Grüne Woche

Exportrekord bei Lebensmitteln

Johanna Ruzicka aus Berlin, 19. Jänner 2012, 17:42

Mit jedem Lebensmittelskandal wächst der Zuspruch des deutschen Konsumenten zu österreichischer Ware

Keine Grüne Woche ohne handfesten deutschen Lebensmittelskandal. Heuer sind es die in den letzten Wochen auf Hühnerfleisch gefundenen antibiotikaresistenten Keime, die auf der weltgrößten Lebensmittelmesse für Aufregung sorgen. Deutsche Verbraucherzentralen fordern, dass die deutsche Lebensmittelüberwachung mehr Biss bekommt, Massentierhaltung strengeren Regeln unterworfen und der Biolandbau mehr ausgebaut wird.

Mit jedem Lebensmittelskandal wachse der Zuspruch des deutschen Konsumenten zu österreichischer Ware, berichtet Stefan Mikinovic, Geschäftsführer der AMA Marketing. Um rund drei Milliarden Euro, plus 11,4 Prozent, gingen im Vorjahr österreichische Wurst-, Schinken und Speckwaren sowie Käse und Milchprodukte nach Deutschland. Damit gehen rund ein Drittel der agrarischen Exporte nach Deutschland. Das traditionelle Handelsbilanzdefizit bei Lebensmitteln ist 2011 auf 0,4 Milliarden Euro geschrumpft und sollte in zwei, drei Jahren Geschichte sein. Der größte Exportschlager hat freilich mit Agrar wenig zu tun: Er heißt Red Bull; um rund eine Milliarde Euro wird das Getränk allein in Deutschland verkauft.

"Jede Lebensmittelkrise hilft uns natürlich, wenn wir nicht betroffen sind", sagt der AMA-Chef. Hilfreich sei auch, dass sich wegen der vergleichsweisen Kleinteiligkeit von Landwirtschaft und Verarbeitung Kontrollen leichter durchführen lassen. So kam es auch zu einem Plus bei Frischgemüse, und dies trotz Ehec-Infektion. Die Exporte wuchsen um satte 31 Prozent - wohl wegen oder trotz einer Brüsseler Vermarktungshilfe von 2,2 Millionen Euro an Österreichs Gemüsebauern.

Nicht so gut lief es bei Eiern. Sowohl Deutschland als auch Österreich haben früher als von der EU vorgeschrieben auf alternative Haltungsformen umgestellt und die Produktion von Alternativeiern ausgebaut. Dieses Verbot der Legehennen-Käfighaltung macht sich nun in der Statistik bemerkbar. Eierexporte Richtung Deutschland gingen 2011 um 21,3 Prozent zurück.

Doch Skandale hin oder her, Österreich importiert noch immer mehr Geflügel aus Deutschland als umgekehrt Allerdings stieg der Export an Geflügelfleisch 2011 um 17 Prozent auf knapp 30.000 Tonnen bzw. knapp 80 Mio. Euro.

Die Eurokrise wird den Preisdruck verstärken, so der Experte. Besonders in Deutschland, aber auch in Österreich wird Geschäft zu den Diskontern wandern. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.1.2012)

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10 Postings
Salz Burger
00
20.2.2012, 12:43

Immer wieder lustig, diese Export- und Import-Statistik, obwohl wir längst einen gemeinsamen Markt haben.
Wenn ich als Salzburger im nahen Bayern in einem Supermarkt ein österreichisches Lebensmittel kaufe und zuhause esse, läuft das vermutlich auch als Exporterfolg.

Observer 20
00
20.1.2012, 14:31
Bio Produktion

wird zunehmen - es wird aber immer einen gewissen Prozentsatz Billiglebensmittel geben. Was nicht nachlassen darf: Lebensmittel- und Produktionskontrollen.

Echinacea
00
19.2.2012, 16:21
es soll sich jeder gute Nahrungsmittel leisten können -

naturnahe wie möglich, muss nicht unbedingt bio sein - keine Kunstdünger, AB, Pestiziden - weniger ist mehr, es wird soviel weggeworfen, also brauchen wir es auch nicht und der Wert würde wieder der werden, den Lebensmittel sind zum Leben und alles andere braucht man eigentlich nicht - die Österreicher exportieren wie wild und das weniger wertvolle Schweine, Hühnerfleisch bekommen wir von Deutschland -

Salz Burger
00
20.2.2012, 12:45

heute kann sich jeder gute und hochwertige Nahrungsmittel leisten. Das ist eine Leistung unserer Landwirtschaft.

Was aber natürlich nicht davor schützt, dass manche scheinbar billige Lebensmittel kaufen, die sich beim Umrechnen auf die Kosten pro 100 Gramm Eiweiß beispielsweise, als sehr teuer herausstellen.

Jo H
11
20.1.2012, 01:00
AMA - Werbung!

MichaelMoore
04
19.1.2012, 23:28
Ein Hoch unseren Biobauern!

diamant
02
20.1.2012, 11:30
Sollen deren Produkte denn nicht in der 'Region' konsumiert werden, anstatt sie nach Hamburg zu karren?

Salz Burger
00
20.2.2012, 12:46

Richtig. Aber das sehen viele Bauern grundsätzlich anders. Manche meinen tatsächlich, halb Europa sollte Lebensmittel aus Österreich kaufen, wir hier sollten aber natürlich nur regional produziertes kaufen.

timurinamanu
00
19.1.2012, 22:06
Das Huhn im Bild muss ja die Vegetarier unheimlich pflanzn

Ein lebensnotwendiges Mittel ist es ja nicht.

holzdieb
01
20.1.2012, 12:15

das backhendl gehört zur klasse der grundnahrungsmittel

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