Umschuldung

Griechischer Schein

Kommentar | Andreas Schnauder, 19. Jänner 2012, 18:01

Im Tauziehen um den griechischen Schuldenschnitt wird mit harten Bandagen gekämpft

Im Tauziehen um den griechischen Schuldenschnitt wird mit harten Bandagen gekämpft. Tatsächlich haben jene Gläubiger, die noch höhere Verluste nicht hinnehmen wollen, gute Karten. Kommt keine Einigung zustande, bleibt Athen nur noch, die angepeilte Schuldenreduktion von 100 Milliarden Euro per Dekret zu verordnen. Mit der angestrebten Freiwilligkeit wäre es dann vorbei, Griechenland würde auf Zahlungsausfall herabgestuft, Staatsanleihen dürften dann von der Europäischen Zentralbank nicht mehr als Besicherung für Kredite akzeptiert werden.

Doch selbst diese bedrohliche Variante legt bei weitem nicht die ganze Tragödie offen. Selbst bei einem gütlichen Ende in der Frage der Beteiligung privater Gläubiger wird Griechenland die verbleibenden Schulden nicht bedienen können. Die tiefe Rezession und die mangelnde Umsetzung der Reformvorgaben verhindern, dass die von EU, EZB und Währungsfonds aufgelegten Pläne - die bis jetzt noch nie gehalten haben - erfüllt werden.

Das hat vor allem mit der falschen Strategie zu tun, die vor zwei Jahren eingeleitet wurde. Nur mit einem sofortigen Schuldenschnitt hätte Athen eine realistische Überlebenschance gehabt. Stattdessen wurden Steuergelder der Eurostaaten via Athen an private Gläubiger verteilt.

Man darf gespannt sein, wann die Regierungen den griechischen Schein ablegen und erklären, dass die Hilfsgelder nun leider doch nicht zurückfließen werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2012)

Kommentar posten
13 Postings
fmi
00
23.1.2012, 08:14
und dann:

eigentlich ist es dem IWF nicht erlaubt, bei Null Aussicht auf Sanierung noch Geld hinzupumpen. Es kommen die Griechenlandbonds....Leider sind sie notwendig wenn das Land den Euro nicht aufgibt.

parapente
00
20.1.2012, 17:38
Ein griechischer Bürgermeister

besucht den italienischen Bürgermeister seiner Partnerstadt in Italien. Der hat ein bombiges Amtshaus.

Wo, bitte, hast du denn das viele Geld her?
Das hat alles die EU bezahlt. Die EU bezahlte uns eine neue Brücke mit zwei Fahrstreifen, wir bauten nur einen Fahrstreifen mit Ampelregelung - und mein neues Amtshaus kommt vom Rest, der überblieb.

Im nächsten Jahr besucht der iatlienische Bürgermeister den griechischen.
Der hat nicht nur ein tolles Amtshaus, sondern auch ein Privathaus, welches alle Stückeln spielt. Alles aus Marmor, Glas, vergoldet . . . .
Ja sag einmal, wo hast du denn das viele Geld her?
Das hat alles die EU bezahlt. Siehst du meine neue Brücke?
NEIN!

Christoph Karl Steininger
00
20.1.2012, 12:24
All die Leute die hier rumschwafeln wie begrüßenswert ein griechischer Zahlungsausfall wär,

haben keine Ahnung! Griechenland ist zuständig für die ohnehin schon durchlässigste Aussengrenze der EU!
Was würde passieren wenn die Polizei oder der Grenzschutz in Hellas nicht mehr bezahlt würde?
Dazu käme noch ein Zusammenbruch der staatlichen Ordnungsmacht innerhalb Griechenlands. Die dauernden Streiks wären dann nur ein schwacher Vorgeschmack für die Unruhen in diesem Land!

fmi
00
23.1.2012, 08:17
jetzt schon...

kommen jede Woche mit Speditionen etliche Afghanen, minderjährige. Ich möchte wissen was Griechenland noch selbst macht. Das Festhalten an Hellas ist nicht mehr rational zu erklären. Es ist ohnehin zu spät. Hängt für Jahrzehnte am Tropf der EU.

Toxo Logic
 
01
20.1.2012, 16:57

Die EU-Außengrenze verläuft dann halt vor Griechenland, wo ist das Problem?

Der Schärdinger
 
00
20.1.2012, 10:16
Der Schärdinger

Egal was alle schwafeln, so gehts jedenfalls nicht, oder man findet sich damit ab, 30 Jahre oder länger GR zu finanzieren.
Wenn ein Staat mit 300 % überschuldet ist und man ihm 50 % nachläßt sind dann nur alle Schulden getilgt, wenn man nicht rechnen kann oder will!?
Alles andere ist einfach gelogen, wie sie das hinbekommen, müssen sich dieselben überlegen, die GR in die € Zone aufgenommen haben, so wird es jedenfalls nicht gehen, außer wir zahlen alle bis St. Nimmerlein!

was ich immer schon sagen wollte ...
04
20.1.2012, 07:51
nach meinem eindruck ...

... floss das meiste geld via athen eher zu den kreditgebenden grossbanken - mehrheitlich deutsch/franzoesischen.

und nicht zu vergessen: waffendeals - hauptsaechlich mit deutschland und frankreich -, da wurde weitergemacht, als ob es kein morgen gaebe oder als ob griechenland in geld schwimmen taet.

ein hoch auf die deutsch/franzoesische waffenindurstrie & politik!!

ps.: die zwei jahre verzoegerung hats gebraucht um den instituten zeit zu geben aus den griechischen schuldenpapieren auszusteigen.

Anchel Kingsman
00
20.1.2012, 12:42

dieses verhaeltnis ist etwa 20:80

20% fuer Ausgabendes GR-staates
80% direkt fuer die rollung der anleihen

es gab eine britische quele, die ich momentan nicht finden kann, aber ich werde weitersuchen.

site:°~+*-||!#.\>
42
20.1.2012, 01:50

Oh Mann, ist das so schwer?

Es gibt momentan nur eine Lösung:

1. die EU übernimmt/bezahlt sämtliche Staatsschulden von Griechenland (für die Fehlkonstruktion Euro und das Grundrecht auf Schutz des Eigentums müssen die Länder der Eurozone die Verantwortung übernehmen),

2.dafür tritt Griechenland aus der Eurozone, und aus rechtlichen Gründen auch aus der EU aus,

3. Griechenland verpflichtet sich sehr langfristig nach Möglichkeit (Pfändung der griechischen Steuerhinterziehungs-Milliardäre) der EU die Schulden zurückzuzahlen.

Damit erspart sich die EU jahrzehntelange hohe Transferzahlungen und Griechenland kann mit einer eigenen Währung und einem hoffentlich besseren, neuem Geldsystem wieder gesunden.

fmi
00
23.1.2012, 08:19
Wenn der gesunde Menschenverstand

irgendwann nach Brüssel einzieht!

Soft Werker
12
20.1.2012, 02:25
Ein abstruser Vorschlag

ad 1 - die EU übernimmt...sämtliche Staatsschulden

Abgesehen davon, dass das Geld nicht da ist (das müsste dann EU-weit über Steuererhöhungen wieder eingetrieben werden), würde dann ein Präzedenzfall für Portugal, Irland, Italien und Spanien geschaffen.

ad 2 - dafür tritt Griechenland aus der Eurozone, und...aus der EU aus

Das wird tatsächlich passieren, wahrscheinlich sogar schon 2012. Wäre aber bei Bezahlung aller Schulden gar nicht notwendig, daher mein Posting-Titel

ad 3 - Griechenland verpflichtet sich...die Schulden zurückzuzahlen

Hier wird's noch abstruser. Nach der Einführung der "Neuen Drachme", die sofort massiv gegenüber dem Euro abwertet, betragen die Schulden nicht 140%, sondern rund 400% der Wirschaftsleistung. Unmöglich.

Thomas Bayer
02
20.1.2012, 08:22
Anleihen können in Drachmen ungewandelt werden

die Anleihen werden vor der ABwertung in Drachmen umgewandelt.

der schwitzbär der schwitzt sehr
02
20.1.2012, 02:05

Zusatz:

alle verantwortlichen griechischen sowie EU-Politiker und Funktionäre
=>
werden bis auf's Hemd gepfändet

und sind heilfroh, nach wie vor ungesiebte Luft zu atmen
(also Amnestie, weil Erstfall)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.