Ursprungszeugnis

Freie Bahn für "Made in Austria"

Verena Kainrath, 19. Jänner 2012, 18:13
  • Artikelbild
    grafik: standard/beigelbeck

    Das rot-weiß-rote A darf nicht direkt auf Produkte aufgebracht werden. Bei Werbekampagnen ist es den Österreichern dennoch dienlich.

Strengere Regeln für den Waren­ursprung scheinen vom Tisch, für ein österreichisches Zeugnis genügt es, Importen hierzulande den letzten Schliff zu verpassen

Wien - Mehr als ein Jahr lang währte das Ringen mit Brüssel. Nun, im Sog der drohenden Rezession, stehen die Zeichen gut, ein den österreichischen Betrieben lieb gewordenes Attest nicht zu verlieren: Es handelt sich um Ursprungszeugnisse für Exporte made in Austria.

Diese signalisieren Qualität aus Österreich und ebnen den Weg ins Ausland. Um sich mit ihnen zu schmücken, genügt es schon, Wa- re hierzulande lediglich den letzten Schliff zu verpassen. Welcher Anteil an Vormaterial dafür importiert wurde, ist irrelevant, auch sämtliche Einzelteile dürfen im Ausland erzeugt werden. Einzige Bedingung für das österreichische Zeugnis ist, dass die letzte wesentliche Be- und Verarbeitung hierzulande erfolgte. Strengere Kriterien gelten nur bei Lebensmitteln.

Der EU-Kommission schien das zu viel Spielraum für Missbrauch. Um Exportprodukte nicht mit falschen Federn zu schmücken, sollten die Ursprungsregeln in der EU deutlich verschärft werden. Doch das scheint vorerst vom Tisch.

Brüssel sei dabei einzulenken, sagt Gabriele Führer von der Abteilung Außenwirtschaft der Wirtschaftskammer. Abgeblasen sei es offiziell noch nicht, doch der Aufschrei gemeinsam mit den Deutschen zeige Erfolg: Man sei auf gutem Weg, die strengeren Richtlinien zu verhindern. Zumal Brüssel Betriebe in Zeiten der Krise nicht zusätzlich belasten wolle. Konsumentenschützer sehen das jedoch weniger euphorisch. Suggerierten die damit verbundenen Ausweise doch gerne ein verfälschtes Bild.

Karl Kollmann, Experte der Arbeiterkammer, pocht auf eine verpflichtende Ursprungsland-Kennzeichnung in und außerhalb der EU: Bei Lebensmitteln müsse die gesamte Wertschöpfung, bei anderen Produkten mehr als die Hälfte im genannten Land passieren.

Der nun hinfällige Plan der Zollkommission: Herkunft und Wert der Vormaterialien sollten mitentscheiden, ob Produkte unter österreichischer oder deutscher Flagge fahren dürfen. Je nach Art der Wa- re hätte ein vorgeschriebener Anteil des Werts im eigenen Land geschaffen werden müssen - in der Regel der mehrheitliche. Unnötige bürokratische Lasten wären damit verbunden gewesen, donnerte die Wirtschaftskammer. Ein Ursprungsnachweis für alle Rohstoffe erhöhe Kosten sowie Preise und erschwere damit die Exporte.

Das Festhalten an den bestehenden Ursprungszeugnissen sichert auch der Aufschrift "Made in Austria" die Existenz. Diese ist an keine Regeln und an keine rechtliche Norm gebunden. Für die Verwendung reicht in der Praxis ein Ursprungszeugnis. Das rot-weiß-rote A darf weder auf Produkte direkt aufgebracht werden, noch als Herkunftssiegel dienen - es ist meist bei Werbekampagnen im Einsatz. Das Austria Gütezeichen verlangt hingegen zumindest 50-prozentige Wertschöpfung in Österreich. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.1.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 37
1 2
könnt mich aufregen wenn ich Zeit hätte
00
20.1.2012, 13:52
Auszug der Handelskammer Hamburg:

Häufig findet in Deutschland nur noch die Montage des eigentlichen Produktes statt. Teilweise wird nur noch die Endkontrolle in Deutschland vorgenommen. Fraglich ist, inwieweit der Aufdruck „Made in Germany” hierbei noch gerechtfertigt ist.

Wird jedoch voll anerkannt.

Darum sehe ich das ganze nicht so schlimm.

Gäbe es eine EU Richtlinie die alle einhalten müssten wäre das ganze natürlich besser.

Aber so kaufst du Chinesische Produkte "Made in Germany" und keiner weiss es.

Warum soll ausschliesslich Österreich "100 %" Made in Austria sein.

Peter_23
00
20.1.2012, 12:41
Was für ein Betrug

leser 4712
00
20.1.2012, 12:11
made in a-

n ondern land..

Sigrun1
00
20.1.2012, 11:47

" made in Europe" hat auch nichts mit EU zu tun sondern meint den Kontinent, zB Europ Türkei.

ja aber
02
20.1.2012, 10:59
"Man sei auf gutem Weg, die strengeren Richtlinien zu verhindern."

schade fuer die leute die wirklich in oesterreich qualitaet produzieren. aber wie unsere politiker alles sein & schein & schwindel. der konsument hat das nachsehen.

wieso dann nicht gleich chinesische ware kaufen, wenns eh nur betrug am kunden ist?

Sand
02
20.1.2012, 10:37
Unschuldiges Austria!

Wer ist den der Initiator dieser EU-Regel? - Genau, Sie haben recht! Es sind die Exportländer. Unter anderen auch Österreich. Tschechische Sauen sind schon jahrelang als Tiroler Speck mit dem rot-weiß-roten Pickerl "Made in Austria" im Ausland verhökert worden. Sowohl die nationale Wirtschaftslobby des Exportlandes Tschechien wie die nationale Wirtschaftslobby des Exportlandes Österreich gehören zu den stärksten Fürsprechern dieser Fake-Lösung. Ist mit "einheimischen" Bier nicht anders: importierte Gerste oder gar importiertes Malz und importierter Hopfen = "Made in Austria".

artista
03
20.1.2012, 09:47
freie bahn für konsumententäuschung

würde wohl eher passen.

ist in der eu leider schon längst gängige praxis.

wenn ich bei einer jean (zb. made in china) den knopf und das logo in östereich (europa) einnähen lasse, kann ich bereits made in austria darauf drucken lassen.

gesetz vereinfacht: wenn die wertschöpfung höher ist als im ursprungsland, darf man made in europe dem kunden gegenüber kommunizieren.

Markus Miller 2
00
20.1.2012, 09:32
Freue mich schon auf das Rauch Mangojuice.

Ein groessere Verarschung gibt's ja wohl nicht (KHG ausgenommen). Arbeitsplaetze werden wie in den USA massiv abwandern. Bravo WKO!

Gerhard56
23
20.1.2012, 09:12
Betrug am Kunden - dank EU

Das läuft so ab: Ein Konzern schließt nach und nach seine Produktionen in Österreich bzw. Europa und lagert alles nach China oder in ein anderes Billiglohnland aus. Somit gehen diese Arbeitsplätze in Österreich bzw. Europa verloren. Der Konzern produziert dann alles in Fernost, importiert das billige Zeugs nach Europa, läßt es hier noch ein wenig bearbeiten (Zusammenstellen, verpacken etc.) und schon hat man ein Produkt 'Made in Austria' bzw. 'Made in Europe'. Dem Kunden wird also ein heimisches bzw. europäisches Produkt vorgegaukelt, denn durch billige Produktion entstandenen Gewinn streifen die Konzerne ein, welche fast keine Steuern zahlen, die Arbeitslosen dürfen die Staaten (Steuerzahler) berappen - und die Politiker sind zufrieden!

anyuser
 
13
20.1.2012, 09:50
'Dank EU' - haben sie den Artikel überhaupt gelesen?

"Der EU-Kommission schien das zu viel Spielraum für Missbrauch. Um Exportprodukte nicht mit falschen Federn zu schmücken, sollten die Ursprungsregeln in der EU deutlich verschärft werden. Doch das scheint vorerst vom Tisch."

Für sie übersetzt: Die Mitgliedsländer wollten die strengeren Regeln nicht - die EU Kommission schon

Hauptsache man kann über die EU meckern...

Sand
00
20.1.2012, 11:11
Ähm! "Die Mitgliedsländer wollten die strengeren Regeln nicht - die EU Kommission schon"

Dein feuchter Traum?
Glaubst du etwa, dass jene Lobbyisten die in den Vorzimmern der EU-Kommission hocken, nicht aus EU-Ländern sondern aus Indien, China, Pakistan oder gar USA kommen? Gerade in diesem Fall kommen die Lobbyisten auch aus Österreich als Abgesandte der hiesigen Exportwirtschaft und der Regierung (Handelsministerium).

Rob Edge
05
20.1.2012, 08:18
Ein falsches Zeichen

Wenn man sich die Entstehungsgeschichte der "Made in" Kennzeichung ansieht, dann zeigt das recht schön, dass damit gute Produkte einen Wettbewerbsvorteil erziehlen können - auf soetwas als EU (im speziellen nun Österreich und Deutschland) zu verzichten erzugt nicht gerade Vertreuen in die "eigenen" Produkte. Mit einer strengeren Reglung zu "Made in Austria" etc., wo man sich als Kunde sicher sein kann, dass nicht nur der Aufkleber in Österreich, etc. aufgebracht wurde kann man Vertrauen schaffen und eine Kudnenbindung erzeugen. Ich für meinen Teil wäre gerne bereit etwas mehr zu zahlen wenn ich mir dafür sicher sein kann dass viel Wertschöpfung in Österreich (oder in der EU ansich) generiert wurde mit EU Qualitätsstandards als Bonus.

chg4711
03
20.1.2012, 07:58
Vernunft hat keine Lobby!

Und die Blöden sind wieder einmal "WIR". Solange die Geschäftemacher mit den Politikern packeln werden sich keine vernünftigen Lösungen durchsetzen lassen.
PROFIT UND WAHLERFOLG IST WICHTIGER ALS DAS GEMEINWOHL.

der schwitzbär der schwitzt sehr
07
20.1.2012, 03:20
endlich österreichisches Olivenöl !

in Griechenland geerntet und gepreßt, in Österreich gepanscht

endlich ein Zusatzerwerb für unsere diesbez. erfahrenen Weinbauern!

chg4711
02
20.1.2012, 08:02
Somit gibt es sicher auch österreichische Bananen.

Möglich wäre es bestimmt. Das Wertschöpfungskriterium ist wohl durch das Umpacken, die Vertriebskosten und die Handelsspanne gedeckt.

hsse_robsi
01
20.1.2012, 07:14

des pickerl machens ja auch auf die flasche... is schon sehr verantwortungsvoll...

)so(
13
19.1.2012, 23:51
Entsprechend würdigen Konsument/innen auch die div Bio-Qualitätssigel

Dabei sind gerade diese und das ihnen entgegen gebrachte Vertrauen die Hauptsäule, auf dem unsere Bemühungen ruhen, ökologischer Vorreiter und Feinkostladen Europas zu werden. Anstatt Qualität und Bio-Wertschöpfung im Inland, läuft das längerfristig auf China-Importe und Zusammenbruch der landwirtschaftlichen Strukturen hinaus. Beschädigt sind die Bio-Sigel ohnedies bereits genug.

chg4711
02
20.1.2012, 08:05
Vertrauen der Verbraucher dient dem Geschäft

und wird schamlos missbraucht und ausgenutzt.
WIR sollten uns immer daran erinnern, dass Politiker, Banker und Geschäftsleute NIEMALS Vertrauen verdienen.

)so(
11
19.1.2012, 23:44
Vorbildwirkung und Signal dafür, wie die Eliten und Führer/innen unserer Gesellschaft Glaubwürdigkeit definieren und miit Vertrauen umgehen.

Und solche inhaltsfreie Zerrbilder sickern - das dauert Jahre - bis in den Sockel der Gesellschaftspyramide und zersetzen diesen langsam. Aber umso nachhaltiger.

stoiker
05
19.1.2012, 21:43

bin grad dabei mein radl zu sanieren.

würde wirklich gerne wissen was sich zb ktm dabei denkt konen aus malaysia zu importieren.
die dinger sind von derart schlechter qualität,dass man sie trotz überdurchschnittlicher pflege nach 2 jahren tauschen muss.

hauptsache ein fetter "made in austria"sticker am fahrrad.
tja,liebe leute da wird demnächst wohl eine kaufentscheidung anders ausfallen.

AlBundyFan
 
00
20.1.2012, 10:30
was hast du für ein rad, wie oft und wofür benutzt du es?

ich fahre seit 10 jahren ein mountain-bike das id damals bei hervis um 200 € gekauft habe.

fahre damit im sommer fast alle fahren in der stadt und auch 2-3 mal die woche auf waldwegen herum.
außer schmieren der kette, nachstellen der bremen, gangschaltung usw. passt alles - den sattel habe ich mal ausgetauscht weil der halte hart und abgewetzt war.

was machst du also, daß du alle 2 jahre irgendwelche teile auswechseln mußt?

fizcaraldo
03
19.1.2012, 21:30

Gehts der Wirtschaft gut, gehts uns allen gut! Ausgenommen natürlich Arbeitnehmern in Österreich und deren Familien.

Ich geh dann mal zum MacDonalds und esse einen Burger mit 100% österreichischem Rindfleisch.

Isokolon
021
19.1.2012, 21:01
Welch grandioser Sieg der heimischen Wirtscahftskammer!

schön dass hier im vollen Interesse der Bevölkerung härtere Kennzeichnungskriterien verhindert werden konnten!
[/ironie]

light sleeper
05
19.1.2012, 20:30
ich will wieder

"made in austria" mit günter tholar!

01052004
04
19.1.2012, 19:43
na super

dann hätt ich gern ein verbindliches pickerl für "produkt 100% made in a". damit ich weiß, daß ich mehr zahle, und damit arbeitsplätze (und somit kaufkraft) im eigenen land erhalte...auch wenn brüssel das wohl als unglaublich altbacken unmodern unzeitgemäß (???) traditionalistisch bezeichnen würde...

made in a sollte heißen: in österreich hergestellt. nicht nur lustig etikettiert und verpackt.

und wenn nicht: verpflichtende angaben der herkunft aller inhaltsstoffe, verarbeitungsschritte und -länder...soweit sollte konsumentschutz gehen: schutz nicht abzocke!!!

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 37
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.