EU-Parlament will Anteil weggeworfener Lebensmittel halbieren

19. Jänner 2012, 16:01
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89 Millionen Tonnen landen jedes Jahr in der EU auf dem Müll - Strengere Regeln für Biozide

Straßburg/Brüssel - Das Europaparlament hat Schritte gegen die Verschwendung von Lebensmitteln gefordert. In einer Resolution verlangten die Abgeordneten am Donnerstag in Straßburg, den Anteil von Nahrungsmitteln, die in der EU auf dem Müll landen, bis 2025 zu halbieren. Gleichzeitig sollte Bedürftigen der Zugang zu Lebensmitteln erleichtert werden.

Nach Angaben des EU-Parlaments landet fast die Hälfte aller essbaren Lebensmittel in Haushalten, Supermärkten und Restaurants im Abfall. Jeder EU-Bürger wirft laut diesen Schätzungen der EU-Kommission pro Jahr 179 Kilo Lebensmittel weg, in Summe ergibt das 89 Millionen Tonnen. 42 Prozent davon werden in Haushalten entsorgt, 39 Prozent beim Hersteller. Zugleich würden 79 Millionen EU-Bürger unter der Armutsgrenze leben und 16 Millionen Menschen seien von Lebensmittelhilfe abhängig. Ohne Gegenstrategie werde die Lebensmittelverschwendung nach Studien der EU-Kommission bis 2020 um 40 Prozent zunehmen. Die EU-Kommission wurde von Abgeordneten aufgefordert, konkrete Schritte zu planen.

Aufrüttelnde Kampagnen

Das Europaparlament will die Bevölkerung durch Kampagnen und vor allem Schüler und Studenten in Ernährungskursen dafür sensibilisieren, dass Lebensmittel besser aufbewahrt werden können. Das EU-Parlament schlägt vor, 2014 zum "Europäischen Jahr gegen Lebensmittelverschwendung" auszurufen. Um zu vermeiden, dass Lebensmittel bis zum Ablaufdatum im Handel angeboten und dann in großen Mengen entsorgt werden, schlagen die Abgeordneten die Angabe von zwei Daten vor, nämlich "mindestens haltbar bis" und "zu verbrauchen bis".

Gezielte, aufrüttelnde Kampagnen müssten den Konsumenten diese Verschwendung ins Bewusstsein rufen, forderte die ÖVP-Europaabgeordnete Elisabeth Köstinger. Auch hinsichtlich der wachsenden Weltbevölkerung sei es wichtig, dass mit Lebensmitteln sorgsamer umgegangen wird, betonte die SPÖ-Europaabgeordnete Karin Kadenbach. Beide EU-Abgeordnete plädierten dafür, das Mindesthaltbarkeitsdatum zu überdenken. 

Strengere Bedingungen für Biozide

Das Europaparlament verabschiedete am Donnerstag in Straßburg außerdem ein strengeres EU-Gesetz für den Umgang mit "Bioziden". Die Mittel werden zur Schädlingsbekämpfung und als Pflanzenschutzmittel ebenso eingesetzt wie bei der Herstellung von Kleidern oder Möbeln.

So dürfen künftig keine Produkte nach Europa eingeführt werden, die mit hier verbotenen Stoffen behandelt wurden. Bisher war dies möglich. Sofas und Schuhe aus China hatten zu Hautreizungen bei Menschen geführt, berichtete ein Experte der EU-Kommission. Die neuen Vorschriften treten zwischen 2013 und 2020 stufenweise in Kraft. (APA)

  • In der EU werden zu viele gute Lebensmittel weggeworfen, kritisiert das EU-Parlament.
    foto: ulrich schaarschmidt

    In der EU werden zu viele gute Lebensmittel weggeworfen, kritisiert das EU-Parlament.

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