Redakteurssprecher Bornemann

"System der politischen Packelei"

Interview | 19. Jänner 2012, 17:59
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    foto: orf

    "Man braucht aber auch nicht heuchlerisch sein und behaupten, die Politik werde nie wieder in den ORF hineinregieren", sagt Dieter Bornemann.

Der Kampf der ORF-Belegschaft ist noch nicht zu Ende, sagt Redakteurssprecher Dieter Bornemann - Personalwünsche der Politik würden künftig nicht mehr so leicht erfüllt werden können

STANDARD: Ist die Belegschaft mit dem Rückzug von Niko Pelinka nun zufrieden?

Bornemann: Da geht es nicht um Niko Pelinka. In unserem Protest ist es immer darum gegangen, dass wir gegen das System der politischen Packelei kämpfen, nicht gegen einzelne Personen.

STANDARD: Fürs Erste haben Sie sich einmal durchgesetzt, da können Sie zufrieden sein, oder?

Bornemann: Der Generaldirektor hat nach diesen vierwöchigen Protesten eingesehen, dass er das Unternehmen nicht gegen die überwiegende Mehrheit der Belegschaft führen kann. Die Unabhängigkeit des Rundfunks ist jedenfalls gestärkt worden.

STANDARD: Was wären weitere konkrete Schritte, die aus Ihrer Sicht nun notwendig sind?

Bornemann: Wir müssen jetzt schauen, wie wir diese positive Energie, die in den letzten Wochen bei den Mitarbeitern entstanden ist, für eine echte Strukturreform nützen können. Das Management muss jetzt gemeinsam mit den Redakteursvertretern und den Belegschaftsvertretern darüber diskutieren, wie wir in Zukunft solche Krisen überhaupt vermeiden können, indem es zum Beispiel sogenannte Abkühlphasen gibt, dass Stiftungsräte etwa nicht direkt ins Management befördert werden können. Dadurch vermeidet man auch den Vorwurf des Stimmenkaufs.

STANDARD: Gibt es noch andere anstehende Personalentscheidungen, die Sie verhindern wollen?

Bornemann: Wir gehen davon aus, dass Wrabetz auf eine Ausweitung der Generaldirektion verzichtet und damit auch weitere umstrittene Personalentscheidungen hintangestellt werden und es nicht zu anderen Besetzungen kommt.

STANDARD: Nach wie vor reden die Landeshauptleute bei der Bestellung der Landesintendanten mit.

Bornemann: Gesetzlich verankert ist ein Anhörungsrecht, das in der Praxis zu einem Mitspracherecht, wenn nicht gar zu einem Bestimmungsrecht geworden ist. Der Protest der Journalistinnen und Journalisten hat hoffentlich klargemacht, dass solche Personalwünsche in Zukunft nicht mehr so leicht erfüllt werden können.

STANDARD: Wie soll denn der Stiftungsrat künftig bestellt sein?

Bornemann: Ganz wichtig ist die Qualifikation der Stiftungsräte, sie sollten wirklich etwas mit Medien zu tun haben. Ausschreibungen und Hearings für Stiftungsräte etwa wären sinnvoll. Man braucht aber auch nicht heuchlerisch sein und behaupten, die Politik werde nie wieder in den ORF hineinregieren, das wird wohl kaum der Fall sein. Die Diskussion der letzten Wochen hat aber gezeigt, dass wir uns wehren, wenn wir den Eindruck haben, da gibt es politische Einflussnahme.

STANDARD: Hat der Respekt der Belegschaft gegenüber Alexander Wrabetz im Zuge dieser Auseinandersetzung Schaden genommen?

Bornemann: Wir haben Wrabetz immer zugutegehalten, dass unter ihm die Berichterstattung sehr viel freier geworden ist. Die jüngste Protestaktion hat für ein positives Klima im Haus gesorgt. Wenn wir jetzt gemeinsam in einem Boot sitzen und sagen, die Unabhängigkeit ist das wichtigste Gut im öffentlich-rechtlichen ORF, dann sind wir gemeinsam auf Kurs. (Michael Völker, DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2012)

Dieter Bornemann (44) ist stellvertretender Leiter der "ZiB"-Wirtschaftsredaktion und Redakteurssprecher der Aktuellen Fernsehinformation.

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Posting 1 bis 25 von 63
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Bortolino
11
20.1.2012, 15:04
Wrabetz ist jetzt der freieste Generaldirektor des ORF, den man sich vorstellen kann...

... denn:

Um eine Widerwahl wird er sich kaum zu bewerben brauchen.

Logisch weiter gedacht hieße das aber auch: Er braucht eigentlich auch politisch auf niemanden mehr Rücksicht zu nehmen, als auf den ORF selbst.

Diese neue Freiheit sollte er hoffentlich auch selbst erkennen. Und sie konsequent und ohne Rücksicht auf die Politik zum ausschließlichen Wohl des Unternehmens nutzen.

Das wäre seine eigentliche, wahre, zweite Chance.

Zumindest die richtigen Redakteure hätte er ja dafür ...

Spitzmaus
10
20.1.2012, 14:15
Der ORF ist ja eine geschützte Werkstätte

Personalkündigungen sind nur mit Handshakes die nicht von Pappe sind, möglich. So lang der Betriebsrat bestimmt wer General wird, wird es nie etwas werden. Das ist immer ein Tauschgeschäft dass die Kosten in die Höhe treibt. Da sitzen so viele "weiße Elefanten" herum die buchstäblich nichts tun.Das Personal musste in letzter Zeit etliches einstecken. Das ist nun die Rache. Angezettelt wahrscheinlich von BRO Prantner der selbst für eine Posten vorgesehen war, den es vorher nicht gab.

Ich bin absolut für einen unpolitischen ORF aber dann auch das riesige Heer von Redakteuren. Der Fall Pelinka war eine Katastrophe. Dümmer kann man sich ja gar nicht anstellen.

austromir
 
00
20.1.2012, 15:21
Von Logik triefend:

Was musste das Pesonal "einstecken"? Warum soll sich Prantner für einen Job rächen, der für ihn geschaffen wurde? und was heißt:Ich bin absolut für einen unpolitischen ORF aber dann auch das riesige Heer von Redakteuren? Abgesehen vom Unsinnsgehalt dieser Meldung - welches riesige Heer ist gemeint? Schauen Sie sich einmal um in den Redaktionen eines 24 Stunden arbeitenden Medienunternehmens. Spitzmäuse haben leider ein kleines Hirn.

Spitzmaus
00
20.1.2012, 16:13
Nix verstanden!

Prantner sitzt selbst im Glashaus. Ihre Schreibweise spricht für sich.

Baltasar König
04
20.1.2012, 14:06
im Schatten...

Im Schatten der Aufregung um Pelinka
ist der ÖVP-Apparaschik par Excelance
"Kriechhofer", oder "S´Parteibüchl"
(wie ihn seine Freunde nennen)
an Spitze des Landesstudios Tirol gehievt worden.

Das war Aufgrund eine Packelei mit Wrabetz möglich, heißt es:
Wählst du mich - mach ich dich zum Direktor des Landesstudios.

hm tata
02
20.1.2012, 14:15
das nennt man dankbarkeit, nicht packelei

eine hand wäscht die andere. so bleibt alles sauber.

hm tata
80
20.1.2012, 13:59
anstelle vom wrabetz

tät ich die ganzen revoluzzer fristlos entlassen.
es laufen bestimmt hunderte freie oder gar beschäftigungslose journalisten herum, die für weniger geld bereitwilligst die ideen ihres chefs akzeptieren würden.

notanaddict
01
20.1.2012, 14:39

Weil sie sich für Unabhängigkeit und Ansehen des öffentlich-rechtlichen Unternehmens, in dem sie arbeiten, auf die Füße stellen??
Irre.

Baltasar König
02
20.1.2012, 14:12
ich ginge schärfer vor!

ich würde für so eine Situation das Standrecht einführen und jeder, der nicht spurt - an die Wand mit ihm / ihr !!

hm tata
10
20.1.2012, 14:16
machen sie sich ihnen nicht lächerlich ;(

Baltasar König
00
20.1.2012, 14:29
ohne gnade,

grründlich,
und so, wie es die Vorsehung eingerichtet hat!!

Hei!

Edi Rudlinger
00
20.1.2012, 13:58
die privilegenkaiser mucken auf

hm tata
02
20.1.2012, 13:38
der wahre grund für den wrabetz-rückzieher in sachen pelinka

wie inzwischen aus gut informierten kreisen bekannt wurde, ist dieser rückzieher nicht wegen des aufstands der redakteure des orf, nicht wegen der unzähligen protestmails von prominenten, nicht wegen der bewerberflut erfolgt, nein der wahre grund liegt in den standard-foren. wrabetz hat vor dem volkszorn kapituliert, der sich in tausenden postings dort manifestiert hat. die größte wirkung sollen dabei auf ihn die posts eines gewissen wuffi999 ausgeübt haben, dessen wuchtige kommentare letzten endes den ausschlag für die kapitulation wrabetz' gaben. die orf-redakteure haben sich bei wuffi999, seines zeichens wortmächtigster standard-poster zu bedanken und bei keinem anderen.
chapeau wuffi!

phileit
01
20.1.2012, 13:31

Ich kann die Querverweise auf die damit verglichen enorme Tatenlosigkeit der Belegschaft in der Ära Mück nachvollziehen, glaube aber, dass sie am Ziel vorbei gehen.

Ich glaube eher, dass die Belegschaft mit der Erinnerung an die Zustände dieser Zeit einfach verhindern wollten, dass so etwas noch einmal passiert - ob diese Angst berechtigt ist oder nicht, ist ein anderes Kapitel.

Ich bin jedenfalls der Überzeugung, dass es einen solchen Aufschrei jetzt nicht gegeben hätte, hätte es die Ära Mück nicht gegeben.

dr.ban cok
00
20.1.2012, 13:29

'Wir haben Wrabetz immer zugutegehalten, dass unter ihm die Berichterstattung sehr viel freier geworden ist'

aha - vorher wars dann nicht so frei und es könnte noch freier sein? lässig.

notanaddict
00
20.1.2012, 14:40

Unter Fr. Lindner wurde anscheinend öfter mal ins Redaktionsgeschehen eingegriffen. Jetzt nicht mehr. Das ist auch gut so.

Toni Meister
22
20.1.2012, 13:05
Wielleicht benötige ich Nachhilfe

Wo war Hr. Bornemann als Hr. Mück wirkte ( z.B. mit Sessel -Probesitzen bei Herrn Schüssel im Bundeskanzleramt) ? .

##V+##
00
21.1.2012, 15:59
Das war Gerhard Jelinek

Kampfposter
02
20.1.2012, 12:54
Tadellose Stellungnahme von Herrn Bornemann!

Pepito Sbazzegutti
02
20.1.2012, 12:48

warum sollte es beim orf anders sein? seit jahrzehnten wird den jungen das networken eingetrichtert. welche firmen schreiben denn die interessanten posten noch aus, und wer kennt in seinem betrieb nicht die ganzen eigenartigen besetzungen?

klar ist der orf ein spezialfall, aber das prozedere sieht man leider überall anders auch.

Kris99
00
20.1.2012, 13:38
wenn es für einen Job in einer Firma schon

ein paar Kandidaten gibt die sich dafür eignen ist das wohl etwas anderes als einen ahnungslosen Politgünstling irgendwo reinzudrücken.

Kritiker1A
33
20.1.2012, 12:31
Das Problem beim ORF kann man einfach lösen.

ORF Zwangsabgaben abschaffen.

Ahnungs Loser
53
20.1.2012, 12:26
ich finds ein wenig heuchlerisch

wenn leute wie er, die auch von diesem protektionssystem profitiert haben sich jetzt hinstellen und den empörten saubermann spielen.

heir werden offensichtlich die medien dazu genutzt um sich zu profilieren, sehr schade.

Dan12
02
20.1.2012, 12:42
und hat er tatsächlich davon profitier?

Oder ist das eine Vermutung? Und wenn ja, inwiefern hat er davon profitiert?

erkelteter tiger
38
20.1.2012, 11:54
die armen fpö-poster sind wieder beleidigt

aber kinder, niemand der sich mit politik beschäftigt, wie hoffentlich die orf-redakteure, kann der fpö nahestehen,
außer er ist rechtsextrem, korrupt oder sehr dumm, oder wie so oft alles zusammen

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