Politiker soll sie jahrelang betrogen haben - In einem Interview zweifelt sie moralische Integrität an - Gingrich: "Vollkommen falsch"
Washington - Delikate Bekenntnisse einer seiner beiden
Ex-Frauen bringen den republikanischen US-Präsidentschaftsbewerber Newt
Gingrich in die Bredouille. Zwei Tage vor der nächsten Vorwahl im
US-Bundesstaat South Carolina veröffentlichte der TV-Sender ABC am
Donnerstag Ausschnitte eines Interviews, in dem Marianne Gingrich
berichtet, wie ihr früherer Gemahl sie um eine "offene Ehe" gebeten
habe. Der Ex-Sprecher des Repräsentantenhauses soll sich Ende der
1990er-Jahre um eine Vereinbarung mit ihr bemüht haben, um sowohl
seine damalige Affäre als auch die Ehe fortführen zu können.
"Er wollte eine offene Ehe, und ich habe das abgelehnt", sagte
Marianne Gingrich in der ABC-Sendung "Nightline", die am
Donnerstagabend ausgestrahlt wurde. Sie erzählte, wie
"schockiert" sie über das Verhalten ihres damaligen Manns gewesen
sei. Sechs Jahre habe dieser sich heimlich mit der mehr als 20 Jahre
jüngeren Kongress-Mitarbeiterin Callista Bisek getroffen, darunter
"in meinem Schlafzimmer in unserem Apartment in Washington". Jeden
Abend habe er sie angerufen und zum Abschied "Ich liebe dich" gesagt,
sagte Marianne Gingrich. "Tja, sie (Callista) hat das mitgehört."
Die Ex-Frau berichtete demnach weiter, dass Gingrich die Scheidung
eingereicht habe, kurz nachdem bei ihr die Nervenerkrankung Multiple
Sklerose festgestellt worden sei. In einem weiteren Interview mit der
"Washington Post" sagte Marianne Gingrich, dass sie an die
Öffentlichkeit gehe, weil der republikanische
Präsidentschaftsbewerber ein falsches Bild ihrer Ehe verbreite. So
habe der Politiker sie als "böse, schreckliche Person" dargestellt.
Er: "Falsch"
Newt Gingrich sagte dem TV-Sender NBC, die Berichte seien
"vollkommen falsch". Der Republikaner warf ABC vor, "in Familienangelegenheiten
einzudringen, die mehr als ein Jahrzehnt her sind". Die Details wolle
er nicht kommentieren. "Ich bin mit den großen Themen, die das
amerikanische Volk betreffen, befasst", sagte er. Die Wähler "werden
über mich urteilen müssen". Gingrich hofft, bei den Vorwahlen am
Samstag in South Carolina den Siegeszug seines Rivalen
Mitt Romney noch aufhalten zu können. Dabei setzt er vor allem auf
die Stimmen aus konservativen Wählerschichten.
Gingrichs damalige Affäre Callista Bisek ist mittlerweile seine
dritte Frau. In erster Ehe war Gingrich fast 20 Jahre lang mit Jackie
Battley verheiratet. Als die Ehe im Jahr 1980 in die Brüche ging,
soll er eine Affäre mit seiner späteren zweiten Frau Marianne gehabt
haben. US-Medienberichten zufolge erklärte Battley, dass Gingrich mit
ihr die Scheidung besprochen habe, als sie nach einer Krebsoperation
im Krankenhaus lag. Gingrich weist diese Darstellung zurück. (APA)