"Peaks und Freaks"

Genetiker: Orientierung am Durchschnitt ist talentfeindliches Schulsystem

19. Jänner 2012, 16:37
  • Artikelbild
    foto: ecowin verlag

Markus Hengstschläger regt in neuem Buch "Die Durchschnitts-Falle" zur vermehrten Talente-Förderung an

Wien - Der Durchschnitt ist die größte Gefahr für eine erfolgreiche Zukunft - und ein "durchschnittsorientiertes System" nicht für Herausforderungen gerüstet. Diese Sichtweise vertritt der österreichische Genetiker Markus Hengstschläger in seinem soeben erschienenen, neuen Buch "Die Durchschnitts-Falle", in dem er auch mit dem österreichischen Schulsystem hart ins Gericht geht. Der Fokus liege zu stark auf den Schwächen, nicht auf den Stärken und Talenten der Schüler. Bildungsferne Schichten müssten zur Bildung geführt werden, "nicht um den Durchschnitt zu heben, sondern um mehr Talente entdecken und fördern zu können".

"Peaks und Freaks" statt der "durchschnittlichen Allround-Könner" fordert der Professor für Medizinische Genetik an der Medizinischen Universität Wien, wenn es um die Beantwortung noch ungelöster Fragen in unserer Gesellschaft geht. Politik, Bildungssystem und Eltern würden hingegen "ständig den Ratschlag geben, sich doch dem Durchschnitt anzupassen". Es sei heute wenig beliebt, aus der Masse herauszuragen und gegen den Strom zu schwimmen - dabei basiere genau darauf die Evolution. "Wir brauchen 'Abweichler' wie Albert Einstein, wir benötigen 'Auffaller' wie Sigmund Freud", konstatiert Hengstschläger. Stattdessen zähle am Ende der Schule, dass alle das Gleiche können.

Im Unterricht würden Talente und Stärken verschwendet, indem Schüler dazu angehalten werden, "dort am meisten zu lernen, wo sie die schlechtesten Noten haben, um sich auf Kosten jener Zeit, die sie mit ihren Stärken hätten verbringen können, doch rasch wieder im Durchschnitt einzureihen". Das Ergebnis: Ein "durchschnittliches, unauffälliges, angepasstes Kind", das sowohl in seinen schlechten Fächern als auch in dem nun vernachlässigten Fach, in dem es die ausgezeichnete Note hatte, zum Durchschnitt wird.

Talente selbst seien schwer messbar - der Erfolg, der sich aus der "Wechselwirkung aus Genetik und Umwelt" ergibt, jedoch nicht. "Wir begehen gerade den fatalen Fehler zu glauben, nicht jeder Mensch habe Talente und nicht jedes Talent sei wertvoll", meint Hengstschläger. "Mit diesen beiden Irrtümern muss aufgeräumt werden." Forderungen nach verpflichtendem Kindergarten, Gesamtschule, Zentralmatura oder verpflichtender Sprachkompetenz polarisierten zwar, sollten uns aber "alle recht sein", wenn sie bei der Entdeckung von Talenten helfen und zum Nutzen der Begabung führen. (APA)


Buch-Tipp

Markus Hengstschläger: "Die Durchschnitts-Falle"
Ecowin Verlag
188 Seiten
21,90 Euro
ISBN 978-3-7110-0022-4

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 49
1 2
ella 14
00

Ja, unser Schulsystem nimmt leider auf Staerken und Interessen jedes einzelnen Schuelers zu wenig Ruecksicht und es muessten vielerlei Bemuehungen und grosse Reformen durchgefuehrt werden um dies zu aendern. Ich bin sehr skeptisch ob es dazu die Bereitschaft geben wird.

Alleister
10
Herr Hengstschläger....

...ist schlichtweg der Experte für alles, oder glaubt es zu sein. ich finde seine "literarischen Machwerke" entbehrlich.

Illicit Trafficking Database
20

Wer eine Arbeit sucht, muss damit rechnen, dass er abgelehnt wird – sogar dann, wenn er nur in der Freizeit raucht.
Wer Arbeit sucht ......und zu dick ist.... Wer Arbeit sucht ......und zu hohen Blutdruck hat... Wer Arbeit sucht ......und zu oft im Krankenstand war... Wer Arbeit sucht ......und eine Allergie hat... Wer Arbeit sucht ......und schlechte Gene hat... Wer Arbeit sucht ......und die falsche Hautfarbe hat... Wer Arbeit sucht ......und was falsches denkt... Wer Arbeit sucht ......die falsche Kleidung trägt.. Wer Arbeit sucht ...... ist grundsätzlich mein Arschloch für den Arbeitgeber! Warum? Weil der Arbeiter für seine Tätigkeit die Unverschämtheit besitzt und dafür Geld verlangt. Dabei ist der doch bloß ein unangenehmer unberechen

Illicit Trafficking Database
03
Sorry im Thread geirrt!

Mea culpa maxima!

bm.koger
 
11
31.1.2012, 16:33
ja ja ja

der mann hat recht - wir produzieren durchschnitt (bestenfalls)

Zinsenfeger
14
23.1.2012, 13:35
Kleine Volksschulen

Hatte einmal das Vergnügen, mit den Kindern einer Kleinstvolkschule zu arbeiten: insgesamt 10 Kinder über alle vier Schulstufen, die von ihrer Lehrerin alle zusammen in einer Klasse unterrichtet wurden. Und das Ergebnis war phänomenal: So konzentriert, ernsthaft an der Sache, und gleichzeitig so locker und gut drauf wie die Kinder waren, einfach unglaublich. Und keine Probleme wegen der Altersunterschiede: die Großen zogen die Kleinen mit.

Ein Super-Modell. Aber genau diese Kleinschulen dürfen ja nicht mehr sein, die werden geschlossen, nicht etwa ausgebaut.

sledgehammer44
00

ja, passt nicht in den fünfjahresplan unserer demokratischen regierung. die halten sich lieber an die krone, damits für die nächsten zwei generationen so weitergeht. leider wird davor das geld ausgehen...

. Diogenes
05
23.1.2012, 13:09
Land der Durchschnittlichen

In einem Land in dem es zur Tugend erklärt wird zum
Durchschnitt zu gehören, in dem jede überdurchschnittliche Leistung sofort als Elitenbildung verunglimpft wird und die Gleichmacherei das allgemein akzeptierte Ziel ist
und sei es nur um die eigene Unzulänglichkeit zu
kaschieren sind solche Kommentare eine wahre
Wohltat. Das Buch wird gekauft.

Schlauwi
10
22.1.2012, 14:11
der mann hat recht

und zwar absolut.
@flo schwachsinnige aussage.denk mal drüber nach. du bist quantenphysiker? der beste beweis das unser schulsystem versagt hat

xy13
11
22.1.2012, 02:08
dazu gäbe es viel zu sagen...

einiges steht schon im thread.

1) ist seine meinung bildungsfeindlich und höchstens ausbildungsfreundlich, im sinne von: welchen kurzfristigen nutzen hat die ausbildung für das klassische nutzenkalkül: geld, karriere...

2) steht dahinter ein elite-denken, dass das komplette versagen der sogenannten eliten dieser welt nur kaschieren soll (ja, auch das der wissenschaftseliten)

3) sehe ich gerade in österreich keine (in worten: KEINE) echten leistungsträge an den positionen, wo er gerne seine eliten sehen würde, insbesondere auch an der institution, wo er arbeitet, sondern schleimer, arschkriecher und wenn sie dann mal oben sind ar...l...., und immer protégés (fragt mal nach der familie des herrn, der das buch geschrieben hat...)

f l o
 
26
20.1.2012, 18:49

ich bin quantenphysiker geworden. schon in meiner frühen jugend habe ich populärwissenschaftliche bücher über physik gelesen. vielleicht hätte herr hengstschläger mich damals aus der klasse nehmen lassen, um mich schon damals explizit in meiner physikalischen bildung zu fördern.

dadurch hätte ich dann weniger gut englisch, deutsch, biologie und musik gelernt. ich bin sicher: ich wäre ein schlechterer physiker geworden.

natürlich muss man kindern die möglichkeit geben, sich besonders in einem lieblingsgebiet zu spezialisieren. doch ein gebildeter mensch kann man nur werden, wenn man von vielen gebieten eine grundahnung hat.

Loxoceles
00
24.5.2012, 04:15

Aber heute arbeiten Sie nicht mehr als Quantenphysiker. Auch nicht als Physiker. Sondern als Journalist oder so ähnlich?

f l o
 
02
20.1.2012, 18:45
man kann es aber auch übertreiben:

der zweck der schule ist nicht, hochspezialisierte jugendliche zu erzeugen, die nur von ihrem fachgebiet eine ahnung haben, sondern mündige bürger zu erziehen, die einen ausreichend breiten wissenshorizont zu haben, um sich dann für ihre richtung entscheiden zu können.

ich hatte noch mit 17 jahren keine ahnung, ob ich mich in naturwissenschaft, geisteswissenschaft oder kunst zu hause fühle. an der AHS bekam ich bildung aus einem sehr breiten bereich serviert - davon profitiere ich heute stark.

kinder zu früh in eine richtung zu zwingen, ist gefährlich. natürlich wird man das kind in seinem interessensgebiet speziell fördern - doch auch andere gebiete sollen nicht völlig wegfallen.

Spucks
02
22.1.2012, 11:51

Es geht ja nicht darum Fachidioten zu erzeugen, die vom Rest keine Ahnung haben. Ich habe es so verstanden, dass es darum geht, dass bei Kindern/Jugendlichen das Augenmerk fast ausschließlich auf die Schwächen gelegt wird, und mit diesen gearbeitet wird, und dabei Stärken und Talente ignoriert werden. Eltern, deren Kind z.B. in Mathe immer 4er hat dafür aber mit Leichtigkeit und Genuss Sprachen lernt, geben z.B. viel eher Geld und Energie dafür aus den 4er zu einem 3er oder vl. sogar 2er zu machen, anstatt ihm die Möglichkeit zu geben eine weitere Sprache zu lernen.

max mayer
00
21.1.2012, 00:08

was ist aus ihnen schlussendlich geworden?

erkelteter tiger
13
20.1.2012, 16:51
so a bledsinn

das talent von einstein wurden in der schule gefördert?
aber sicher nicht

das problem am system ist, dass nach herkunft differenziert wird, nicht nach leistung,
jeder trottel muss ins gym, weil die eltern im gym waren

deshalb scheißt man sich an vor unabhängig geprüften standards

JosyH1
32
20.1.2012, 16:20
Oje - da ist er mit unserer SPÖ/ ÖGB/ AK Kultur aber leider im falschen Land

Hier gilt alles Talentierte als Bedrohung und der Klassenkampf ist dort zu starten wo mich oder meine Kinder jemand überholen könnte - nur innerhalb der Institutionen wo ich meinem Nachwuchs die Schiene legen kann (unabhängig vom Talent) wenn ich schon mal drinnen bin finde ich es ok wenn man oben Privilegien genießt.

Eliten und Talent werden im frankophonen und angelsächsischen Raum ganz anders wahrgenommen - und NEIN - das muß nicht umgekehrt bedeuten dass man die breite MAsse vernachlässigt wie in GB und US sondern beides ist zugleich möglich und sogar besonders nachhaltig - siehe Skandinavien.

Dodelbert Engfuss
04
20.1.2012, 15:19
Bedeutungswandel des Wortes "FÖRDERN"

Wenn es früher hieß, jemand würde gefördert, so dachte man an einen Hochbegabten, dem man helfen wollte, sein Talent voll zu entfalten.

Heute denkt man an jemand, dem man helfen will, seine Defizite zu verringern.

Tom_Bombadil
03
20.1.2012, 13:28
Traurig, aber wahr.

Wenn man mit Aufmerksamkeit durch das Leben geht, ist diese Entwicklung schon lange offensichtlich.

Intelligente Kinder werden meist von Lehrern als lästig und im Grunde als Bedrohung für ihre (mangelnde) Autorität angesehen.

Aufmerksame Kinder nehmen mehr wahr und wenn das nicht kongruent mit der Masse ist, werden sie schnell abgestempelt.

Ähnlich verläuft das im Berufsleben. Ein Chef wird selten einen neuen Mitarbeiter einstellen, wenn er den Eindruck hat, er kann mehr als er.
Offensichtlichstes Beispiel: Unsere Politiker. Mit jeder Generation werden die Nachfolger dümmer.

Knochenmann
04
20.1.2012, 11:33

Man denke nur daran wie dumm der durchscnittliche Wähler ist. Und jetzt der Hammer: Die Hälfte davon ist noch dümmer.

luzifux eh
10
20.1.2012, 23:53

keine ahnung in welcher hälfte sie angesiedelt sind. aber, geh'n sie noch zur wahl?

Spucks
01
20.1.2012, 09:34

Da stimme ich absolut zu, trotzdem läuft man, wenn man Kinder hat, leicht in Gefahr das zu vergessen. Man sollte sich das immer wieder in Erinnerung rufen und sich selbst zwingen weniger mit anderen zu vergleichen (sich selbst, oder seine Kinder, egal).
Wer weiß wieviele wundervolle Bücher nicht geschrieben, wieviele wunderschöne Bilder nicht gemalt wurden, weil wunderbare Talente als Kinder/Jugendliche gezwungen wurden sich auf (z.B.) Physik zu konzentrieren, "weil in Deutsch hast ja eh lauter 1er".

Das geht auch schon vor der Schule los - meiner Tochter wurden im Kindergarten als 4 oder 5jährige die Zeichenblätter, die sie täglich verwenden darf, rationiert, weil "sie muss ja von überall etwas mitbekommen".

Zitronenbaum
00
27.1.2012, 07:51

Ich bin gerade äußerst empört darüber, dass deinem Kind die Zeichenblätter rationiert wurden. /: Durfte sie wenigstens daheim mehr zeichnen? Hat sie heute noch Interesse daran?

her wig
00
20.1.2012, 14:16

Was ist schlecht am Vergleichen? Das Problem entsteht doch erst mit dem unmöglichen Ziel, in allem zu den Besten gehören zu müssen.

Spucks
00
20.1.2012, 14:55

Das stimmt, neutrales Vergleichen ist natürlich kein Problem. Nur meistens wird eben nicht neutral verglichen, wenn Eltern beispielsweise schaun wie weit denn der gleichaltrige Freund des eigenen Kindes in diesem oder jenen Bereich ist, sondern da wird, wenn das andre Kind weiter ist, sich Sorgen gemacht, dass das eigene Kind schlecht ist, ein Problem hat, nicht mitkommt, usw.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 49
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.