Schlechtwetter verhindert Super-G in Kitzbühel

  • Auch ohne Rennen: der Rummel bleibt.

Aussichten für Abfahrt am Samstag sind etwas besser - Hoffen auf ein Wetterfenster ohne Regen und Schnee und einen fairen Wettkampf

Kitzbühel - Anno 2007 war es der schlimme Kyrill, ein Orkan, der die Streif zerstörte, indem er mit seinen Plusgraden den extra vom Großglockner herbeigekarrten Schnee aufgefressen hat, den Kitzbühelern aber immerhin gestattete, zwei Slaloms abzuhalten.

Anno 2012 kam der Schnee freiwillig nach Kitzbühel, und dennoch wurde der Freitag zum Versicherungsfall. Regen in der Nacht, Schnee am Tag, der Super-G musste storniert werden.

Anno 2003 wurde der Super-G am Montag nachgeholt, auf dass Hermann Maier im Schneeregen seinen legendären Comeback-Sieg nach dem Motorradunfall geben konnte. Anno 2012 ist der Montag ganz sicher keine Option. Hermann Maier ist zwar zugegen, fährt aber keine Skirennen mehr. Zudem haben sich die Zeiten auch in anderer Hinsicht geändert. An einem Montag würden wohl nicht allzu viele TV-Stationen von den Heldentaten auf der Streif künden, was zu kräftigen Abschlägen bei den Sponsorbeträgen führen würde.

Afghanistan und Zimbabwe

6,2 Millionen Euro waren für die drei geplanten Rennen budgetiert. TV-Übertragungsrechte und Sponsoren sorgen in etwa zu gleichen Teilen für fast 80 Prozent der Einnahmen. Rund 20 Prozent werden durch den Verkauf von Eintrittskarten gedeckt. Als Versicherungssumme wird eine Million Euro kolportiert. Rein theoretisch können sich Menschen in mehr als 200 Ländern an den Rennen ergötzen. Für 7,50 Euro ist erstmals ein Live-Streaming-Paket zu haben, von Afghanistan bis Zimbabwe, in Österreich allerdings nicht.

Seit Mitte Dezember des Vorjahres, seit quasi als Vorhut des Himmels die Schneekanonen zu schießen begannen, arbeiten sie auf der Streif. Und seit zweieinhalb Wochen, erzählt Rennleiter Peter Obernauer, mit vollem Einsatz. Zunächst waren 220 Personen damit beschäftigt, die Piste zu präparieren und die Sicherheitseinrichtungen wie Zäune, Netze und Matten zu installieren. Allein für die Zäune müssen jährlich 8000 Befestigungsstangen eingeschlagen werden.

Am Mittwoch, dem strahlenden Tag des zweiten und letzten Abfahrtstrainings, war die Piste perfekt, 50 bis 80 Zentimeter dick, größtenteils mit dem Sprühbalken, der Wasser in den Schnee injiziert, stabilisiert. "So perfekt", sagt Obernauer, "werden wir sie nicht mehr hinbringen, "aber sie wird hoffentlich gut genug sein, um allen Läufern faire Bedingungen zu bieten."

Seit Donnerstag sind viele Maschinen und rund 500 Menschen am Berg beschäftigt, nicht gleichzeitig, sondern in Schichten. Darunter sind Mitglieder des Kitzbüheler Skiclubs, der Bergbahnen, Freiwillige und 150 Bundesheer-Soldaten, Gebirgsjäger aus Lienz. Mit 14 von Hand geführten Schleudern versuchen sie, den Schnee, den hier nun wirklich keiner mehr braucht, von der so schön präparierten Rennpiste zu befördern.

Klammer und Cuche

Abgesehen davon wird die Abfahrt, so sie am Samstag stattfindet, "bei der Steilhang-Ausfahrt entschieden", wie Franz Klammer ganz genau weiß, schließlich hat er sie viermal für sich entschieden. Wie Didier Cuche, der zum letzten Mal die Chance hat, zum alleinigen Rekordler aufzusteigen. "Ich werde befreit drauflosfahren", sagt Cuche, dem die Erklärung seines Rücktritts mit Saisonende diese Befreiung verschuf. "Ich muss nicht gewinnen, ich darf gewinnen." 70.000 Euro ist der Sieg an offiziellem Preisgeld wert, die Nebengeräusche wie Sponsor- und Ausrüsterprämien sind noch deutlicher.

Hirscher und Kostelic

Am Sonntag jedenfalls wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Slalom am Ganslernhang gegeben. Die bisher sechs einschlägigen Saisonrennen machten sich Kroatiens Ivica Kostelic, der amtierende Gesamtweltcupsieger, und der Salzburger Marcel Hirscher, der aktuell Führende, untereinander aus. Jeder gewann drei Stück.

Hirscher, der zuletzt in Wengen einfädelte: "Am Sonntag warten wieder 120 Fallen. Und jede davon kann zuschnappen." Der Slalomsieger lukriert ebenfalls 70.000 Euro. Und dem Kombi- und also wirklichen Hahnenkammsieger winken 50.000. (DER STANDARD, Printausgabe 21.1. 2012)

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