Tenor: Kein Euro ohne Zone

Die Ratingriesen kamen den Anlegern zuvor

Analyse | Hermann Sussitz, 20. Jänner 2012, 06:15
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    foto: apa/oliver berg
  • Der Wortlaut von John Chambers Rede.

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    Die Zinsaufschläge ("Spreads") von portugiesischen oder griechischen Staatsanleihen auf deutsche Schuldtitel waren jahrelang minimal.

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    Die Lohnkosten stiegen nur in Deutschland nicht himmelwärts.

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    Vor allem Spanien kämpfte mit einem großen Leistungsbilanzdefizit.

Die Bonitätsprüfer haben schon lange vor der Produktivitätskluft in der Eurozone gewarnt. Ein Euro ohne Zone ginge nicht

Die Ratingagenturen stehen im Kreuzfeuer der Kritik. In vielerlei Hinsicht sind sie aber den Anlegern zuvorgekommen. Gemessen an den Ratings mussten Italien, Portugal und Griechenland in den Boomjahren vor der Krise viel zu niedrige Zinsen zahlen. Neben den Schulden heißt das Credo damals wie heute: In einer Währungsunion rächen sich große Produktivitätsunterschiede. Ohne entsprechende Fiskal- und Lohnpolitik wirkt der Euro wie eine Brennlinse, die das "survival of the fittest" befördert und die Peripherieländer durchfallen lässt.

Den Euro gibt es seit 1999, seit 2002 wird damit gezahlt. Bis 2008, also ganze neun Jahre, haben sich die Zinsen auf Staatsanleihen kaum unterschieden. Italien zahlte kaum mehr Zinsen als Deutschland. Eine Art "Eurobonds", wie man sie sich wünschen würde. Niedriges Zinsniveau für alle. Heute freilich muss Italien doppelt so hohe Zinsen auf frisch geliehenes Geld leisten wie damals. Deutsche Schuldpapiere hingegen werfen so wenig ab wie je zuvor. Sogar Negativzinsen machen die Runde. Bildlich gesprochen hat die Brennlinse Euro bei den Kernländern ein (Export-) Feuer entfacht, während die Peripherieländer im Regen stehen.

Der Grund, warum die Finanzierung von Krisenländern verunmöglicht wurde, ist eine große Produktivitätskluft. Während in Deutschland die Arbeitskosten über Jahre praktisch unverändert blieben, stiegen sie in den Krisenländern Griechenland, Portugal und Irland, aber auch in Spanien und Italien eklatant an. Zudem fährt Exportweltmeister Deutschland einen gewaltigen Außenhandelsüberschuss nach dem anderen ein, während in den Peripherieländern die Einfuhren die Ausfuhren bei weitem übersteigen.

Ratings sahen Markt voraus

Die Ratingagenturen rühmen sich nun damit, dass ihre Ratings der Jahre 2004-2008 viel kritischer als der Markt gewesen wären. Die Anleger hätten jahrelang die Herabstufungen von Italien, Portugal und Griechenland ignoriert, meint John Chambers, der beim weltweit größten Bonitätsprüfer Standard and Poors (S&P) jenem Komitee vorsteht, das weltweit für Staatsanleihen-Ratings verantwortlich zeichnet. "Kaum Schlagzeilen" hätte das damals hervorgerufen, so Chambers in einer Rede, die er auf einer Konferenz der chinesischen Mediengruppe Daixin im November letzten Jahres in Peking gehalten hat. Erst mit dem Aufkommen der Finanzkrise 2008 wäre der Markt vorsichtiger geworden, die Angst hätte die (Schuldenre-) Finanzierung dieser Staaten immer teurer gemacht und zu dem geführt, was jetzt als Schuldenkrise benannt wird.

In der Tat stufte S&P Italien schon 2004 auf die viertbeste Note AA- ab. Vor dem Abstufungsreigen der letzten Jahre ging es 2006 um eine weitere Stufe hinunter. Auch bei Portugal war man vorsichtiger als die Anleger. 2005 wurde das Land auf die sechstbeste Note A herabgestuft. Das gilt zwar noch als sichere Anlage, die Zinsaufschläge auf die maßgeblichen deutschen Staatsanleihen hätten aber viel höher sein müssen. Nur bei Spanien sah man die Immobilienblase nicht voraus und wertete erst in Krisenzeiten ab. Mit der Krise kamen dann die hohen Zinsen - und in Kombination mit den schlechten Wirtschaftsaussichten werteten die Ratingagenturen weiter kräftig ab.

Günstige Staatsfinanzierung birgt hohes Risiko

Die öffentlichen Schulden sind für die Ratingagenturen dabei nicht einmal prioritär. Sie fürchten vor allem die Verschuldung der Banken. Die Kreditinstitute haben sich in den letzten Jahren nämlich nicht nur mit den - so oft für die Krise haftbar gemachten - verbrieften Immobilienkrediten vollgesogen. Sondern eben just auch mit den Staatsanleihen der Krisenländer. S&P-Analyst Chambers führt dabei einen Punkt ins Treffen, der viel damit zu tun hat, wie sich die Krise ausgebreitet hat: Staatsanleihen werden nicht mit Eigenkapital hinterlegt. Sie werden gesetzlich als risikolose Bummelbahn im Finanzjahrmarkt eingestuft, sicherer als jeder Unternehmenskredit. "Das spielte eine Anreiz stiftende Rolle bei der Staatenfinanzierung", betonte Chambers. Und selbst wenn die Staatsanleihen auf dem freien Markt - Schuldpapiere können wie Aktien weiterverkauft werden - radikal verloren haben, tauchten diese in den Bankbilanzen in der Regel mit dem vollen Nominalwert auf. Das galt vor allem für die langjährigen Staatstitel.

Im Laufe der letzten Jahre haben sich die im Englischen "Sovereigns" genannten Papiere von der Bummelbahn zur Achterbahn ohne Gurtpflicht entwickelt. Was aber nichts daran ändert, dass eine Fahrt von den Regulatoren noch immer als sicher eingestuft wird. Beim Kauf von Staatspapieren minderer Qualität - zum Beispiel portugiesische - muss in Deutschland immer noch kein Eigenkapital unterlegt werden. Dazu kommt die große Liquidität im Markt. Die europäische Zentralbank pumpte in den letzten Monaten hunderte Milliarden Euro in das Geldsystem. Doch die Banken denken nicht daran, ihre Kreditvergabe an die Privatwirtschaft im gleichen Ausmaß zu steigern. Der Anreiz ist zu groß, in die nicht zu besichernden Staatsanleihen zu investieren. Aber: Die Staaten scheuen davon zurück, diesen Stimulus wegzunehmen. Es würde bedeuten, sich die eigene Refinanzierung zu verteuern. Eine "negative Feedback-Spirale" sieht Chambers in der Eurozone daraus emporwachsen.

Gemeinsam oder einsam

Das Herz der Krise bleiben für Chambers aber die Produktivitätsunterschiede innerhalb der Union. In Krisenzeiten würden die Anleger auf die produktivsten Länder, nicht auf die sparsamsten setzen. So hat Deutschland weit mehr Schulden als Spanien, aber eben auch eine viel wettbewerbsfähigere Wirtschaft. Die Anleger wüssten, dass in einem Binnenmarkt wie der Eurozone keiner seine Währung abwerten kann, dass die entwickelteste Ökonomie immer gewinnt, dass die Exportstaaten verkaufen - bis kein Geld mehr da ist. Dazu kommt, dass die EZB keine Staaten direkt finanziert.

Wenn es die Eurozone in dieser Form weiter geben soll, führt für Chambers kein Weg an einer Fiskalunion und einer neuen Arbeitsmarktpolitik vorbei. Er rechnet mit sinkenden Nominallöhnen - nicht nur, aber vor allem in den Krisenstaaten. So habe Irland seine Lohnstückkosten in den letzten drei Jahren um 15 Prozent drücken müssen. Für Chambers führt an diesen harten Einschnitten kein Weg vorbei: "Wir glauben, dass diese Schritte auf grundlegende Ungleichgewichte abzielen, während sich Debatten über die Höhe und Art von Hilfskrediten nur auf die Symptome der Probleme richten." (sos, derStandard.at, 20.1.2012)

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Posting 1 bis 25 von 114
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CEEIT
00
21.1.2012, 19:00
oder es wird weginflatioiert

higgs - wozu?
03
22.1.2012, 15:30

quasselt leider auch nur um den heissen brei herum, der gute - aber was soll man erwarten ist ja auch nur ein systemwürstchen - hier hast einen der aus dem system ausgestiegen ist, der wieß wie es läuft, und jetzt nur mehr vorträge über dessen funktionsweise und die alternativen hält:

http://www.youtube.com/watch?v=QRXCBnqIN9I

einer der besten und aufschlußreichsten univorträge über unser geldsystem.

O5
22
21.1.2012, 00:08

Wundert mich nicht. Bei Firmen wie S&P arbeiten wesentlich intelligentere Leute als man in der Politik oder in der Durchschnittsbevölkerung vorfindet.

Spätrot
11
21.1.2012, 05:33
Ein Beispiel manipulativer Berichterstattung ist die Wiedergabe der Einschätzungen von Ratingagenturen:

http://www.misik.at/sonstige/... rnunft.php

Spätrot
01
20.1.2012, 19:35
Des Einen Ausgaben (Schulden) sind des Anderen Einnahmen (Guthaben).

Wo sind denn die Guthaben, die durch die Schulden finanziert wurden? Ich schwöre, bei mir nicht! Deshalb werde ich auch nicht meinen Gürtel enger schnallen. Ich hab auch nicht über meine Verhältnisse gelebt!

Spätrot
03
20.1.2012, 19:30
Die Griechen müssen wieder wettbewerbsfähig werden, indem sie z.B. Löhne senken.

Dann muss Deutschland wieder wettbewerbsfähig werden, indem Löhnen (Stückkosten) gesenkt werden. Dann ist wieder Griechenland dran. Dann wieder Deutschland.....oder Österreich.....

fmi
00
24.1.2012, 13:38
geht nur ohne Euro

Sie gehen raus oder werden von uns gesponsert.

Spätrot
00
20.1.2012, 19:32
Da führt kein Weg vorbei, durch dieses Tal der Tränen müssen wir durch, bis es uns wieder besser geht.

Andreas Prucha
00
22.1.2012, 02:53

Schon mal überlegt, dass das in letzter Konsequenz kein Tal ist, sondern eine Nivellierung nach unten? Der Wettbewerb ist ja per Definition nie vorbei. Es gibt ja keine Zielmarkierung, an der der Wettbewerb enden soll.

Spätrot
00
22.1.2012, 13:04
Genau so habe ich es gemeint.

Die neoliberale Ideologie kennt keine Lohnuntergrenzen.

Spätrot
00
20.1.2012, 19:23
Wohin wurden denn die Milliarden gepumpt? In die Banken?

"Dazu kommt die große Liquidität im Markt. Die europäische Zentralbank pumpte in den letzten Monaten hunderte Milliarden Euro in das Geldsystem. Doch die Banken denken nicht daran, ihre Kreditvergabe an die Privatwirtschaft im gleichen Ausmaß zu steigern. Der Anreiz ist zu groß, in die nicht zu besichernden Staatsanleihen zu investieren. Aber: Die Staaten scheuen davon zurück, diesen Stimulus wegzunehmen. Es würde bedeuten, sich die eigene Refinanzierung zu verteuern"

Und die Banken kaufen dann die Staatsanleihen und verdienen an den Zinsen? Wär ich Bank oder Anleihenkäufer, wär ich auch an hohen Zinsen interessiert. Diese Zinsen werden dann via Steuern und Abgaben vom Staat eingehoben.

Spätrot
00
20.1.2012, 19:48
Falls Steuern und Abgaben für die Zinszahlungen nicht ausreichen, müssen neue Staatsanleihen verkauft werden um die alten Zinsen zu begleichen.

Spätrot
00
20.1.2012, 18:56
Wenn Banken Staatsanleihen und Kredite aufkaufen - wer ist da bei wem verschuldet?

"Sie fürchten vor allem die Verschuldung der Banken. Die Kreditinstitute haben sich in den letzten Jahren nämlich nicht nur mit den - so oft für die Krise haftbar gemachten - verbrieften Immobilienkrediten vollgesogen. Sondern eben just auch mit den Staatsanleihen der Krisenländer."

Spätrot
00
20.1.2012, 18:46
Neben Deutschland bewertet die Agentur nur mehr die Niederlande, Luxemburg und Finnland weiter mit der Spitzennote "AAA".

"Die" Ratingagenturen glauben einfach nicht, dass durch Gürtel-enger-schnallen das Problem zu lösen ist. Das führt im direkten Weg zum Schrumpfen der Wirtschaft.

Sonata
123
20.1.2012, 12:30
Als sichere Zweitwährung benötigen wir jetzt so schnell wie möglich den Schilling ...

Der Schilling war vor dem EURO stabil und würde es auch jetzt sein. Die Österreicher müssen die freie Wahlmöglichkeit zwischen Schilling und EURO haben.

max notax
12
20.1.2012, 16:28

der Euro ist eh schon Geschichte, man bemüht sich nur in den nächsten Monaten die Abwicklung so bankenschonend wie möglich zu gestalten und soviel wie möglich den öffentlichen Händen aufzubürden. GR wird in ein paar Monaten austreten (müssen), IT,SP und Portugal folgen auf dem Fuße usw. Zweitwährung gibt es ohnedies auch schon seit 5000 Jahren: Gold.
Egal wie die nächste Papierwährung heisst; überalternde europäische Staaten die im globalen Wettbewerb ihre Produktionsstätten verlieren werden zwangsläufig ihre Schulden monetariseren müssen und damit wird der Besitz von Papiergeld immer eine Garantie fürs ärmer werden darstellen. Egal ob Euro, Schilling, USD oder Monopoly auf dem Wisch steht.

max notax
00
20.1.2012, 16:28

der Euro ist eh schon Geschichte, man bemüht sich nur in den nächsten Monaten die Abwicklung so bankenschonend wie möglich zu gestalten und soviel wie möglich den öffentlichen Händen aufzubürden. GR wird in ein paar Monaten austreten (müssen), IT,SP und Portugal folgen auf dem Fuße usw. Zweitwährung gibt es ohnedies auch schon seit 5000 Jahren: Gold.
Egal wie die nächste Papierwährung heisst; überalternde europäische Staaten die im globalen Wettbewerb ihre Produktionsstätten verlieren werden zwangsläufig ihre Schulden monetariseren müssen und damit wird der Besitz von Papiergeld immer eine Garantie fürs ärmer werden darstellen. Egal ob Euro, Schilling, USD oder Monopoly auf dem Wisch steht.

Chris.S
10
21.1.2012, 01:32
Sie wissen schon,

...dass der Euro uns, dem Land Österreich, seit Einführung inflationsbereinigt (!) 7-8% mehr Wachstum JÄHRLICH gebracht hat, als wir ohne den Euro gehabt hätten?

...dass seit der Euro-Einführung 8x so viel Geld von ausländischen Investoren in Österreich investiert wird?

...dass dank Euro-Einführung & EU-Öffnung jährlich 12.600 mehr Arbeitsplätze geschaffen wurden, als es ohne Euro und ohne EU-Öffnung gewesen wären?

fmi
01
24.1.2012, 13:41
Ich bin schonlange hier, die Vorteile wurden natürlich ausgenützt.

Aber jetzt ist das System am Ende. Die Länder haben sich zu hoch verschuldet. Auf Schulden investieren ist nicht mehr möglich, die Zinsen sind (werden) zu hoch

higgs - wozu?
01
22.1.2012, 15:15

und sie wissen schon, dass uns wachstum gar nichts bringt, und keiner davon profitiert, weil es nur nötig ist um die immer weiter wachsende (zins) geldmenge gedeckt zu halten, was aber nicht mehr gelingt.

dass die super arbeitsplätze und die supertolle vollbeschäftigung, am besten von 6 - 99, auch nur nötig ist, um das verzinste geldsystem am leben zu erhalten?

dass die investitionen ausländischer investoren einem ausverkauf realer werte entsprechen - wir verklopfen das familliensilber und bekommen dafür lustige, bunte schuldscheine von schon lange pleitegegangenen schuldnern - ein bombengeschäft, für die investoren.

insofern sind die von dir genannten punkte ungeeignet die von dir angestrebte argumentation zu stützen -hast andere?

woody999
00
20.1.2012, 15:24
wohl die koppelung an die DM vergessen?

aber ewig gestrige haben nur ein langzeitgedächtnis für über 60 jahre altes und das ist nur sehr selektiv

chaimele
21
20.1.2012, 14:14
guten morgen, heute ist freitag, der 20.jänner 2012

unsere währung ist der euro. und das ist gut so!

Hefeweizerlbier
28
20.1.2012, 13:05
Den Schilling gab es praktisch seit 1976 nicht mehr

Es gab eine ausschließliche Kopplung an die D-Mark. Genauso gut hätten wir die DM einführen können.

Eine Wiedereinführung des Schillings würde ein Euro sein, der Schilling heißt. Außer Bürokratie, Spesen, Handelserschwernisse etc. nichts Positives.

fmi
00
24.1.2012, 13:43
Genau

Wir wollen die DM in der Kernzone.

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