Krankheitsdauer verkürzt sich um rund einen Tag

Der Einsatz von Grippemedikamenten zeigt bei Kindern nur moderate Wirkung - Komplikationen werden reduziert

Boston/London (APA) - Ursächlich gegen Influenza A-Viren wirksame Arzneimittel können offenbar die Häufigkeit von Komplikationen reduzieren. Bei Kindern haben sie einen moderaten Effekt mit der Verkürzung der Symptomdauer um rund einen Tag. Das geht aus zwei Studienanalysen hervor, bei denen bereits durchgeführte wissenschaftliche Untersuchungen erneut systematisch ausgewertet wurden.

Rund um die Frage, wie wirksam die beiden Arzneimittel mit sogenannten Neuraminidase-Hemmern (Oseltamivir/Tamiflu und Zananmivir/Relenza) wirklich sind, darüber gibt es seit Jahren Streit unter den Experten verschiedener Fachrichtungen. Der Wiener Chemotherapeut Wolfgang Graninger, von der Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien am AKH, sagte dazu im Jahr 2002 beispielsweise bei der Vorstellung von Tamiflu: "Die Krankheitsdauer wird um rund zwei Tage gesenkt. Insgesamt kommt es zu einer 40-prozentigen Verringerung der Symptome. Die Rate der Sekundärkomplikationen wird um 55 Prozent verringert." Voraussetzung für eine optimale Wirkung ist jedenfalls, dass das Arzneimittel möglichst früh eingenommen wird, längstens binnen 48 Stunden auf Auftreten der Influenza-Symptome.

Noch mehr Verwirrung

Später tauchten - mit deutlicher Kritik an den Herstellern und ihren Studien - Zweifel auf. Sogenannte Meta-Analysen, bei denen alte Daten zusammen gefasst und neuerlich analysiert werden, sollten ein breiteres Bild bieten. Doch die erzeugten noch mehr Verwirrung: In der ersten Auswertung von zehn Studien ergab sich ein deutlich positives Bild. Die Autoren belegten eine Reduktion von auf Influenza nachfolgenden Pneumonien mit Antibiotika-Bedarf um 55 Prozent. Autoren des sogenannten Cochrane-Netzwerkes wiederum schieden in einer zweiten, nachfolgenden Analyse acht der zehn Studien aus. Die Daten aus den restlichen Untersuchungen zeigten ihnen zufolge zwar eine um 45 Prozent verringerte Komplikationsrate von Influenza-Infektion bei einer Behandlung mit Tamiflu. Doch für einen statistisch signifikanten Effekt reichte offenbar die Datenmenge nicht aus.

Die Autoren Miguel Hernan und Marc Lipsitch einer vor kurzem in "Clinical Infectious Diseases" veröffentlichten Studie von der Abteilung für Epidemiologie der Harvard School of Public Health (Boston) haben in ihrer Meta-Analyse die Daten von insgesamt elf wissenschaftlichen Untersuchungen zusammen gelegt und zusammen noch einmal ausgewertet. Das geschah mit finanzieller Unterstützung der Nationalen US-Gesundheitsinstitute (NIH).

Influenza-Medkamente bei Kindern

Deren Verdikt spricht wieder für einen statistisch signifikanten positiven Effekt. "Eine unabhängige Re-Analyse von elf randomisierten (Probanden per Zufall ausgewählt, Anm.) klinischen Studien, dass eine Oseltamivir-Behandlung die Gefahr von Komplikationen der unteren Atemwege, bei denen Antibiotika verabreicht werden müssen (speziell Pneumonien, Anm.) insgesamt um 28 Prozent verringert, um 37 Prozent bei Patienten, bei denen die Influenza auch per Laboruntersuchung bestätigt war.

Eine brandneue Analyse der Cochrane Collaboration (18. Jänner), einem Netzwerk, das mit Überblicksarbeiten zu klinischen Studien nach eigener Aussage für mehr Objektivität sorgen will, beschäftigt sich mit den Influenza-Medikamenten bei Kindern. Darin schreiben die britischen Autoren: "... die Behandlung mit Neuraminidase-Hemmern war nur mit mit einem moderaten klinischen Nutzen bei Kindern mit bewiesener Influenza verbunden." Die Krankheitsdauer hätte sich um rund einen Tag verkürzt.

Je nach Studie betrug demnach die Reduktion der Dauer der Symptome zwischen eineinhalb Tagen (um rund ein Viertel - statistisch signifikant) und nur rund zehn Stunden. Fast um drei Tage verkürzte sich allerdings die Krankheitsdauer bei Kindern mit Influenza, wenn die Erreger gegen Tamiflu bereits resistent waren und die Therapie mit dem anderen Medikament erfolgte.

 

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