Ein Vorstoß von Aston Villa verleiht dem Projekt Stehplätze in Englands Fußballstadien einen neuen Impuls
Seit rund zwei Jahrzehnten gibt es in Englands höchsten zwei Spielklassen keine Stehplätze mehr in den Stadien. Auslöser dafür war die Katastrophe vom 15. April 1989 im Hillsborough-Stadion zu Sheffield, als während des Halbfinalspiels um den FA Cup zwischen dem FC Liverpool und Nottingham Forest 96 Personen starben und 766 verletzt wurden. Durch Unachtsamkeit der Ordner wurden zu viele Anhänger der Reds in den vorgesehenen Block gelassen, hunderte Fans wurden in der Folge von den eigenen nachströmenden Anhängern gegen den Zaun am Spielfeldrand gedrückt oder niedergetrampelt.
Ein Vorstoß von Aston Villa, die Wiedereinführung eines Stehplatzbereichs prüfen zu wollen, gibt dem von vielen Fangruppen geförderten Projekt nun einen neuen Impuls. Villa-Boss Paul Faulkner hat erkannt, dass viele Fans lieber stehen möchten, dass sichere Stehplatzbereiche die Atmosphäre in den Stadien verbessern können und dass so auch billigere Ticktes angeboten werden können, die vor allem jüngerem, weniger zahlungskräftigem Publikum den Zugang in die Stadien ermöglichen würden.
Dass sich Stehplatzbereiche bewähren können, hat sich auch auf der Insel herumgesprochen. Vorbild sind deutsche Stadien, die durch geschickt angebrachtes Gestänge Zuschauer-Gedränge erfolgreich unterbinden können. Sorgen um die Sicherheit machen sich die Verantwortlichen der englischen Liga auch trotz der ausschließlichen Sitzplätze, weil viele Fans trotzdem stehen und die Sitzreihen dafür nicht konzipiert sind. Ein Sprecher der Premier League begrüßte die neu entflammte Diskussion: "Wenn Aston Villa den Vorschlag vorbringt, sichere Stehplätze installieren zu wollen, werden wir das Thema debattieren". (hon, derStandard.at, 19.1.2012)