeuggruppe gleich

Seit 1. November 2011 müssen alle neu typisierten Personenwagen per Gesetz ein elektronisches Fahrdynamik-Regelsystem (bekannt unter dem Markennamen ESP) serienmäßig an Bord haben. Es wird so zwar noch wenige Jahre dauern, bis alle Autos in den Auslagen tatsächlich mit der elektronischen Schleuderunterdrückung ausgerüstet sind, aber der Trend ist da.

Die Elektronik soll den Verkehr sicherer machen und tut dies in der Regel auch. Doch die Autoindustrie schenkt uns das nicht. So ist etwa eine große Fahrzeuggruppe, auf die die Konsumentenschützer und Autofahrerclubs nicht so hinschauen, sicherheitstechnisch noch mager ausgerüstet: Bei den Kleintransportern, also den hinten verblechten Kleinwagen bis hin zu Kleinbussen, wird nach wie vor weggelassen, was man nicht unbedingt zum Fahren braucht, da bleibt vielfach nur mehr der Fahrerairbag übrig. ESP gibt es sowieso oft keines, nicht einmal gegen Aufpreis. Logisch: Das Unternehmen, das so ein Auto anschafft, kauft nach dem Preis, und der Fahrer wird ohnehin nicht gefragt.

Das Geld holt sich die Autoindustrie aber bei seinem Chef. Er entscheidet selbst über die Ausstattung seiner Limousine und tut sich damit etwas Gutes, und über Umwege auch anderen: Er finanziert nämlich die teure Entwicklung voraus. ESP gab es ja erstmals auch in einem luxuriösen Mercedes der S-Klasse, in der A-Klasse kam es erst serienmäßig, als diese beim "Elchtest" umfiel.

Heute gibt es teure radarbasierte automatische Systeme zur Geschwindigkeitsregelung, mit deren Hilfe man auf der Autobahn sich bei Vorausfahrenden "einhängen" kann. Der wahre Fortschritt liegt aber weniger im Abstandstempomat als vielmehr darin, dass die meisten dieser Einrichtungen eine automatische Notbremseinrichtung enthalten (auf Basis teurer Radartechnologie), die Unfälle verhindern, zumindest aber die Folgen deutlich mildern kann.

So etwas Ähnliches gibt es übrigens sogar schon beim kleinsten VW, nämlich dem up!. Die City-Notbremse basiert auf Kameratechnik, funktioniert zwar nur bis 30 km/h, ist aber sozusagen gratis, also serienmäßig, schon beim billigsten Modell. So rutscht Fortschritt nach unten. (Rudolf Skarics/DER STANDARD/Automobil/21.01.2012)

  • Das Geld holt sich die Autoindustrie beim Chef.
    foto: daimler ag

    Das Geld holt sich die Autoindustrie beim Chef.

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